Aachen - Weil nicht immer die Sonne scheint

Weil nicht immer die Sonne scheint

Von: Christoph Classen
Letzte Aktualisierung:
Dirk Kröncke begrüßte 400 G
Dirk Kröncke begrüßte 400 Gäste beim Justizforum zum Thema „Vorsorge im Visier”, unter ihnen auch Stefan Weismann, Präsident des Landgerichtes Aachen (erste Reihe, 2. v.r.). In Rekordzeit waren die Plätze im Foyer diesmal ausgebucht. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Über Patientenverfügungen war bereits eine Menge gesagt worden an diesem Abend im Foyer des Justizzentrums Aachen, und dann gab es da diese letzte Frage aus dem Publikum.

Es ging darum, welche Gültigkeit das wichtige Dokument hat, wenn dem Verfasser etwas passiert, während er sich nicht in dem Land aufhält, in dem er es einst aufgesetzt hat. Gerade in einer Grenzregion ist das ja nicht ganz unwichtig. Es war eine gute Frage, wie man an der Reaktion der versammelten Experten ablesen konnte, die vor dem Publikum standen, um Auskunft zu geben: Manche schauten ein bisschen verlegen, andere lachten, aber es klang ein wenig verzweifelt. Weil eine Patientenverfügung allein in dem Land gültig ist, in dem sie verfasst wurde, noch nicht mal innerhalb der EU gibt es eine gegenseitige Anerkennung. Im Ausland hat das Dokument bestenfalls den Charakter eine Empfehlung, mehr nicht.

Es war eine von vielen interessanten Erkenntnissen beim Justizforum zum Thema „Vorsorge im Visier”, ausgerichtet durch die Rheinische Notarkammer in Kooperation mit unserer Zeitung. Dirk Kröncke, Vertrauensnotar der Notare im Landgerichtsbezirk Aachen, begrüßte zur elften Veranstaltung im Rahmen der Reihe „Recht im Zentrum” 400 Gäste. Er freute sich über das große Interesse an einem Thema, mit dem sich wohl niemand wirklich gern beschäftigt. Notwendig sei es aber dennoch. Kröncke sagte: „Jeden von uns kann es plötzlich treffen. Jeder kann in die Lage kommen, in der er nicht mehr selbst entscheiden kann.”

Manfred Kutsch, Redakteur unserer Zeitung und Moderator der Veranstaltung, belegte die Aussage mit Zahlen: In Deutschland erkundigen sich Betreuungsgerichte bis zu 20.000 Mal pro Monat bei der zuständigen Kammer, ob für einen Menschen eine Vorsorgevollmacht hinterlegt wurde. Ist das nicht der Fall, sei es keinesfalls so, dass der Betroffene automatisch von einem ihm nahestehenden Mensch vertreten werde. „Gibt es keine Vorsorgevollmacht, besteht die Gefahr, dass eine familienfremde Person Betreuer wird”, sagte Werner Becker, Notar in Aachen. Bestellt wird sie von einem Gericht. Wobei auch das nicht wirklich eine Gefahr ist, da auch die vom Gericht bestellten Betreuer ihr Bestes tun, um nach dem Willen des Betroffenen zu handeln. Ulrich Bous, Notar in Stolberg, sagte, dass die Basis jeder Vorsorgevollmacht Vertrauen sein müsse. Weil ein Bevollmächtigter im Gegensatz zum Betreuer, der vom Gericht bestellt wird, im Regelfall keiner Kontrolle durch dieses unterliege.

In Abgrenzung zur Vorsorgevollmacht, bei der der Bevollmächtigte beauftragt wird, im Sinne eines anderen zu entscheiden, beinhaltet die Patientenverfügung klare Handlungsanweisungen des Verfassers. Die Unterschrift unter letzterem Dokument empfiehlt Dominik Groß, Direktor des Instituts für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin an der RWTH, „alle paar Jahre zu erneuern”, spätestens aber, wenn sich die Lebensumstände ändern. Bei einem Umzug ins Seniorenheim etwa. „In den meisten Patientenverfügungen geht es um das Sterbenlassen in bestimmten Situationen”, sagte Thomas Förl, Notar in Aachen. Deswegen gebe es Muster für das Dokument, deren Formulierungen zeigten, wie man die möglichst eindeutige Aussagen trifft.

Einig waren sich die Experten in ihrer Empfehlung, dass jeder Mensch eine Patientenverfügung und/oder Vorsorgevollmacht verfassen sollte, egal wie alt er ist, und am besten noch heute. Am schönsten formulierte es Bous. Mit der Vorsorgevollmacht sei es doch wie mit dem Regenschirm, sagte er: „Lässt man ihn zu Hause, regnet es. Nimmt man ihn mit, scheint die Sonne. Ich wünsche Ihnen immer Sonnenschein!”
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