Wenig überraschendes Urteil im Drama von Kesternich

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen/Simmerath. Stephan B. muss für zehn Jahre ins Gefängnis, weil er die Frau des Ortsvorstehers von Simmerath-Kesternich heimtückisch und aus reiner Mordlust getötet hat. Das Aachener Schwurgericht verurteilte den 26 Jahre alten Angeklagten Dienstagmittag wegen Mordes und Raubes mit Todesfolge

Nach der Haft, so ordnete das Gericht an, muss er in eine psychiatrischen Anstalt. Stephan B. sei ohne Behandlung eine große Gefahr für die Allgemeinheit. Ein Urteil, das nach dem Verlauf des Prozesses niemanden überrascht haben kann.

Einfach so

Es greife hier nicht die bei Mord geforderte lebenslange Freiheitsstrafe. B. könne laut Gutachten der Sachverständigen wegen seiner psychischen und geistigen Verfassung nur als vermindert schuldfähig gelten, erklärte der Vorsitzende Richter Arno Bormann in der Urteilsverkündung Dienstagmittag. Am Morgen hatte die Staatsanwaltschaft ein ebensolches Urteil gefordert, die Nebenkläger schlossen sich an, die Verteidigung beurteilte das geforderte Strafmaß als durchaus „angemessen“.

Bormann beschrieb dann, wie der seit seiner Jugend in Psychiatrien und Wohnheimen „aufbewahrte“ Angeklagte an jenem Nachmittag des 10. Februar an der Bushaltestelle in Kersternich stand. Dort habe er sich frustriert über sein Leben und sich selbst überlegt, wie es ist, einen Menschen zu töten, einfach so. Er habe „auch Mal im Mittelpunkt stehen wollen“. Irgendjemand anderes und nicht nur er selber solle mal bezahlen, es solle eben einen anderen „hart“ treffen, habe sich der labile Angeklagte immer wieder gesagt und sich als Herr über Leben und Tod gefühlt, so wie in den Musikstücken, die er regelmäßig gehört habe.

Als er dann zu dem Haus Zutritt bekam unter dem Vorwand, auf die Toilette gehen zu wollen, habe er den Entschluss zu seinem tödlichen Vorhaben gefasst. „Es hätte einen x-beliebigen treffen können“, stellte Bormann fest und legte dar, dass genau die Umstände erfüllt seien, die den juristischen Begriff von „Mordlust“ erfassen. „Das ist hier wie aus dem Kommentar verwirklicht“, erklärte der Vorsitzende. In seinem – allerdings umfassenden – Geständnis hatte B. dargelegt, dass er bei der Tat einen „Kick“ bekam wie nie zuvor erlebt. Hinzu kam der Reiz, einen teuren Laptop zu erbeuten, also sei die Tat ebenso ein Raub mit Todesfolge. Insgesamt sei es eine unglaubliche „Stimulanz“ für B. gewesen, einen Menschen zu töten, was die Mitarbeiter des Wohnheims vor der Tat nicht hätten erkennen können.

Die harten Schläge mit einer sogenannten Fingerhantel auf den Kopf der 62-Jährigen habe B. gestanden, nicht so die brutalen Fußtritte auf den am Boden liegenden Kopf des Opfers. Sie waren nach den Ausführungen des Rechtsmediziners aber todesursächlich, zerschmetterten mit ihrer Wucht einen Teil des Schädels.

Das Gericht folgte in der Beurteilung der psychischen Verfassung des Täters der psychiatrischen Gutachterin Konstanze Jankowski (Köln). Sie hatte am Montag dargelegt, wie sich bei dem minderbegabten, aus Brasilien stammenden Adoptivsohn letztlich dann überforderter Eltern ein Zustand entwickelte, der in den Rechtsbegriff einer „schweren anderen seelischen Abartigkeit“ mündete und zwingend eine Behandlung in der Psychiatrie erfordere.

Am Rande des Schwachsinns

Zwar habe der heute 26-jährige in seiner Jugend mehrere von Drogen hervorgerufene Psychosen entwickelt. Diese seien aber inzwischen nicht mehr zu finden. Sie gesamte Entwicklung des Angeklagten, der geistig am Rande des Schwachsinns einzuordnen sei, wie es der psychologische Sachverständige in Tests festgestellt hatte, habe in einer seelische Abartigkeit geendet.

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