Mechernich - Wegen eines Streits droht 300 Wildtieren der Tod

Wegen eines Streits droht 300 Wildtieren der Tod

Von: Ronald Larmann und Marlon Gego
Letzte Aktualisierung:
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Auf der Suche nach einer Lösung: Weil Eigentümerin und Pächter sich streiten, ist das Leben von 300 Wildtieren, darunter auch Rothirsche, im Hochwildpark in Mechernich in Gefahr. Foto: stock/blickwinkel

Mechernich. Weil Ruth Klinkhammer und Albert Stobbe Streit haben, müssen möglicherweise 300 Tiere sterben, einen anderen Ausweg gibt es im Moment eigentlich nicht. Rehe, Hirsche, Elche, Wildschweine, Ziegen, Esel, Mufflons, niemand weiß, was aus ihnen werden soll.

Klinkhammer ist die Eigentümerin des Hochwildparks in Mechernich-Kommern, Stobbe ist Klinkhammers Parkpächter und Eigentümer der 300 Tiere. Sie streiten sich über Vertragsinhalte, aber eigentlich machen sie sich gegenseitig bloß das Leben schwer. Früher waren sie mal ein Paar.

Klinkhammer hat Stobbe seinen Pachtvertrag vergangenen Dezember zum 30. Juni gekündigt, was Stobbe akzeptierte, kein Problem. Klinkhammer will den Park ab 1. Juli selbst betreiben. Die Sache ist nur die: Stobbe muss jetzt zusehen, wie er seine 300 Tiere bis Ende Juni aus dem Park bekommt. Wildtiere auf einem 80 Hektar großen Areal einzufangen, ist auch für einen Wildhüter eine ziemlich große Aufgabe.

Ursprünglich wollte Klinkhammer Stobbe seine Tiere abkaufen, so wäre es für beide Seiten und die Tiere am einfachsten gewesen. Der Plan scheiterte an Stobbes Preisvorstellungen. Kein Problem, sagte Klinkhammer, sie kaufe dann neue Tiere. Stobbe plante also, die Tiere nach und nach einzufangen und in kleinen Mengen zwischen März und Juni aus dem Park zu schaffen. Das aber wollte Klinkhammer nicht, sie verwies auf den Pachtvertrag, in dem steht, dass mindestens 250 Tiere ständig im Park zu sein haben.

In einen Wildpark, in dem keine Tiere sind, kommen natürlich auch keine zahlenden Besucher. Also: Stobbe darf 250 seiner 300 Tiere erst am 30. Juni aus dem Park holen. Stobbe sagt: „Wie soll ich die an einem Tag alle aus dem Park bekommen?“

Neuer Vorschlag: Klinkhammer bot Stobbe an, die Tiere bis zum Herbst, wenn die Preise für Wild am höchsten sind, im Park zu lassen, dann könne Stobbe sie verkaufen, zum Beispiel an den Metzger. Das wiederum wollte Stobbe nicht. Und jetzt? Stobbe sagt: „So etwas habe ich noch nicht erlebt.“

Als einzige Möglichkeit bleibt also, die Tiere am 30. Juni alle zu erschießen, und selbst das ist leichter dahingesagt als getan. 250 Tiere an einem Tag zu schießen, wäre eine ziemlich große waidmännische Herausforderung. Und eigentlich will Stobbe das auch gar nicht. Schon weil er Probleme hätte, mitten im Sommer Käufer für 250 tote Wildtiere zu finden. Es geht ja auch um seine wirtschaftliche Existenz.

Eine winzige Hoffnung auf eine Einigung des früheren Paares Klinkhammer und Stobbe bleibt noch. Denn Klinkhammer sagte dieser Tage im Gespräch mit einer Kölner Zeitung: „Wir sind natürlich weiterhin bereit zu verhandeln.“

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