Geilenkirchen - Wegberger Arzt gesteht Rezeptfälschung und Betrug

Wegberger Arzt gesteht Rezeptfälschung und Betrug

Von: Verena Müller
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Geilenkirchen. Im kurzärmeligen Hemd und mit Stoffbeutel in der Hand ist am Dienstag Thomas B., ehemaliger Arzt aus Wegberg-Wildenrath, vor dem Schöffengericht Geilenkirchen erschienen. Dem 62-Jährigen wird vorgeworfen, zwischen Juli 2009 und Februar 2011 in 236 Fällen betrogen und Urkunden gefälscht zu haben.

Nachdem er seine Zulassung als Arzt zurückgegeben hatte, soll er laut Anklage weiter Rezepte ausgestellt haben. Die Vordrucke und der Praxisstempel stammten aus einer Gemeinschaftspraxis in Heinsberg, in der er tätig war. In fünf weiteren Fällen soll er Blankorezepte einer Gemeinschaftspraxis im Sauerland benutzt haben, in der er Wochenendnotdienste übernommen hatte.

B. soll den Eindruck erweckt haben, Mittel der Krankenkassen verschreiben zu dürfen, ohne noch Vertragsarzt zu sein. Bei den Empfängern handelte es sich um seine alten Stammpatienten. Durch Rezepte, die er nicht hätte ausstellen dürfen, soll drei gesetzlichen Krankenkassen ein Schaden von insgesamt 66.000 Euro entstanden sein.

Mit leichter Röte im Gesicht, zerzaustem Haar und etwas verschwitzt hörte B., wie Staatsanwalt Hubert Herbertz die Anklage verlas, blickte ab und zu über seine Lesebrille und zupfte an seiner Unterlippe. Gegenüber dem Vorsitzendem Richter Thomas Schönig gab B. bereitwillig Auskunft über seine persönlichen Verhältnisse und ließ sich zu den Vorwürfen ein. Er sei zehn Jahre lang Polizeiarzt in Trier gewesen, danach habe er 20 Jahre lang eine eigene Praxis in Wegberg-Arsbeck betrieben.

Seine erste Frau, die er als leitende Praxisgehilfin eingestellt hatte, sei im Alter von 48 Jahren gestorben, mit ihr habe er fünf Kinder. Nach der Praxisaufgabe habe er ein Jahr in der Heinsberger Gemeinschaftspraxis gearbeitet und zwei Jahre nach dem Tod der ersten Frau wieder geheiratet. Seine zweite Frau habe zwei Kinder mit in die Ehe gebracht. Nachdem er aus der Heinsberger Praxis ausgeschieden sei, sei er privatärztlich tätig gewesen.

B. war in der Sache geständig, nur sein Motiv erklärte er völlig anders als die Staatsanwaltschaft. Aus „Gutmenschlichkeit“ habe er gehandelt, „ohne zu denken, dass ich dabei etwas Falsches oder Schlimmes mache“, sagte B.

Die Kollegen der Heinsberger Praxis hätten einen Teil seiner Arsbecker Patienten, den sie zu übernehmen versprochen hätten, abgewiesen, vor allem chronisch Kranke und alte Menschen. Diese hätten sich an ihn gewandt. „Ich habe nur geholfen, wenn diese dringend Medikamente brauchten, auf die sie ja auch einen Anspruch haben“, so B. weiter. „Und er hat kein Honorar bekommen“, ergänzte Anwalt Dirk Schreurs.

Überraschend gab Schreurs ein paar Details aus seinem eigenen Privatleben bekannt: Er sei auch chronisch krank und wisse aus Erfahrung, dass es schwer sei, einen Arzt zu finden, der einen behandele. Richter Schönig wandte ein, dass er einen unzulässigen Spagat zwischen Verteidiger und Zeuge mache und dass es darüber hinaus ein Straftatbestand sei, Patienten abzuweisen. Außerdem sei hier zunächst eine Rechtsfrage zu klären, es gehe nicht um ethische Belange.

Der Urteilsspruch wurde schließlich auf Freitag, 14 Uhr, vertagt. Eine Prüfungskommission ist noch damit befasst, die genaue Schadenshöhe zu ermitteln.

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