Was sagen Motorradfahrer zum Thema Raserei und Lärm?

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Gerne gemeinsam unterwegs: Ruth und Klaas Wolters
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Marcus Baumann und seine Frau Ursula
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Pfarrer Josef Wolff auf seinem Motorrad
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Hans-Peter Leisten und seine Frau Monika Schick-Leisten

Region. Was sagen eigentlich die Motorradfahrer selbst zu ihren rasenden Kollegen und der Lärmbelästigung für die Anwohner an beliebten Biker-Strecken? Wir haben fünf bekannte Gesichter gefunden, die sich nicht scheuen, ihre Kritik mit offenem Visier zu äußern.

Sie haben aber auch ein paar Lösungsvorschläge im Gepäck – und Ideen, wie man die Freude, auf zwei motorisierten Rädern unterwegs zu sein, weiterhin genießen kann.

Ruth und Klaas Wolters, Weyers-Kaatzer

Wir sind seit über 20 Jahren einspurig unterwegs, aber nicht als Motorradrasende, sondern als Motorradreisende. Auf unseren Urlaubstouren fahren wir fast ausschließlich auf Nebenstraßen und kommen auch durch viel kleine Ortschaften. Wenn man diese in angemessenem Tempo „im großen Gang“ durchfährt, wird niemand unnötig belästigt. Die Freude am Fahren ist deshalb nicht geringer. Eher im Gegenteil, wir kommen bei unseren Stopps häufig mit Einheimischen ins Gespräch.

Fahrten in unsere Eifelregion vermeiden wir in der Regel, um nicht mit der rücksichtslosen Fraktion in einen Topf geworfen zu werden, oder gar als Unbeteiligte in einen der vielen Raserunfälle verwickelt zu werden. Um dem gefährlichen und unverantwortlichen Handeln dieser Gruppe von Pseudo-Rennfahrern entgegenzuwirken, sind unseres Erachtens die Hersteller und der Gesetzgeber gefragt. Die Hersteller, um Motorräder und Zubehör für die öffentliche Straße freiwillig zu reglementieren, auch leistungsstarke Motorräder müssen nicht zwangsläufig übermäßig laut sein.

Der Gesetzgeber, um zum Beispiel in besonderen „Schutzzonen“ wesentlich höhere Strafen anzusetzen und diese auch durch strengere Kontrollen bei Vergehen direkt vor Ort zu kassieren, bis hin zum Einzug des Motorrades. Das muss richtig wehtun.

Marcus Baumann, Rektor der FH Aachen

Motorradfahren, früher die preiswerte Alternative zum Auto, heute Hobby entweder beim gemütlichen „Cruisen“ oder unter der Herausforderung von Geschicklichkeit und Schnelligkeit. Letztere wird dann von einigen übertrieben, teilweise maßlos. Die Folgen sind Selbstgefährdung und Gefährdung anderer bei Überschätzung der eigenen Fahrkünste, vor allem bei verantwortungsloser Raserei, die auch bei einigen Autofahrern zu beobachten ist.

Neben der Gefährdung ist die Lärmentwicklung Anlass zum Ärgernis, wenn Motoren, die erst bei hoher Drehzahl ihre maximale Kraft entfalten, ständig bis an den Rand ihrer Leistungsfähigkeit gequält werden. Die meisten Biker sind rücksichtsvoll. Einem jeden sei ein jährliches Fahrsicherheitstraining empfohlen. Da kommen auch Aspekte der gegenseitigen Rücksichtnahme im Straßenverkehr zur Sprache.

Konsequente Kontrollen und strenge Strafen können Abhilfe schaffen. Es muss etwas passieren, denn die vielen Motorradfahrer, die in verantwortlicher Weise ihrem Hobby nachgehen, dürfen nicht unter den Restriktionen leiden, die durch schwarze Schafe hervorgerufen werden.

Josef Wolff, Leitender Pfarrer der Pfarrei Heilig Geist in Jülich

Josef Wolff (48) kennt die Nordeifel aus der Perspektive eines Motorradfahrers gut. Wolff fährt eine 1150er BMW, „ein gemütlicher Tourer“, wie der leitende Geistliche aller Jülicher Pfarren sagt. Seine wilden Zeiten auf zwei Reifen seien vorbei, sagt er. „Aber ich kenne dieses Rauschgefühl des Rasens, wenn man glaubt, dass man fliegt“, sagt Wolff. „Aber ich kenne auch die Härte der Naturgesetze“, bekennt Wolff, dass er am eigenen Leib erfahren hat, wie gefährlich der Rausch sein kann. „Und wenn dann noch andere in Mitleidenschaft gezogen werden können, dann empfinde ich das als sehr rücksichtslos.“ Und deswegen kann sich Wolff gut vorstellen, alles andere als zimperlich gegen die Raser in der Eifel vorzugehen. „Man muss diesen Fahrern auf den einschlägig bekannten Motorradstrecken die Lust am Rasen nehmen. Entweder mit physikalischen Hindernissen wie Schwellen oder Hindernissen. Oder aber man stellt Schilder auf, die ganz drastisch die möglichen Folgen aufzeigen.“ (jan)

Hans-Peter Leisten, Redakteur unserer Zeitung

Es ist zwölf Jahre her, der Filius sollte einen Roller bekommen und der „Papp“ streifte durch die Motorradläden. Da passierte es, dass sich der Autor dieser Zeilen seines Führerscheins Klasse I erinnerte und – in Kurzversion – wenige Monate später ein „Wiedereinsteigermotorrad“ sein Eigen nannte. Und natürlich dauerte es nicht lange bis zur ersten Sonntagstour in die Eifel. Um es vorwegzunehmen: Es war auch die letzte. Denn in den ersten Kurven warteten ein paar Hasardeure, die ein Wettrennen provozieren wollten. Nicht mit mir! Es gibt wunderbare Bikerstrecken, bei denen die Einwohner der kleinen Orte und Dörfer nicht genervt werden. Motorradfahren ist viel schöner im Genussfahr-Modus.

Die Lärmbelästigung kann zudem auf zwei Wegen reduziert werden. Erstens: Der Gesetzgeber soll endlich verschärfte Richtwerte für Auspuff-Dezibel festlegen. Und zweitens: Kein Biker ist gezwungen, in Ortschaften die Gänge so hochtourig zu drehen, dass den Menschen ohne Helm die Gehörgänge schmerzen. Eigentlich ganz einfach, oder?

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