Weniger Hausaufgaben: Düsseldorfer Schule protestiert

Von: ela
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Turbo-Abi
Ein Gymnasium aus Düsseldorf fordert eine Rückkehr zum neunjährigen Abitur. Foto: Armin Weigel/dpa

Aachen. Beim Thema Turbo-Abitur (G 8) gibt es seit Jahren große Differenzen zwischen Schülern, Eltern und Lehrern. Auch politisch ist die Schulzeitverkürzung eine Dauerbaustelle, immer wieder wurde und wird nachgebessert, um die unerwünschten Nebenwirkungen von G 8 abzufedern.

An einer jüngsten Maßnahmen, der Reduzierung von Hausaufgaben, übt nun das Düsseldorfer Geschwister-Scholl-Gymnasium Kritik – in einem Offenen Brief an das Schulministerium, die Landtagsfraktionen, die Organisatoren des Runden Tisches und verschiedene Medien. Fazit: Besser wäre eine Rückkehr zu G 9.

Zu dem Schritt hat sich die Schulkonferenz entschlossen, das Gremium aus Lehrern, Eltern und Schülern. Die Begründung: Hausaufgaben beschneiden hieße, den Lernfortschritt zu verringern und die Vorbereitung auf das Abitur zu behindern. Außerdem gehe der neue Erlass wieder zu Lasten der schwächeren Schüler, heißt es in dem Schreiben. Die Forderung: Die Begrenzung der Hausaufgabenzeiten zurücknehmen und stattdessen zum Abitur in neun Jahren zurückkehren.

Zur Untermauerung der These wird am Beispiel des Faches Englisch folgende Rechnung aufgemacht: Durch die Reduktion auf 30 Minuten Hausaufgaben pro Hauptfach pro Woche ergebe sich in Englisch eine Hausaufgabenzeit von 15 Minuten pro Doppelstunde, also sieben Minuten pro Einzelstunde. „In dieser kurzen Zeit schaffen gute Schüler zwei bis drei Übungen im Workbook“, heißt es in dem Schreiben.

Diese vorgegebene Zeit reiche nicht, um Stoff nachzubereiten und Vokabeln zu festigen. Hier und in anderen Fächern gehe die Reduzierung der Hausaufgaben vor allem zulasten schwächerer Schüler, die mehr Nachbereitung brauchten. „Die Schulkonferenz sieht mit großer Sorge, dass sich durch diese Reduktion der Hausaufgaben in Folge der Einführung von G 8 die Bildungsstandards nicht mehr halten lassen.“

Die Entwicklung geht nach Ansicht des Gymnasiums genau in die falsche Richtung: Immer mehr Kinder strebten auf Gymnasien, die Schülerschaft werde heterogener, internationaler. Dazu komme die Inklusion. Mehr Aufgaben in kürzerer Zeit – das sei widersinnig.

Zentraler Punkt des sogenannten Hausaufgabenerlasses ist für die Sekundarstufe 1 eine Reduktion der Hausaufgaben von 90 auf 60 Minuten an fünf Schultagen pro Woche in den Jahrgangsstufen 5 bis 7 und von 120 auf 75 Minuten in den Jahrgangsstufen 8 bis 9. Der Erlass, der weniger Hausaufgaben, weniger Nachmittagsunterricht und mehr Förderung vorsieht, trat zum neuen Schuljahr in Kraft. Wie bisher gilt, dass keine Hausaufgaben von einem Unterrichtstag zum kommenden Unterrichtstag aufgegeben werden dürfen, wenn die Klasse Nachmittagsunterricht hatte.

Der Protestbrief des Düsseldorfer Gymnasiums ist aber im Ministerium offenbar noch gar nicht angekommen. Man habe davon aus den Medien erfahren, sagte ein Sprecher auf Anfrage unserer Zeitung. Sobald der Brief vorliege, werde man sich mit den einzelnen Aspekten befassen.

Generell lasse sich aber sagen, dass es einen breiten Entscheidungsprozess am Runden Tisch gegeben habe, mit dem Ergebnis, dass sich nahezu alle Schulkonferenzen der Gymnasien gegen eine Rückkehr zu G 9 entschieden hätten. Ähnliche Rückmeldungen gebe es bislang nicht.

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