Wegberg - Weicher Sitzen im RRX: Doch Infrastruktur lässt auf sich warten

Weicher Sitzen im RRX: Doch Infrastruktur lässt auf sich warten

Von: Uta Knapp, dpa
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Die von Siemens entwickelten neuen RRX-Züge sollen ab Dezember mehr Komfort bieten. Leselampen, Designer-Toiletten und besser gefederte Wagen sollen die Fahrt angenehmer machen. Doch vollständig umgesetzt werden kann das neue Konzept erst nach dem Ausbau der Infrastruktur. Foto: dpa

Wegberg. Schneller Surfen, weniger Schwitzen und weicher Sitzen - mit dem Einsatz der ersten RRX-Züge zum Jahresende können viele Pendler in NRW auf mehr Komfort hoffen. Doch der Traum von Taktzeiten im 15-Minuten-Rhythmus auf der Kernstrecke zwischen Köln und Dortmund wird im größten Ballungsraum Europas zunächst noch unerfüllt bleiben.

Schätzungen gehen davon aus, dass der vollständige Ausbau des Bahnnetzes noch mehrere Jahre dauern wird. Die Taktung sei abhängig vom Ausbau der Infrastruktur, so eine VRR-Sprecherin. „Die Idee ist total gut, an der Infrastruktur wird es hapern”, beklagte Karl-Peter Naumann vom Fahrgastverband Pro Bahn.

Nach dem nun erfolgten Abschluss der Erprobungsphase auf dem Siemens Testgelände in Wegberg und der bis September erwarteten Zulassung durch das Eisenbahn-Bundesamt sollen die neuen Züge bis 2020 schrittweise auf insgesamt sieben Regionalexpress-Linien in NRW eingesetzt werden. Den Anfang soll die Linie RE11 (Düsseldorf-Kassel) machen. Zuvor waren die Züge auf dem Siemens Testgelände in Wegberg erprobt worden.

Ab Dezember dieses Jahres können dann voraussichtlich die ersten regulären Fahrgäste auf den extra-dick gepolsterten Sitzen Platz nehmen, wie RRX-Projektleiter Jens Chlebowski sagte. In dem neuen Zug sollen die Fahrgäste laut Hersteller weitere Annehmlichkeiten finden, die sonst eher Passagiere in Zügen des Fernverkehrs gewohnt sind.

Die Liste reicht von einem niedrigeren Geräuschpegel im Innenraum über eine bessere Federung bis hin zu separaten Leseleuchten für die Sitze und eigens designten Toilettenräumen. Spezielle Fensterscheiben sollen daneben für einen besseren Handy-Empfang während der Fahrt sorgen.

Auch schwitzende Fahrgäste sollen in den neuen Zügen nach dem Willen der Siemens-Techniker weitgehend der Vergangenheit angehören - zumindest was die Klimaanlage angeht. „Wir haben uns bewusst für eine einfache Wartung entschieden”, berichtete Chlebowski. Spezielle Klappen an den Klimaanlagen seien zwar zunächst etwas teurer, könnten die Wartung jedoch vereinfachen und damit unter dem Strich zu Einsparungen führen.

Hintergrund ist ein neues Konzept, bei dem Siemens Fahrzeuge und Wartung für den Großauftrag mit einem Volumen von rund 1,8 Milliarden Euro aus einer Hand liefert. „Das hat auch in der Entwicklung zu ganz anderen Entscheidungen geführt. Wir haben uns bewusst für eine einfachere Wartung entschieden”, berichtete der Siemens-Fachmann. Auch größere Schränke voller Technik gehören im Fahrgastraum des RRX der Vergangenheit an. Untergebracht wurde die Technik auf den Dächern der Endwagen. Gewartet werden die neuen Züge künftig in einem neuen Siemens-Zentrum in Dortmund, so dass der Hersteller eine technische Verfügbarkeit der künftig 82 RRX-Züge von knapp an die 100 Prozent verspricht.

Ob sich im Inneren der in Orange und Grau gestalteten Wagen dabei tatsächlich ein großzügigeres Raumgefühl einstellt, ist umstritten. „Die Waggons sind richtig vollgestopft mit Sitzen. Ich würde mir mehr Freiraum wünschen”, beklagte Naumann. Immerhin sollen besonders breite Türen für ein schnelleres Ein- und Aussteigen von bis zu drei Passagieren gleichzeitig sorgen.

Insgesamt sollen die Züge rund 800 Reisenden Platz bieten. Beschleunigen kann der Zug in gut einer Minute (68 Sekunden) von Null auf 160 Stundenkilometer. Damit könnten Passagiere darauf hoffen, dass auch jetzt schon Verspätungen besser aufgeholt und Verzögerungen durch Überholungen des Fernverkehrs eher vermieden werden könnten, meinte Chlebowski.

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