Was Frauen in Handtaschen und auf Reisen mitnehmen

Von: Verena Müller
Letzte Aktualisierung:
Was Frauen in Handtaschen und
Was Frauen in Handtaschen mitnehmen ist Thema einer Ausstellung in Echt.

Echt. Frauen haben seit jeher jede Menge Krempel in ihre Handtaschen gestopft, ohne den sie nicht überleben zu können glaubten. Das ist einer der Rückschlüsse, die man aus der aktuellen Ausstellung „Ik ging op reis en ik nam mee......” („Ich packe meine Koffer und nehme mit......”) im Museum van de Vrouw in Echt ziehen kann.

Dort sind die unverzichtbaren Begleiter noch bis zum 24. Oktober in sezierter Form in Vitrinen und Schubladen zu sehen. Besucher bekommen selbst die geheimen Winkel in Taschen zu sehen - ohne dass sie ein schlechtes Gewissen haben müssen.

Spiegelchen, Sonnenbrille, Bürste und Schirm gehören wohl auch heute noch dazu. Von der jeweiligen Mode einmal abgesehen, ist vieles in den vergangenen 125 Jahren gleich geblieben. Einiges ist aber - zu Recht, will man fast sagen - in Vergessenheit geraten: verschiedene Griffe für Sonnenschirme aus dem Jahr 1870, passend zum jeweiligen Kostüm, ein Reise-Onduliereisen, ein aufklappbarer Hutständer, ein knickbarer Sonnenschirm für die Fahrt in Kutsche oder Auto und ein sogenannter Rock-Schmetterling, der als Schutz vor Windböen an den Saum gehängt wurde. Ähnlich wie im Spiel sind der Phantasie wohl keine Grenzen gesetzt.

„Man kann nicht sagen, dass Handtaschen größer oder kleiner geworden sind”, sagt Annie Schreuders-Derks. Unzählige Modelle hätten lange Tradition. Annie Schreuders-Derks ist die Kuratorin der Sammlung, die ursprünglich in ihrem Privatbesitz war und die sie der Gemeinde Echt-Susteren vermacht hat.

Auf Märkten, Börsen und in Nachlässen hat Schreuders-Derks über Jahrzehnte alles, was mit der Frau und ihrem Umfeld zu tun hat, gekauft. Von der Kaffeekanne, über Taufkleider bis hin zum Elfenbeinzahnstocher. Nicht mit emanzipatorischem Bildungsauftrag, sondern schlicht aus Interesse an der Mode „und um eine Lücke in der Museumslandschaft zu schließen”, sagt sie.

An die 18 000 Objekte sind inzwischen katalogisiert, abgeschlossen ist die Arbeit aber noch lange nicht. Immer noch werden Stoffüberzüge genäht, Hüte fotografiert, in Kartons verstaut und individuelle Kleiderbügel angefertigt. Aus diesem unerschöpflichen Fundus stellt die ehemalige Pflegerin in der Kinderpsychiatrie ihre Wechselausstellungen zusammen. Anstoß für die aktuelle ist das 125-jährige Bestehen des VVV Süd-Limburg. Logisch, dass es da nicht nur um Handtascheninhalte gehen kann, sondern Reisen das übergeordnete Thema ist. Städtereisen, Ausflüge an den Strand oder ans Meer und Camping.

Mit viel Liebe ist eine Straßencafé-Szene aus dem vorigen Jahrhundert nachempfunden, Frauenpuppen in der Mode der vergangenen hundert Jahre warten an einer imaginären Bushaltestelle mit Original-Busfahrplan von 1922, Kinderpuppen picknicken im Grünen. Auch sehr hübsch: die Entwicklung der Bademode von 1880 bis heute in einem riesigen Sandkasten vor Seekulisse. Alle Abschnitte sind mit Jahreszahlen versehen.

Weitergehende Informationen, etwa zur klappbaren Kleiderbürste oder Souvenierknöpfen mit Sprüchen, gibt es leider nicht. Es sei denn, die Kuratorin läuft gerade zufällig durch die Ausstellung. Dann erzählt sie gerne die eine oder andere Anekdote zu den zum Teil kuriosen Stücken. Oder, dass sie beim Konzipieren der Ausstellung auch selbst noch was dazugelernt hat: Angeln war im 19. Jahrhundert ein angesehener Sport für Damen. Dass es dafür wiederum spezielle Taschen gab, versteht sich von selbst.

Die Ausstellung „Ik ging op reis en ik nam mee......” im Frauenmuseum („Museum van de Vrouw”), Plats 1 in Echt, ist noch bis zum 24. Oktober zu sehen. Der Eintritt kostet Erwachsene 3,50 Euro, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren zwei Euro. Geöffnet ist Dienstag bis Freitag von 10 bis 17 Uhr sowie Samstag auf Nachfrage und Sonntag von 13 bis 17 Uhr. (0031/475-470742). Die nächste Ausstellung wird sich mit dem Thema „Hausfrau . . . ohne Beruf?” befassen.

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