Aachen/Düsseldorf - Wenn das Kirchengebäude zu teuer wird

Wenn das Kirchengebäude zu teuer wird

Von: vm/epd
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Auf dem Prüfstand: Für alle Gebäude der evangelischen Gemeinden im Rheinland, wie hier die Christuskirche in Düren, sollen künftig Rücklagen für Instandsetzungen gebildet werden. Foto: Ingo Latotzki

Aachen/Düsseldorf. Ihre Kirchen, Gemeindehäuser und Kindergärten könnten die evangelischen Gemeinden im Rheinland künftig teuer zu stehen kommen. So teuer, dass sie sich unter Umständen von einem Teil ihrer Immobilien trennen müssen.

Der Grund ist die so genannte Substanzerhaltungspauschale, eine neue Verwaltungsvorschrift, über deren Einzelheiten die Landessynode Mitte dieses Monats abstimmen wird und die rückwirkend zum 1. Januar dieses Jahres in Kraft treten soll.

Sie schreibt vor, dass Gemeinden, aber auch Kirchenkreise und die Landeskirche künftig Geld für den Erhalt und die Sanierung ihrer Gebäude zurücklegen müssen. „Uns würde das vor sehr große Schwierigkeiten stellen. Es ist die Frage, ob wir uns dann noch alle Gebäude leisten können”, sagt Pfarrer Jens Wegmann von der evangelischen Kirchengemeinde Stolberg im Kirchenkreis Aachen. Der Umfang der Mehrbelastung sei noch nicht exakt zu beziffern, Wegmann rechnet aber mit 100.000 Euro pro Jahr, die den Haushalt zusätzlich belasten würden.

Rechengrundlage für die Pauschale ist der Feuerversicherungswert der Gebäude in Kombination mit der voraussichtlichen Nutzungsdauer. Konkret werden 70 Prozent des Versicherungswertes durch die Anzahl der Jahre geteilt. Ein Beispiel: Hat ein Gemeindezentrum, dessen Nutzungsdauer mit 50 Jahren veranschlagt wird, einen Wert von einer Million Euro, wären 14.000 Euro zu sparen.

Ausgleich für Ärmere

„Bisher gibt es keine Regelung, die für alle Gemeinden verpflichtend wäre”, erklärt Eva Schüler, Sprecherin der Evangelischen Kirche im Rheinland (Ekir). Da jede Gemeinde eigenständig ist, sei auch jede selbst für ihre Immobilien verantwortlich. Es sei in der Vergangenheit aber vereinzelt vorgekommen, dass sich eine Gemeinde finanziell verhoben habe und letztlich die Gemeinschaft dafür aufkommen musste. Das soll nun mit einer stärkeren Absicherung vermieden werden.

Die eine Gemeinde kann das vor ernsthafte Probleme stellen, andere sehen der Regelung gelassen entgegen. „Bei uns sind die Auswirkungen nicht nennenswert, da wir bereits seit 22 Jahren nach einem ähnlichen Modell Rücklagen bilden”, sagt Ulf Opländer, Verwaltungsleiter der evangelischen Gemeinde zu Düren im Kirchenkreis Jülich. Die lägen bei rund 330.000 Euro jährlich. Er hält die Substanzerhaltungspauschale für gerechtfertigt.

Ähnlich wie in Kommunen, in denen das neue kommunale Finanzmanagement eingeführt wurde, basiere das neue kirchliche Finanzwesen auf kaufmännischer Buchführung. „Die Kommunen hatten das gleiche Problem wie wir jetzt: Gebäude behalten nicht ewig den gleichen Wert, wenn man nicht investiert”, erläutert er. Die Pauschale sei nichts anderes als eine Abschreibung.

Ähnlich entspannt schätzt Christian Preutenborbeck die Auswirkungen der Rücklage für den gesamten Kirchenkreis Jülich ein. „Die meisten unserer Gemeinden legen Geld zur Seite. Für uns kommt das nicht überraschend”, sagt der Verwaltungsleiter. Ärmeren Gemeinden käme außerdem ein Finanzausgleich zugute.

Dramatischer sieht es dagegen im Kirchenkreis Koblenz aus. Cochem hat sich beispielsweise zum Verkauf von drei ihrer fünf Kirchen entschlossen. Im Kirchenkreis Koblenz geht nach Aussage von Superintendent Markus Dröge „ein Ruck durch die Gemeinden”. Schlagartig habe die Substanzerhaltungspauschale jeder einzelnen Kirchengemeinde klar gemacht, dass die vielen Gebäude nun auf den Prüfstand müssen.

Koblenz plädiert für mehr Flexibilität beim Umgang mit den Rücklagen zu Gebäudeerhaltung. Und der evangelische Kirchenkreis Saarbrücken will dem System, das bundesweit in allen evangelischen Landeskirchen eingeführt werden soll, gar nicht folgen.

Wie die Landessynode auf ihrer Tagung zwischen dem 11. und 16. Januar in Bad Neuenahr entscheiden wird, ist noch offen. „So groß angelegte Themen werden auch umfangreich diskutiert. Gerade hier im Rheinland”, sagt Sprecherin Eva Schüler.

Auf dem Prüfstand

Ziel der Substanzerhaltungspauschale ist laut Georg Immel, Finanzdezernent der rheinischen Kirche, dass die Gemeinden sich Gedanken machen, welche Gebäude sie überhaupt brauchen.

Auf dem Prüfstand stehen rund 6800 Gebäude, die den 787 Gemeinden der Evangelischen Kirche im Rheinland (Ekir) gehören. Davon sind 1250 Kirchen und 1370 Gemeindehäuser. Etwa die Hälfte der Kirchen steht unter Denkmalschutz.
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