Nideggen - Weg der Befreiung führt durch „St. Mokka“

Weg der Befreiung führt durch „St. Mokka“

Von: Stephan Johnen
Letzte Aktualisierung:
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Premiere: Die „Routes of Liberation“-Ausstellung wird in der Kirche St. Hubertus in Nideggen-Schmidt erstmals in Deutschland gezeigt. Sie war bereits in Brüssel, der Normandie und in Arnheim zu sehen und wird unter anderem noch in Berlin, Warschau und Danzig Station machen. Foto: Stephan Johnen
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Gotthard Kirch und seine Mitarbeiter bieten Exkursionen für Schulklassen an, die die Geschehnisse entlang des Westwalls im Kriegswinter 1944/45 beleuchten. Foto: Johnen

Nideggen. Brüssel, Berlin, Frankfurt, Warschau, Danzig, Nideggen-Schmidt. Der kleine Eifelort reiht sich in die Liste der Großstädte ein, in denen die Wanderausstellung „Routes of Liberation“ schon zu Gast war oder noch zu Gast sein wird.

Etwa 70 Jahre nach der Befreiung Schmidts durch die Amerikaner und dem Ende der sogenannten Schlacht im Hürtgenwald im Kriegswinter 1944/45 macht die Ausstellung, die die Befreiung Europas von der Herrschaft der Nationalsozialisten nachzeichnet, damit erstmals Station in Deutschland – noch vor Berlin und Frankfurt.

Am Samstag eröffnet Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlaments und Schirmherr des Projekts, in der Pfarrkirche St. Hubertus die Wanderausstellung, die noch bis zum 31. Januar in Schmidt kostenlos zu sehen ist. Die Schau wurde bisher unter anderem im EU-Parlament in Brüssel, an den Landungsstellen der Alliierten in der Normandie und in Arnheim gezeigt.

Die Kuratoren kommen aus England, Frankreich, den Niederlanden, Deutschland und Polen. Sie wollen – dem Weg der Alliierten im Zweiten Weltkrieg folgend – das Kriegsgeschehen sowie die Vorgeschichte und die Nachwirkungen des Krieges beleuchten. Mit zwölf Schlüsselworten wie Besatzung, Widerstand, Befreiung und Teilung Europas soll das Geschehen in Wort und Bild dargestellt werden. Herzstück sind aber 22 Biografien von Soldaten, Zivilisten, Widerstandskämpfern und Holocaust-Überlebenden, die eine Sichtweise aus verschiedenen Perspektiven ermöglichen.

Im Vorfeld hatten die Schmidter das linke Seitenschiff ihrer Pfarrkirche für die Ausstellung leergeräumt. Seit Mittwoch wird in „St. Mokka“, wie die nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaute Kirche im Volksmund heißt, gewerkelt. Die deutschen Informationstafeln steckten noch in der Originalverpackung, waren unter Schutzfolien verborgen. „Es gab keine lange Diskussion, als der Verein Rureifel Tourismus an uns herangetreten ist und gefragt hat, ob die Ausstellung in der Kirche gezeigt werden kann“, sagt Johannes Foemer vom Kirchenvorstand. Ganz im Gegenteil sogar.

„Die Ausstellung zeigt, wie wichtig und kostbar Freiheit ist. Wir wollen als Pfarrgemeinde ein klares Zeichen gegen Rechts setzen“, erklärt er. Der Kirchenvorstand hat zusätzlich Konrad und Benedikt Schoeller, die sich mit der lokalen Geschichte auseinandersetzen, beauftragt, auf mehreren Stellwänden die Kämpfe um Schmidt und im Hürtgenwald in den Gesamtkontext einzuordnen. Die beiden bieten auch Wanderungen aus dem sogenannten „Kreuzweg des Friedens“ zu historischen Schauplätzen in der nahen Umgebung an.

„Die Ausstellung hat nur in kleinen Teilen mit dem Hürtgenwald zu tun. Aber die Kämpfe zwischen Herbst 1944 und Februar 1945 werden als Teil der Geschichte wahrgenommen“, sagt Gotthard Kirch, Geschäftsführer des Vereins Rureifel Tourismus. Das Gedanken an die „Schlacht im Hürtgenwald“ vor 70 Jahren und der Kampf um das Dorf Schmidt seien der Anlass gewesen, mit Hilfe von Sponsoren die die „Routes of Liberation“ in die Eifel zu holen. Kirch und seine Mitarbeiter haben sechs lokale Lebensläufe recherchiert, die offizieller Teil der Wanderausstellung sind und diese ergänzen. Julius Erasmus, der als „Totengräber von Vossenack“ zunächst auf eigene Faust begann, die Toten im Kampfgebiet zu bergen, gehört ebenso dazu wie das Schicksal einer Familie aus Schmidt.

„Das ehrenamtliche Engagement ist groß, das ganze Dorf macht mit“, berichtet Gotthard Kirch. Mehr als 20 Schmidter wurden geschult, um die Ausstellung bis zum Monatsende zu betreuen und Führungen übernehmen zu können. Von der Ausstellung erhofft sich Kirch „den Schwung, dieses schwierige Thema auch in Zukunft weiter bearbeiten zu können“. Die Idee hinter dem internationalen Konzept sei ja, vor Ort Museen, Touristiker und Geschichtsvereine einzubinden und weitere Angebote zu schaffen. Kirch: „Ich wünsche mir, dass auch viele Schulklassen die Chance ergreifen, sich die Ausstellung anzuschauen.“

Einstündige Führungen

Die Ausstellung „Routes of Liberation“ in der Pfarrkirche St. Hubertus in Nideggen-Schmidt ist montags bis donnerstags und samstags von 10 bis 17 Uhr geöffnet, freitags und sonntags von 11 bis 17 Uhr. Einstündige Führungen (vier Euro pro Person) gibt es freitags, samstags und sonntags um 14 Uhr. Weitere Informationen zu Führungen und Wanderungen gibt es auf der Internetseite des Vereins Rureifel Tourismus (www.rureifel-tourismus) und unter Telefon 02446/805790.

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