Region - Wasserburg Alden Biesen: Auf dem Tablet-PC wachgeküsst

Wasserburg Alden Biesen: Auf dem Tablet-PC wachgeküsst

Von: Edda Neitz
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Von EDDA NEITZ Alden Biesen: Als ihm das Wasser bis zum Hals steht, verkauft Armand Roelants du Vivier 1971 die Burganlage an die belgische Regierung. „Viel Glück brachte Alden Biesen ihm nicht. Armand war weit davon entfernt, Personal und Rechnungen
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Von EDDA NEITZ Alden Biesen: Als ihm das Wasser bis zum Hals steht, verkauft Armand Roelants du Vivier 1971 die Burganlage an die belgische Regierung. „Viel Glück brachte Alden Biesen ihm nicht. Armand war weit davon entfernt, Personal und Rechnungen
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Von EDDA NEITZ Alden Biesen: Als ihm das Wasser bis zum Hals steht, verkauft Armand Roelants du Vivier 1971 die Burganlage an die belgische Regierung. „Viel Glück brachte Alden Biesen ihm nicht. Armand war weit davon entfernt, Personal und Rechnungen
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Region. Alden Biesen: Als ihm das Wasser bis zum Hals steht, verkauft Armand Roelants du Vivier 1971 die Burganlage an die belgische Regierung. „Viel Glück brachte Alden Biesen ihm nicht. Armand war weit davon entfernt, Personal und Rechnungen bezahlen zu können, um dieses große Haus in Schuss zu halten.“ Das sagt Frank Anthierens.

Er hat den Parcours „Bilzen Mysteries“ um den ehemaligen Herrensitz des deutschen Ritterordens in der Nähe des Städtchen Bilzen inszeniert. Damit setzt der Brüsseler Experte für audiovisuelle Shows dem „Heer van Biesen“ – wie die Dorfbewohner Armand, der 1974 starb, gerne nannten – ein virtuelles Denkmal. Doch der Rundgang bietet noch viel mehr. Ausgestattet mit einer extravaganten Klang- und Bildkulisse fühlt man sich tatsächlich ein bisschen in die alte Geschichte zurückversetzt.

Das 13. Jahrhundert

Perfekt und stilecht herausgeputzt ist die Wasserburg mit Ecktürmen, Vorburgen und Gärten dank aufwendiger Renovierung eine wahre Augenweide. Die Innenräume weisen dagegen kaum sehenswerte Historie auf. Sie dienen heute als Räume für Kongress- und Kulturveranstaltungen. „Deshalb war für uns klar, dass ,Bilzen Mysteries‘ auf dem Außengelände stattfindet“, sagt Frank Anthierens.

Die Geschichte von Alden Biesen beginnt, als um 1220 Graf Arnold III. dem deutschen Ritterorden Land und eine Kapelle schenkt. Es ist die Zeit der Kreuzzüge. Kreuzfahrerheere der europäischen Ritterschaft ziehen nach Jerusalem und Palästina, um den christlichen Glauben zu verteidigen. 1795 wird Alden Biesen von den französischen Revolutionsgruppen besetzt und verkauft. Alden Biesen wird Privatbesitz – und Armand Roelants du Vivier schließlich der letzte Privateigentümer.

Er liebte seine alte Burg und gab alles, um das Gemäuer zu erhalten. Ständig sei er mit einem Eimer voller Werkzeuge unterwegs gewesen, um etwas zu reparieren, erzählt man. So liegt es nahe, dass Armand die Besucher auf dem virtuellen Parcours – natürlich mit dem Werkzeugeimer in der Hand – begleitet. Werkzeug muss er immer wieder zur Hand haben, vor allem, um die defekte Wasserleitung in Gang zu bringen.

In der Orangerie gibt es Kopfhörer und Tablets. Und dann geht es hinaus in die Dunkelheit. Denn erst, wenn die Sonne untergeht, kann „Bilzen Mysteries“ beginnen und wirken. Schon bald – auf der langen Maastrichter Allee – erscheinen vor den dunklen Mauern Pilger. Sie sind ausgezehrt von ihrer Wanderschaft. Hier suchen sie Unterschlupf. Wir sehen sie natürlich nur auf dem Display des Tablets. Dazu erzählt Armand, der von dem in Belgien bekannten Schauspieler Jan Decleir dargestellt wird, dass Alden Biesen im 13. und 14. Jahrhundert das Zentrum des Deutschritterordens in der Rhein-Maas-Region war.

Das Leben auf Alden Biesen wird vor den Originalkulissen mit verschiedenen Techniken wieder zum Leben erweckt. „Das Besondere ist, dass alle Technik-Elemente wie Licht, Musik, Video- und Laser- Projektion mit der Geschichte auf dem Tablet synchronisiert sind“, erklärt Frank Anthierens. Um dieses perfekte Zusammenspiel zu erreichen, wurden über zehn Kilometer Datennetzwerkkabel verlegt. Mehr als 650 Beleuchtungselemente und rund 90 LED-Kerzen wurden installiert. Das gesamte Gelände wurde digital vernetzt. Alle Geräte können also direkt mit dem Server kommunizieren und zentral koordiniert werden.

In der imposanten Ordenskirche sitze ich später alleine in einer Bank. LED-Kerzen erhellen das Altargemälde, auf dem Display des Tablets wird die Szene des Ritterschlags eines Novizen durch den Papst abgespielt. Plötzlich erfüllt Donnergrollen den Raum, die Kerzen flackern, und dämonenartige Schatten schieben sich an der Kirchendecke entlang.

Für einen Moment scheint sich wieder Geschichte mit Gegenwart zu vermischen, und weil sonst niemand in der Kirche ist, gruselt es ganz schön, und ich frage mich, wo die 300 Besucher sind, die sich für diesen Abend angemeldet haben. Von einer Mitarbeiterin erfahre ich später hierzu, dass maximal 36 Besucher zum selben Zeitpunkt starten können, um das intensive Erlebnis von Klang, Licht und Bewegung jedem zu ermöglichen.

Der letzte Kreuzzug

Nicht weniger spektakulär sind die weiteren Stationen und Geschichten. Sie handeln von dem letzten Kreuzzug, den wir im Hof erleben, vom Pestkranken, der uns auf der Brücke über den Wassergraben begegnet, oder von Ketzern, die am Galgen vor dem Tor erhängt werden. Mystisch romantisch ist der Tanz der Nymphen um den Minerva-Tempel im Park.

Die letzte Station ist auch das Ende von Armands Kampf um Alden Biesen. Feuer bricht aus. Die Burg steht in Flammen. Was ist geschehen? Es ist der 8. März 1971. Angestellte zünden in einem der offenen Kamine Feuer an, denn Armand erwartet Vertreter der belgischen Regierung. Er will Alden Biesen verkaufen. Doch der Dachstuhl neben einem Schornstein fängt Feuer, die Flammen breiten sich schnell aus.

In dem Chaos versuchen Feuerwehrleute, sich einen Weg durch die Menge der Schaulustigen zu bahnen. Auch Armand ist dabei und trägt, mit Rußspuren im Gesicht, ein Gemälde ins Freie. Das alles erleben wir, am Originalort, dank digitaler Technik.

Ein Happy End gibt es auch. Obwohl das Gebäude völlig ausbrennt, kauft die Regierung dieses Kulturerbe. Das muss gefeiert werden, mag sich Frank Anthierens noch einmal gedacht haben. Am Ende gelingt es Armand sogar, den Defekt in der Wasserleitung zu beheben, die große Fontäne springt an, und wir erleben in der dunklen Nacht zu klassischer Musik ein Ballett farbiger Laserstrahlen um die Pflanzen des französischen Gartens.

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