Velbert - Warten auf Worte von Kassandra

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Warten auf Worte von Kassandra

Von: Maryam Schumacher, dpa
Letzte Aktualisierung:
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Polizeihauptkommissar Uwe Stein sucht in Velbert-Neviges mit dem Fahndungsaufruf nach Zeugen im Fall der neunjährigen Kassandra. Nach wie vor haben die Ermittler keine konkreten Hinweise auf den oder die Täter. Foto: ddp

Velbert. Angst und Bedrückung regieren in der Idylle. Vor einer Woche wurde die schwer verletzte Kassandra in einem Gullyschacht in Velbert-Neviges gefunden, und noch immer hat die Polizei keine heiße Spur von dem Täter.

Die Staatsanwaltschaft hüllt sich in Schweigen. Die Polizei hofft auf Aussagen der Neunjährigen, die nach einem tagelangen künstlichen Koma erst seit Montag wieder bei Bewusstsein ist. Aber Kassandra ist bislang nicht ansprechbar.

In dem kleinen bergischen Örtchen nahe Essen sitzt der Schock über die unfassbare Gewalttat tief. Das Misstrauen der Bewohner untereinander steigt, und die Gerüchteküche brodelt. „Man guckt sich automatisch manche Personen genauer an”, berichtet eine Mutter. „Die Angst ist da.”

Angst haben nicht nur die Eltern, sondern auch die Kinder. „Mein Sohn hat eine solche Angst, dass er keinen Meter mehr alleine geht. Er spielt nicht mehr draußen, und nachts schläft er bei uns im Zimmer”, sagt eine Mutter, die ihren Achtjährigen in die Sporthalle bringt. „Die Sicherheit ist weg. Es kann jeder gewesen sein.” Hinter der Sporthalle hatte Kassandra ein stundenlanges Martyrium in einem Kanalschacht erlitten. Ein Spürhund hatte das unterkühlte und am Kopf verletzte Mädchen schließlich in gefunden.

Eine Woche später ist der Pfad hinter der Halle, der zu dem Gully führt, immer noch mit einem rot-weißen Plastikband abgesperrt. Schaulustige versammeln sich dort. Das Gestrüpp entlang des Weges wurde von den Polizei-Suchtrupps auf der Suche nach Spuren gerodet. Jeden Tag, wenn der Spieltreff neben der Turnhalle um 18 Uhr schließt, steht ein Streifenwagen auf dem Parkplatz davor. Im „Treff 51” hatte Kassandra gespielt, bevor sie überfallen wurde. Gegen 18 Uhr war sie verschwunden.

„Kassandra war immer ein fröhliches Mädchen. Sie war nie hektisch, vielleicht ein bisschen verträumt”, sagt der Zivildienstleistende Daniel Koge, der in dem Spieltreff Kinder betreut. Keinen Augenblick mehr werden die Kinder in dem Hort aus den Augen gelassen. Der Leiter des Spieltreffs, Thomas Prien, will nicht über Kassandra sprechen. Zu sehr belastet ihn das grausame Verbrechen. „Ich war der Letzte, der sie gesehen hat”, sagt er. „Der Alltag kehrt nur langsam zurück, für mich aber noch nicht.”

In der Kindertagesstätte in dem gleichen Gebäude erzählt eine Mitarbeiterin, dass Betreuer Nervenzusammenbrüche erlitten hätten und Eltern in Tränen aufgelöst gewesen seien, als sie von dem Verbrechen an Kassandra erfuhren. „Wir haben keine Kraft mehr”, sagt die Erzieherin.

Mittlerweile hat die Polizei eine Beschreibung von Kassandra herausgegeben: 1,40 Meter ist das Mädchen groß, es hat kastanienbraunes langes Haar. Am Tag des Verbrechens trug sie eine rosa Regenjacke, eine graue Hose, einen Kapuzenpulli und „Chucks”- Turnschuhe, die derzeit groß in Mode sind. Auf Kassandras Schuhen waren Blumen und Herzen gedruckt.

Ob an Kassandras Kleidung inzwischen DNA-Spuren gefunden wurden, sagt die Polizei nicht. Kein Tatverdächtiger wurde bisher gefunden. Nur langsam setzt sich ein Mosaik zusammen. Die Ermittler vermuten, dass sich der Täter in dem überschaubaren Gebiet rund um Spieltreff, Kindertagesstätte und Sporthalle gut auskannte - und dass möglicherweise Kassandra ihren Peiniger kannte.
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