Wenn Fluthelfer mit einem Bein in der Arbeitslosigkeit stehen

Von: Daniel Gerhards
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Handgeschriebener Dank an die Fluthelfer: ein von Anwohnern aufgestelltes Transparent in einem vom Hochwasser betroffenen Dorf. Foto: dpa

Stolberg/Heinsberg. Das kam wie ein Schlag ins Gesicht. Auf dem Weg ins überflutete Magdeburg bekamen vier Heinsberger Ehrenamtler die Kündigung oder Abmahnung – oder zumindest drohten ihre Arbeitgeber damit. „Ein Arbeitgeber hat einem unserer Helfer gesagt, dass er sofort aussteigen und zurückfahren soll. Sonst werde er ihm kündigen“, sagt Gudrun Käbeck, Zugführerin beim Malteser Hilfsdienst Heinsberg.

Käbeck war mit insgesamt 54 Helfern aus dem Kreis Heinsberg unterwegs nach Magdeburg – darunter auch Kräfte vom Deutschen Roten Kreuz (DRK). Vier Malteser-Einsatzkräfte bekamen mächtigen Ärger mit ihren Chefs. Einer von ihnen trat sogar die Rückreise an. „Dieser Helfer ist Familienvater, ich habe ihn dann wieder nach Hause geschickt“, sagt Käbeck. Die Angst, den Job zu verlieren, sei einfach zu groß gewesen. Käbeck berichtet auch von einem Heinsberger DRK-Helfer, der im Einsatz die Kündigung erhalten habe.

Dass ehrenamtliche Helfer von ihren Arbeitgeber so massiv unter Druck gesetzt werden, hat Gudrun Käbeck nun zum ersten Mal erlebt. „Die Bevölkerung im Krisengebiet war unwahrscheinlich dankbar. Bei unseren Helfern herrschte ständige Anspannung. Sie wussten nicht, ob sie noch einen Job haben, wenn sie nach Hause kommen“, sagte sie. Durch solche Fälle werde es für die Hilfsdienste immer schwieriger, Menschen für das Ehrenamt zu begeistern.

Ähnlich erging es Norbert Augusto aus Stolberg. Er fuhr als Mitarbeiter eines Toom-Baumarkts mit dem DRK in Krisengebiet. Zurück kam er ohne Job. Der Grund für die Kündigung: Er ist nicht zur Arbeit erschienen. Seinen Chef hatte der 19-Jährige vorher versucht zu erreichen, ohne Erfolg. Augusto fuhr trotzdem in den Einsatz. „Man wird noch dafür bestraft, dass man anderen Menschen geholfen hat“, sagte er. Am Dienstag nahm die Geschäftsleitung der Baumarktkette die von der Stolberger Filiale ausgesprochene Kündigung zurück.

Zwischenzeitlich hatte DRK-Geschäftsführer Peter Timmermans Augusto angeboten, hauptamtlich im DRK-Fahrdienst zu arbeiten. Und „wenn die Voraussetzungen stimmen“, soll Augusto auch die Möglichkeit bekommen, beim DRK eine Ausbildung zum Rettungssanitäter zu machen, sagte Timmermanns am Dienstag.

Die Reaktion des Toom-Baumarkt-Leiters hält Timmermanns für falsch. Allerdings kann er Arbeitgeber verstehen, die ihre Mitarbeiter ungern in den Hilfseinsatz ziehen lassen. „Es wird schwieriger, Mitarbeiter freizustellen. Das liegt sicher an der hohen Arbeitsverdichtung.“ Dass nun eine Baumarkt-Kette dem jungen Helfer wegen seines Einsatzes kündigte, hält Timmermanns allerdings für besonders bedenklich. „Die Baumarkt-Kette macht Millionenumsätze wegen der Sanierungsarbeiten in den Flutgebieten“, sagte er.

Die rechtliche Lage ist eindeutig. Der Arbeitgeber muss seine Mitarbeiter freistellen – sofern sie ehrenamtlich im Rettungsdienst, dem Technischen Hilfswerk (THW) oder der Feuerwehr aktiv sind. Und er muss auch den Lohn fortzahlen. Diese Kosten erstatten Städte, Gemeinden und Landkreise den private Unternehmen. Im Gesetz gibt es allerdings auch schwammige Formulierungen.

Zum Beispiel muss die Einsatzkraft dem Chef „nach Möglichkeit rechtzeitig“ mitteilen, dass es in den Einsatz geht. Was das bedeutet, ist Auslegungssache. Und Recht und Realität „klaffen auseinander“, wie Wolfgang Geicht, Ortsbeauftragter des Stolberger THW, sagt. Es habe sogar schon Unternehmen gegeben, die klipp und klar sagten, dass sie den Helfer bei der nächsten Gelegenheit kündigen, wenn er in den Einsatz geht.

Für Augusto ist derweil klar, dass er das Angebot beim DRK zu arbeiten, annehmen möchte. Vom Toom-Baumarkt ist er enttäuscht. „Es ist nicht in Ordnung, dass sie die Kündigung nur wegen der Medienberichte zurückgezogen haben.“

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