Was denn jetzt: Mehr Straftaten in der Region oder weniger?

Von: Marlon Gego
Letzte Aktualisierung:
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Seine Behörde musste sich 2016 mit 136 000 Straftaten befassen: Helmut Hammerschlag, Leiter der Aachener Staatsanwaltschaft. Foto: H. Krömer

Aachen/Düren/Heinsberg. In den vergangenen Wochen kam es in der Region Aachen, Düren, Heinsberg zu einem Widerspruch, wie es ihn so noch nicht gegeben hatte, jedenfalls konnte sich keiner der Beteiligten daran erinnern. Der Widerspruch führte dazu, dass sich Bürger, Polizei, Staatsanwälte und nicht zuletzt einige Leser unserer Zeitung fragten: Steigt die Kriminalität in der Region nun – oder ist sie rückläufig?

Beides hatte unsere Zeitung innerhalb von zwei Wochen jeweils berichtet. Und keiner dieser Berichte war für sich genommen falsch. Am 20. Februar hatte der Leiter der Aachener Staatsanwaltschaft, Helmut Hammerschlag, Auskunft darüber gegeben, dass die Zahl der Straftaten in der Region seit 2013 um etwa 20 Prozent gestiegen sei, jedes Jahr ein bisschen.

Die Staatsanwaltschaft ist für den Landgerichtsbezirk Aachen zuständig, der Stadt und Altkreis Aachen, den Kreis Düren, große Teile des Kreises Heinsberg und etwa die Hälfte des Kreises Euskirchen umfasst. Anfang März dann, etwa zwei Wochen später, erklärten Aachens Polizeipräsident Dirk Weinspach und die Leiter der Kreispolizeibehörden Düren und Heinsberg, die Kriminalität in ihren Zuständigkeitsbereichen sei leicht rückläufig. Wie passt das nun zusammen?

Nach Recherchen unserer Zeitung wird der Widerspruch dadurch verstärkt, dass die genannten drei Polizeibehörden 2016 rund 90 000 Straftaten in der Region erfassten, die Aachener Staatsanwaltschaft hingegen etwa 136 000. Die Polizei hatte für diese beträchtliche Differenz zunächst auch keine Erklärung. Um zu verstehen wie diese Differenz zustande kommt, muss man wissen, dass die Polizei nicht automatisch zuständig ist, wenn eine Straftat passiert.

Neben der Polizei ermitteln nämlich auch andere Behörden wegen bestimmter Straftatbestände: die Steuerfahndung wegen Steuerhinterziehung, Zoll und Zollfahndung wegen Schwarzarbeit und Verstößen zum Beispiel gegen Zoll- und Abgabenverordnung. Die Sozialämter ermitteln gegen Sozialbetrüger, die Ausländerämter wegen Verstößen gegen das Ausländerrecht. Und die Bundespolizei ermittelt wegen der Kriminalität an Bahnhöfen und Flughäfen und wegen allem, was mit illegaler Einreise und Schleusungen zu tun hat.

Zu allen Ermittlungen kann die Länderpolizei hinzugezogen werden, zwingend ist es aber nicht. So wird die Polizei zum Beispiel bei Fällen von Steuerhinterziehung in der Regel nur dann um Amtshilfe gebeten, wenn in Ausnahmefällen größere Razzien notwendig werden.

Die meisten anderen Fälle regelt die Steuerfahndung selbst. Allerdings werden sämtliche Ermittlungsverfahren aller ermittelnden Behörden spätestens nach Abschluss der Verfahren der Staatsanwaltschaft übergeben. Denn nur die Staatsanwaltschaft kann Anklage erheben, was die Voraussetzung dafür ist, dass Straftaten vor einem Gericht verhandelt werden können. Kein Strafprozess ohne Anklage.

Der Leiter der Aachener Staatsanwaltschaft, Helmut Hammerschlag, hält die Differenz zwischen der polizeilich erfassten Anzahl der Straftaten in der Region Aachen, Düren, Heinsberg und der in seiner Behörde erfassten Zahl für realistisch. Weshalb der in den vergangenen Wochen entstandene Widerspruch am Ende keiner ist: Die Polizei mag im vergangenen Jahr etwas weniger zu tun gehabt haben als im Jahr zuvor; die Zahl der Straftaten in der Region ist aber dennoch gestiegen.

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