Walzerkönig André Rieu: Bleibt er Maastricht treu?

Von: Angela Delonge
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André Rieu in Maastricht
Stopp Herr Rieu! Wollen Sie weg aus Maastricht? Foto: dpa
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„Es gibt viele mittelalterliche Gebäude, die der Stadt ihren besonderen Charakter verleihen.“ Das sagt der niederländische Geiger André Rieu über seine Heimatstadt Maastricht. Foto: dpa

Aachen. Fühlt sich der Stargeiger André Rieu in Maastricht noch wohl? Wie sieht er seine Stadt, in der er seit seiner Geburt lebt? Ist ein Konzert auf dem Vrijthof für ihn ein Konzert, wie er es überall auf der Welt gibt? Antworten darauf gibt er hier im Interview mit unserer Zeitung.

Rieu, der Walzerkönig, ist Maastrichter durch und durch. Für ihn, der mit seinem Orchester zu Konzerten rund um die Welt tourt, ist die Heimatstadt nicht nur Herzensangelegenheit sondern auch Kraftquelle. André Léon Marie Nicolas Rieu wurde 1949 in Maastricht geboren, ist dort aufgewachsen, und würde nicht einmal im Traum daran denken, jemals in eine andere Stadt zu ziehen.

Herr Rieu, Sie leben Sie mit Ihrer Familie hauptsächlich in Maastricht.

Rieu: Ja, wohnen tue ich nur in Maastricht. Ich habe nicht, wie viele andere Künstler, mehrere Wohnungen überall auf der Welt. Auch nicht auf Hawai oder Mallorca oder an irgendeinem anderen Urlaubsort. In Maastricht wohnt meine Familie, dort wohnen viele meiner Freunde. Dorthin kehre ich immer wieder gern zurück.

Sie sind also ein wahrhaft heimatverbundener Mensch.

Rieu: Oh ja, ganz sicher! Gerade, weil ich sehr viel um die Welt reise, bin ich glücklich, dass ich im wahrsten Sinne des Wortes eine Heimat habe. Dort fühle ich mich sehr wohl, ich bin immer wieder glücklich, wenn ich heimkehre.

Wie viel Zeit im Jahr verbringen Sie zu Hause?

Rieu: Ich weiß es nicht genau, ehrlich gesagt. Nach jeder Tour kehre ich zurück nach Maastricht. Dort, oder ganz in der Nähe, ist auch der größte Teil meines Orchesters zu Hause. Das sind junge Leute, mit Familie, also ist es wichtig, dass wir nie zu lange von zu Hause weg sind. Meistens sind wir nicht länger als drei Wochen am Stück weg. In Europa im allgemeinen sogar nur eine Woche.

Fühlen Sie eher eine geografische oder eine emotionale Verbindung zu Maastricht?

Rieu: An erster Stelle natürlich eine emotionale. Ich bin hier geboren und zur Schule gegangen, habe hier meine Frau Marjorie kennengelernt und eine Familie gegründet. Aber auch meine berufliche Laufbahn hat hier begonnen. Aber abgesehen davon mag ich Maas-tricht und seine Umgebung einfach sehr. Die Stadt ist nicht zu groß, stammt bereits aus der Römerzeit und hat eine interessante Geschichte. Es gibt viele mittelalterliche Gebäude, die ihr den besonderen Charakter verleihen.

Wie gehen die Maastrichter mit ihrem berühmten Sohn um? Sind Sie nach wie vor einer von ihnen oder müssen Sie inkognito durch die Straßen gehen?

Rieu: Die Maastrichter sehen das alles ganz locker. Man kennt mich, begrüßt mich einfach herzlich, wenn man mich sieht und fragt höchstens, ob ich denn heute nicht auf Tour bin. Sie belästigen mich nicht, fangen nicht an, Fotos zu machen, um Autogramme zu bitten oder mich sonst wie zu belästigen.

Das heißt, Sie fühlen sich in Maastricht immer noch sauwohl?

Rieu: Ja! Ich möchte hier immer wohnen bleiben und irgendwann, in hundert Jahren, auch sterben.

Haben Sie je daran gedacht, in eine andere Stadt zu ziehen?

Rieu: Nein, warum sollte ich? Ich komme ja in so viele Städte rundum in der Welt. Das ganze Jahr sehe ich fremde Länder und Kontinente, viele sind auch sehr schön, aber hier fühle ich mich nun mal zu Hause.

Sie sind in den 50er Jahren in der Altstadt von Maastricht mit fünf Geschwistern aufgewachsen. Wie lebte es sich dort als Kind?

Rieu: Es war etwas außerhalb des Zentrums, fast „auf dem Lande“. Dort war es sehr ruhig. Gegenüber wohnte ein Bauer, mit einem großen Acker. Dort habe ich als Kind oft gespielt. Man konnte auch noch auf der Straße spielen, es gab kaum Autos.

Maastricht hat sich in den vergangenen Jahren rasant verändert. Gefällt Ihnen das neue Bild der Stadt?

Rieu: Am „alten Maastricht“ hat sich zum Glück wenig verändert. Die schönen alten Kirchen und andere Gebäude stehen noch immer da und verleihen der Stadt ihre Atmosphäre.

Was hat sich im Gegensatz zu früher verändert?

Rieu: Alles! Das ist in Maastricht nicht anders als in jeder anderen Stadt. Man kann Maastricht heute gar nicht mehr vergleichen mit dem Maastricht der 50er Jahre.

Ihr Geburtshaus im Plenkershoven liegt etwas außerhalb der Altstadt. Haben Sie noch eine Beziehung zu diesem Haus oder dieser Gegend?

Rieu: Ab und zu fahre ich mal an dem Haus vorbei und erinnere mich gern an damals, wie wir dort auf der Straße spielten.

Heute wohnen Sie im Stadtteil Sint Pieter am Fuße des Sint-Pietersberg. Was ist das Besondere an diesem Ort?

Rieu: Der schönste von ganz Maastricht! Einerseits ist man „draußen“, am Fuß des Berges, und an der Maas, andererseits ist man zu Fuß in 20 Minuten im Zentrum.

Üben Sie manchmal auch Kritik an Ihrer Heimatstadt? Wenn ja, in welchen Punkten?

Rieu: Zu viel Kreisverkehr! Zu viele Verkehrsschilder, Streifen auf der Straße. Die lenken ab, kosten zu viel und sind eine Gefahr für den Verkehr.

Sie geben Konzerte in der ganzen Welt. Sind die Vrijthof-Konzerte für Sie etwas besonderes, vielleicht auch Ausdruck Ihrer Liebe zu Maastricht?

Rieu: Natürlich ist es etwas Besonderes, wenn man in seiner Heimatstadt spielen kann, und es kommen Tausende von Besuchern aus der ganzen Welt. Mein Orchester und ich lieben diese Konzerte sehr. Es herrscht immer eine tolle Atmosphäre, alle Leute auf dem Vrijthof sind nach dem Konzert glücklich und froh und singen noch stundenlang auf der Straße und auf den Terrassen unsere Melodien. Ich glaube, das gibt es nirgends auf der Welt.

Wann und warum sind Sie mit diesen Konzerten gestartet?

Rieu: Vor neun Jahren. Nächstes Jahr geben wir schon das zehnte Konzert! Warum? Weil der Vrijt­hof der schönste Platz ist, den ich kenne. Er ist sehr groß, leer (auf den meisten Plätzen in der Welt steht in der Mitte ein Brunnen oder eine Statue), ringsherum sind Terrassen, Restaurants und Kneipen, und die Atmosphäre ist einzigartig.

Welches ist Ihr persönlicher Lieblingsort in Maastricht?

Rieu: Mein eigenes Haus mit meiner Familie, der Garten, die Orangerie mit den vielen bunten Blumen, den Vögelchen und Schmetterlingen.

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