Warum der Papst in einem Haus der Merodes lebt

Von: Sandra Kinkel
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Schloss Merode ist der Hauptsitz der Prinzenfamilie de Merode. Foto: Kinkel
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Die Familie de Merode hat enge Verbindungen zum Vatikan, nach Monaco... Foto: dpa
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...und nach Brüssel. Foto: Imago/ppe
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Emmanuel de Merode mit dem belgischen Königspaar. Foto: Imago/Belga
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Prinz Albert-Henri de Merode und seine Frau Gräfin Marie-Christin von Soden-Fraunhofen. Foto: Kinkel

Merode. Genau genommen ist der Heilige Vater, also Papst Franziskus, Mieter der Familie de Merode. Ganz genau, der Familie de Merode mit dem großen Schloss im gleichnamigen Ortsteil der Gemeinde Langerwehe. Bekanntermaßen wohnt das Oberhaupt der katholischen Kirche im Gästehaus „Santa Martha“ und das wiederum hat Xavier de Merode dem Vatikan als Leihgabe überlassen – vor knapp 200 Jahren.

Xavier de Merode hat von 1820 bis 1874 gelebt, war katholischer Theologe und Kardinal unter Papst Pius IX.. Zudem ist er ein direkter Urgroßonkel von Prinz Albert-Henri de Merode (41). „Xavier de Merode“, erzählt der junge Prinz, der mit seiner Familie den Südwestturm von Schloss Merode bewohnt, hat nach den Vatikankriegen eine Klinik für den kleinen Stadtstatt gebaut. Und dieses Krankenhaus wurde unter Papst Johannes Paul II. zum Gästehaus umgebaut. Eben zu dem Gästehaus, in dem heute der Papst lebt.“

Solche Geschichten wie die des berühmten Kardinals, der übrigens auch dafür verantwortlich war, dass die Via Nationale in Rom zunächst Via Nationale de Merode hieß, kann der junge Prinz viele erzählen. Der Architekt und Vater dreier Kinder, der mit der Gräfin Marie-Christine von Soden-Fraunhofen (36) verheiratet ist, gehört zur 24. Generation seiner Familie – einer Adelsfamilie mit einer langen Geschichte, die bis ins Mittelalter zurückreicht.

Im Jahr 1174 wurde die Familie de Merode zum ersten Mal urkundlich erwähnt. „Unsere Familie“, sagt Prinz Albert-Henri, der sich intensiv mit der Geschichte seiner Vorfahren beschäftigt, „hat sich immer stark für die jeweilige Gesellschaft, in der sie gelebt hat, eingesetzt. Das macht uns heute natürlich stolz, bedeutet gleichzeitig aber eine große Verantwortung.“

Natürlich ist es unmöglich, die Geschichte der Familie de Merode vollständig zu erzählen, gleichwohl gibt es im Laufe der Jahrhunderte viele interessante Persönlichkeiten und Geschichten, über die es sich zu sprechen lohnt. Außerdem unterhielt die Familie de Merode während der verschiedenen Epochen äußerst enge Verbindungen zum belgischen Königshaus, der spanischen Krone, dem Fürstentum von Monaco und den Herzogen von Luxemburg.

Aufstand der Belgier

Einer der wichtigsten Vorfahren von Albert-Henri de Merode ist Felix de Merode (1791 bis 1857), der belgischer König werden sollte, die Krone aber abgelehnt hat. 1830 begann in Brüssel der Aufstand der Belgier gegen die Niederlande, zu denen sie seit dem Wiener Kongress gehörten. Im Oktober 1830 vertrieben die Revolutionäre die niederländischen Truppen, und Belgien erklärte seine Unabhängigkeit. Am 21. Juli 1831 wurde der erste König der Belgier vereidigt. Graf Felix de Merode sollte der neue belgische König werden, er hat das Angebot aber abgelehnt.

Albert-Henri de Merode: „Felix de Merode war mit einer Französin verheiratet. Er war überzeugt, dass es wichtig sei, englischen Zuspruch für die belgische Krone zu haben. Und so ist am Ende Leopold von Sachsen-Coburg König geworden.“ Leopold war Witwer der englischen Thronerbin und mit dem russischen Zaren verwandt.

Außerdem war er gut mit dem Haus Orléans befreundet und heiratete Louise-Marie, die älteste Tochter von König Louis-Philippe. Als Protestant konnte er ein Gegengewicht zur katholischen Kirche bilden. Albert-Henri de Merode: „Felix von Merode ist damals unter König Leopold Minister geworden. Er hat federführend die belgische Verfassung geschrieben.“

Natürlich, ergänzt Prinz Albert-Henri, sei Felix auch ein Kind der Gemeinde Langerwehe gewesen. „Schloss Merde war sein Elternhaus.“ Eins ist Prinz Albert-Henri in dem Zusammenhang wichtig: „Felix hat auf den Thron verzichtet, weil er das Beste für das ‚Projekt Belgien‘ erreichen wollte. Meine Familie setzt sich für Dinge ein, nicht für Titel. Trotzdem stammt das belgische Königshaus direkt von den de Merodes ab.“

Antoinette de Merode (1828 bis 1864) war Fürstin von Monaco. Die Tochter von Werner de Merode (1797 bis 1840) heiratete 1846 Fürst Charles III. „Und sie hat für Monaco einiges getan“, sagt Prinz Albert-Henri schmunzelnd. Aufgrund ihrer großen Mitgift konnte Charles III. die Verschönerung von Monte Carlo finanzieren. „Dadurch wurde Monaco für Touristen attraktiv“, erklärt Prinz Albert-Henri. „Antoinette de Merode hat dafür gesorgt, dass bis Monaco eine Eisenbahnlinie gebaut wurde. Das kleine Land wurde so reich, dass Fürst Charles verfügt hat, dass die Monegassen keine Steuern bezahlen müssen. Auch das geht also auf unsere Familie zurück.“

Adel verpflichtet

Aus der modernen Zeit sind es Alexandre de Merode, ein Onkel von Albert-Henri, und Emmanuel de Merode, ein Vetter des Prinzen, die dem 41-Jährigen wichtig sind. „Mein Onkel Alexandre war Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees. Er hat sich dafür eingesetzt, dass strengere Dopingkontrollen eingeführt werden. Außerdem war er Präsident der Winterspiele in Seoul.“ Vetter Emmanuel de Merode ist Leiter des Virunga-Nationalparks im Kongo und Träger des Bernhard-Grzimek-Preises. Er setzt sich in der dortigen Kriegsregion für Frieden und Naturschutz ein.

Die Leistungen seiner Familie, betont Prinz Albert-Henri, machten nachdenklich und stolz. „Man sieht, dass wenn man sich für eine gute Sache einsetzten möchte, man etwas bewegen und erreichen kann. Und das ist für einen selbst natürlich auch Verpflichtung.“

Inwieweit die jungen Prinzen heute immer noch regelmäßig Kontakt zu Mitgliedern des (Hoch-)Adels haben, möchten sie nicht verraten. Nur so viel: „Wir treffen sehr viele, sehr unterschiedliche und interessante Menschen, die uns mit ihrer Weitsicht bereichern“, sagt Gräfin Marie-Christine von Soden-Fraunhofen.

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