Heinsberg/Düren - Wenn Diebe nicht vor Kirchen haltmachen

Wenn Diebe nicht vor Kirchen haltmachen

Von: Naima Wolfsperger
Letzte Aktualisierung:
9241226.jpg
Tatort Kirche: In Nordrhein-Westfalens Kirchen werden pro Jahr über 1000 Diebstähle begangen. Vom Taschendiebstahl bis zu geplanten Einbrüchen – selten während der Messe. Foto: stock/epd

Heinsberg/Düren. Am Sonntag ist der Opferstock der Kapelle an der Vinn Straße in Heinsberg-Kirchhoven aufgebrochen worden, das gespendete Geld, das in dem Holzkasten lag, wurde gestohlen. Ein paar Kilometer weiter, in der Pfarrgemeinde St. Valentin in Erkelenz-Venrath, herrschte erst letztes Jahr größere Aufregung, als während der Umbauarbeiten in der Kirche fünf Heiligenfiguren gestohlen wurden.

Die Figuren aus Barock und Neugotik sind zwischen 1,10 und 1,60 Meter hoch, Wert: jeweils bis zu 50.000 Euro. Und in St. Jakob in Aachen wurde kurz vor Weihnachten gar das Jesuskind aus der Krippe gestohlen. Dem Landeskriminalamt (LKA) werden jährlich über 1000 Diebstähle in Nordrhein-Westfalens Kirchen gemeldet, und dabei geht es, wie in Heinsberg und Erkelenz, nicht nur um goldene Ornamente. Die Spannbreite reicht vom Griff in den Klingelbeutel bis hin zum geplanten nächtlichen Einbruch.

Das Bistum Aachen hat eine Aufzählung der Einbrüche von Juni 2013 bis Oktober 2014 erstellen lassen. Durchschnittlich seien zwei Einbrüche pro Monat begangen worden, sagt Bistumssprecher Josef Heinrichs. Ausreißer war der September 2014, da habe es zehn Einbrüche gegeben. „Außergewöhnlich viele Fälle! Auch wenn regionale Einbruchsserien immer wieder mal auftreten,“ sagt Heinrichs. Eine besondere Ursache, für die Zahlen im September, sei dem Bistum nicht bekannt. Der Schaden ist vor allem an den Gebäuden entstanden und wird vom Bistum auf etwa 25.000 Euro geschätzt.

Drei der zehn Einbrüche im September haben sich in Düren ereignet. Betroffen waren die St.-Martins-Kirche, St.-Mariae-Himmelfahrt und die St.-Arnold-Kirche. „Die Fälle sind mutmaßlich Teil einer Serie,“ sagt Julie Greven, Sprecherin der Polizei Düren, „im November wurden zwei Täter gefasst, die für 60 Einbrüche an Kirchen, Kindergärten und Schulen verantwortlich gemacht werden.“

2014 scheint für die Kirchen in Düren ein schwieriges Jahr gewesen zu sein. Die Polizei meldet einen weiteren Vorfall: In der Marienkirche sei am 1. November ein Mann auf der Toilette entdeckt worden, obwohl die Kirche bereits vier Stunden geschlossen gewesen sei. Er habe sich als notleidend und hilfsbedürftig ausgegeben und daraufhin noch einen kleinen Geldbetrag von den Kirchenangestellten erhalten.

Am nächsten Morgen seien Spuren eines Einbruchversuchs an der Tür der Sakristei entdeckt worden. Die Polizei Düren geht davon aus, dass der Mann versucht hat, die Sakristei aufzubrechen.

Meist sind die Delikte aber nicht ganz so spektakulär. Die Kirchen in der Städteregion Aachen werden immer wieder Opfer von Kupferdieben, die ganze Regenrohre abmontieren, aber eben nicht nur: Opferstöcke werden aufgebrochen, sakrale Gegenstände eingesteckt, Handys und Geldbeutel gestohlen.

Die Polizei Aachen hat 2013 genau 48 Kirchendiebstähle aufgenommen, im vergangenen Jahr ist die Zahl um zehn auf 38 Delikte gesunken. Vergleichsweise sind die Zahlen gegenüber Wohnungseinbrüchen im allgemeinen fast verschwindend gering: In den Kriminalstatistiken 2013 sind in Aachen 1242, in Düren 315 und in Heinsberg 816 Wohnungseinbrüche festgehalten.

Die Polizeien Düren und Heinsberg unterscheiden in ihrer Statistik nach Delikt und nicht nach Tatort. Der Polizei in Aachen war eine Unterscheidung möglich. Werner Schneider, Sprecher des Aachener Polizeipräsidenten, sagt, dass in der Städteregion 2014 etwa zehn Taschendiebstähle in Kirchen gemeldet worden seien. „Überwiegend wird während Besichtigungen und in den Diensträumen gestohlen“, sagt Werner Schneider. Die Messe selbst ist wohl doch noch vor den Dieben gefeit.

In Erkelenz konnten inzwischen alle gestohlenen Heiligenfiguren wieder sichergestellt werden. Mehrere Firmen waren mit den Sanierungsarbeiten beschäftigt, einer der Mitarbeiter hatte die Figuren offenbar gestohlen und verkauft. „Wir sind mit dem Schrecken davon gekommen,“ sagt Kirchenvorstandsmitglied Rainer Mertens, „jetzt freue ich mich darauf, dass St. Valentin voraussichtlich im März die Sanierung abschließen und die Türen wieder öffnen kann.“

Der Gerichtsprozess gegen den mutmaßlichen Dieb der Heiligenfiguren beginnt im Februar.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert