Aachen - Was tun bei Attacken in Bus und Bahn?

Was tun bei Attacken in Bus und Bahn?

Von: Sabine Rother
Letzte Aktualisierung:
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Unsichere Situationen am Bahnsteig? Eine neue Kampagne soll helfen. Foto: imago/Raph Peters
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Holger Klein vom Verkehrsverbund Rhein-Sieg/Nahverkehr Rheinland. Foto: Smilla Dankert

Aachen. „Schreckensfälle wie die Kölner Silvesternacht haben uns gezeigt, dass wir nicht nachlassen dürfen, wenn es um mehr Sicherheit geht“, sagt Holger Klein, Leiter der Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher beim Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) und Nahverkehr Rheinland (NVR).

Sicherheit im Nahverkehr sei ein Dauerthema, der Ruf nach Zivilcourage gleichfalls.

An Bushaltestellen und in Zügen vom ICE bis zur späten Regionalbahn kommt es immer wieder zu Situationen, die gefährlich werden können. Und nicht nur Fahrgäste in Bussen und Bahnen, auch das Bahnpersonal wird häufig angepöbelt und attackiert. „Soviel ist sicher. Du hast immer eine Wahl: 110!“ ist daher das Motto einer umfangreichen Kampagne, bei der die „Verhaltenstipps in brenzligen Situationen“ auch betonen, dass niemand den Helden spielen sollte, wenn er Zeuge eines gewalttätigen Übergriffs wird.

Gefühl der Unsicherheit

In öffentlichen Verkehrsmitteln hängen Plakate zum Thema. Das soll zum Nach- und Mitdenken anregen. „Wir wissen, dass das subjektive Sicherheitsempfinden nicht nur im Nahverkehr angegriffen ist“, sagt Klein. „Objektiv betrachtet ist der Nahverkehr jedoch eines der sichersten Verkehrsmittel.“

Dennoch sei es wichtig, dem Unsicherheitsgefühl der Fahrgäste mit der Kampagne zu antworten. Zusammen mit dem Kompetenzcenter Sicherheit, das beim Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) angesiedelt ist, wurden Verhaltenstipps entwickelt, die zum Hinschauen und zum Wählen des Notrufs motivieren sollen. „Immer mehr Menschen schauen leider weg, wenn etwas passiert und holen keine Hilfe. Wir möchten dazu motivieren, dass das anders wird“, meint Klein. Zudem kooperiert man mit der „muTiger-Stiftung“ des VRR, die im Bereich Prävention und Selbstverteidigung Bürger schult, und auch die Polizei ist mit im Boot. „Es geht um Verantwortungsbewusstsein und Handlungskompetenz“, sagt Klein. „Das ist leichter gesagt als getan, aber wir wollen ja auch nicht, dass jemand als Helfer verletzt wird.“

Schon bei der Beobachtung von leichteren Straftaten im Nahverkehr, zum Beispiel Vandalismus, rät die Polizei dazu, die Notrufnummer 110 zu wählen. Deshalb steht an erster Stelle der Tipps für den Ernstfall die Notrufnummer, die man vom Mobiltelefon aus kostenfrei wählen kann. Hier sollte der Anrufer der Polizei bereits ein paar erste Infos zum Geschehen geben: Wer? Was? Wo? Wann?

Noch ein Tipp: „Ich fordere andere aktiv und direkt zur Mithilfe auf.“

Klein: „Es kann so manches verhindert werden, wenn nicht alle wegschauen, da beginnt Zivilcourage.“ Wer einen anderen im Bus oder in der Bahn gezielt anspricht und auffordert, zu helfen, werde kaum abgewiesen. Oft reiche sogar schon ein lautes Wort, um einen Täter einzuschüchtern. „Aber duzen Sie ihn nicht, halten Sie in jedem Fall Distanz“, heißt es in den Verhaltenstipps zur Kampagne. Kommt es dann doch zur Tat, sind Details zum Tathergang und Täterbeschreibungen wichtig – und nicht nur das. Gibt es Verletzte, kann jede Minute lebensrettend sein, muss über den Notruf 112 der Rettungsdienst alarmiert werden. Erfahrung der Polizei: Immer wieder kommen Straftäter davon, weil sich Zeugen nicht melden. „Die meisten Leute können mit ihrem Handy Fotos oder sogar Videos aufnehmen, das sollte man in solchen Momenten tun“, fordert Klein dazu auf, möglichst viele Beweismittel zu sammeln.

Reisende berichten

Mehr Videokameras, mehr Personal – das fordern die Reisenden, die sich am Internet-Forum „Fahrgäste berichten“ beteiligen. Hier gibt es Berichte aus dem alltäglichen Pendler-Leben: „Ich wollte gerade in die Regionalbahn einsteigen, da rempelt mich jemand von hinten an. So schnell, wie der sich meine Handtasche gegriffen hat, konnte ich gar nicht reagieren. Das hat dann Gott sei Dank ein anderer getan und sich den Dieb gegriffen“, erzählt eine Frau von einem realen Beispiel für Zivilcourage. Eine andere versichert: „Gutes Benehmen ist zwar seltener geworden – aber längst nicht out.“

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