Wasserspringerin Lina Mingers: In ihrer Klasse Spitze

Von: André Schaefer
Letzte Aktualisierung:
9122193.jpg
Sechsmal pro Woche macht sich Lina Mingers in den frühen Abendstunden auf den Weg in die Ulla-Klinger-Halle, um dort jeweils bis zu drei Stunden lang zu trainieren.

Region. Von

Wenn Lina Mingers über Wasserspringen spricht, kommt irgendwann der Moment, in dem sie ein Wort in den Mund nimmt, mit dem der Zuhörer nicht unbedingt rechnet: Angst. Aus sieben Metern Höhe den Absprung zu wagen, mit einem hohen Schwierigkeitsgrad ins Wasser zu gleiten, das sei ohne eine gewisse Grundangst kaum möglich, sagt die Zwölfjährige.

„Versuchst du einen neuen Sprung, überwiegt natürlich zunächst ein bisschen die Angst. Doch die sollte irgendwann in Respekt übergehen. Du darfst die Freude am Sprung halt nicht verlieren, sonst macht das alles keinen Sinn“, betont die junge Sportlerin. An der nötigen Freude im Wettkampf mangelte es bei Lina Mingers in den vergangenen zwölf Monaten mit Sicherheit nicht – und zwar aus gutem Grund. Denn es ist ein erfolgreiches Jahr, auf das die Aachenerin zurückblicken darf. Ein Jahr, an dessen Ende die Auszeichnung zur Sportlerin des Jahres steht.

„Damit habe ich nun wirklich nicht gerechnet“, sagt Lina Mingers ganz überrascht. Aus heiterem Himmel kommt dieser Erfolg der Schülerin allerdings nicht. Achtmal Gold und einmal Silber holte die Zwölfjährige im März und Juli bei den Deutschen Jugendmeisterschaften in Leipzig, wo sie noch als Springerin des SV Neptun angetreten war. Dass Lina Mingers in ihrer C-Jugend-Klasse das Maß aller Dinge ist, steht nicht erst seit gestern fest. Immer wieder zeigt die Zwölfjährige teils anspruchsvollere Sprünge als ältere Wettkämpfer. In ihrem Verein zählt sie zu den stärksten Nachwuchsspringern.

Im Alter von fünf Jahren begann Lina mit Kunstturnen. Schnell entwickelte sich ihr Bedürfnis, den Bock gegen den Sprungturm auszutauschen. „Der Respekt vor dem Sprung ins Wasser hatte für mich irgendwann etwas Faszinierendes. Es ist eine Sportart, in der dir nicht so schnell langweilig wird. Du wirst ständig mit der Herausforderung konfrontiert, deine Angst vor dem Sprung zu überwinden“, erzählt sie.

Genau das gilt nicht nur für den Wettkampf, sondern auch für das Training. Sechsmal pro Woche macht sich Lina Mingers in den frühen Abendstunden auf den Weg in die Ulla-Klinger- Halle, um dort jeweils bis zu drei Stunden lang unter der Leitung von Trainer Otto-Eberhard Klinger die Weichen für den Erfolg zu stellen. „In diesem Jahr hat einfach alles gepasst“, sagt sie. „Schon der Jahresbeginn verlief erfolgreich.“

Das verlief er in der Tat. Lina Mingers war gerade erst von der D- in die C-Jugend aufgerückt, da stellte sie sich im Januar gleich der anspruchsvollen Aufgabe, gegen ältere, internationale Konkurrenten anzutreten. Auf Gran Canaria lieferte sich die Aachenerin mit B-Jugend-Springern aus insgesamt fünf Nationen spannende Wettkämpfe, bei denen sie ein dickes Ausrufezeichen setzte.

Während Lina vom Ein-Meter-Brett noch ihre Startschwierigkeiten hatte, stellte sie aus drei Metern Höhe eindrucksvoll unter Beweis, dass in den kommenden Jahren auch international weiterhin mit ihr zu rechnen ist. Lediglich die amtierende Jugendeuropameisterin Ekaterina Nekrasova aus Russland lag vor ihr auf Rang 1. Vom Turm aus gelang Lina anschließend sogar ein nahezu perfekter Sprung, der mit dem obersten Podestplatz belohnt wurde.

„International einen solchen Erfolg feiern zu dürfen, ist natürlich nochmals etwas ganz Besonderes“, erinnert sich die Zwölfjährige gerne an die Reise auf die kanarische Insel. Das bislang vielleicht erfolgreichste Jahr ihrer noch jungen Karriere schien ab diesem Zeitpunkt fast schon programmiert.

Auf internationaler Ebene mithalten zu können, das ist auch Lina Mingers‘ langfristige Zielsetzung. Dass sie auf einem beachtlichen Weg dorthin ist, hat sie beim 2. internationalen Ulla-Klinger-Cup in Aachen gezeigt. Im November ging Lina Mingers dort für das Top-Team NRW an den Start, für das sie vom Drei-Meter-Brett die Goldmedaille gewann.

Mit ihrem zweieinhalbfachen Delphinsalto ließ sie die starke internationale Konkurrenz hinter sich. „Das war mit Sicherheit auch ein besonderer Moment dieses Jahres“, sagt die Zwölfjährige, die künftig für den Wasserspringverein Aachen an den Start geht. Für das kommende Jahr gibt sich das Talent recht bescheiden: „Ich möchte einfach den Spaß an diesem Sport weiter aufrecht erhalten und natürlich darüber hinaus weiterhin hart für den Erfolg trainieren. Der Rest kommt dann hoffentlich von ganz alleine.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert