Wasserverband als Müllofen-Betreiber?

Von: Stephan Mohne
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mva we 05.01.mja.mva2 05.01.2006 Foto: michael jaspers
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Die Müllverbrennungsanlage in Weisweiler: Nur mit dem Müll aus der Region Aachen und Düren ist sie nicht ausgelastet. Foto: Jaspers

Aachen. Hopp oder Top. Entweder gibt es ab 2017 eine bahnbrechende Idee, was man in der Müllverbrennungsanlage Weisweiler außer dem Müll aus der Städteregion Aachen und dem Kreis Düren verbrennen kann, oder die vor nicht einmal 20 Jahren gebaute, rund 310 Millionen teure MVA ist am Ende.

Denn dann läuft der Vertrag der kommunalen AWA GmbH mit der Entsorgungsgesellschaft Niederrhein (EGN/Tochter der Stadtwerke Krefeld) aus. Bislang sind diese beiden Gesellschaften dafür zuständig, die 360.000 Tonnen Kapazität der drei Öfen zu füllen. Städteregion Aachen und Kreis Düren bekommen aber nur 120.000 Tonnen zusammen. Das würde gerade einmal für eine Verbrennungsstraße reichen.

Was fehlt ist Müll

„Damit wäre die MVA nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben“, sagt Thomas Griese, für die Grünen im Zweckverband Entsorgungsregion West (ZEW). Mit anderen Worten: Das wäre wohl das Aus der modernen Anlage, denn auf dem hart umkämpften Müllmarkt, wo teils mit Dumpingpreisen agiert wird, ließen sich die zusätzlichen Mengen nicht akquirieren. Für CDU und Grüne in der Städteregion ist die Zukunft der MVA deshalb auf Mist gebaut – um ein freundliches Wort zu verwenden. Und es könnte ganz neue Mitstreiter am Müllofen geben, die sich bislang eher in der Kläranlage tummeln.

Die Mehrheitsfraktionen im Städteregionstag wollen den Wasserverband Eifel-Rur (WVER/Düren) mit ins Boot holen. Er soll in Weisweiler Klärschlamm verbrennen. Oder besser gesagt das, was nach dessen Vergärung in Biogasanlagen übrigbleibt. Und das sind nicht weniger als 100.000 Tonnen pro Jahr. Rein zeitlich würde das Ganze prima passen, bekundeten am Montag Spitzen von CDU und Grünen in Aachen in großer Runde.

Denn just 2017 laufe der Vertrag des WVER mit RWE aus, in deren Weisweiler Kraftwerk der Schlamm bisher größtenteils verbrannt wird. Das sei gesetzlich demnächst nicht mehr erlaubt. Das Kraftwerk verfügt nicht annährend über eine solch ausgereifte Filtertechnik wie die MVA und pustet aktuellen Zahlen zufolge ein Vielfaches der MVA-Abgaswerte in die Luft. Auch das Ausbringen von Klärschlamm auf Felder – was derzeit laut CDU-Fraktionschef Dieter Wolf zu drei Prozent geschieht – sei demnächst verboten. Also müsste der WVER eine eigene Verbrennungsmöglichkeit bauen. Doch da, so sagen CDU und Grüne, könne man doch besser Synergien mit der MVA nutzen. Alleine mit der Idee renne man beim WVER offene Türen ein, sagt Axel Wirtz, Landtagsabgeordneter der CDU.

So soll ein Ofen dergestalt umgebaut werden, dass dort künftig ausschließlich Klärschlamm verbrannt wird und aus diesem auch noch wertvolles Phosphor – wichtiger Bestandteil von Düngemitteln – zurückgewonnen werden kann. Das könnte ein lukratives Geschäft sein, reichten die weltweiten Phosphorvorkommen doch nur noch bis 2030, erklärt Ingrid von Morandell (Grüne). Sollte das tatsächlich so umgesetzt werden, „kämen wir mit einem blauen Auge davon“, meint Michael Kirsch (CDU). Auch das soll eine gesetzliche Vorgabe werden.

Die Betriebsführung dieser Verbrennungsstraße würde man in die Hände des Wasserverbands legen. „Er will da den Hut aufhaben. Das ist eine Grundvoraussetzung“, sagt Griese. Denkbar sei gar, dass der WVER für die gesamte MVA die Betriebsführung übernehme. Diese Frage schwebt ohnehin in der Luft, da die Verträge mit dem bisherigen Betreiber RWE ebenfalls auslaufen und schon seit längerem diskutiert wird, ob man die Zusammenarbeit fortsetzen will.

Unter dem Strich sollen für die Bürger der Region mit dieser Idee – deren Urheberschaft übrigens auch die SPD für sich reklamiert – zwei positive Effekte bei der ganzen Sache herausspringen: Die Müllgebühren sollen auch nach 2017 trotz der wegbrechenden Müllmengen in der MVA möglichst stabil bleiben. Und die Abwassergebühren – bei denen die Klärschlammentsorgung ein Faktor ist – obendrein.

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