Wallfahrt: In acht Tagen rund 10.000 Menschen in Heimbach

Von: Thomas Vogel
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Die Prozession aus Vossenack (
Die Prozession aus Vossenack (l.) unterwegs in Heimbach: Versorgt werden die Oktav-Wallfahrer auf dem Kirmesplatz von Imbissbetreiber Hans-Werner Schroer (rechts oben) oder Franziska Gerkowski (rechts unten, von links), Helga Marx und Hilde Kleinschmidt im Pilgercafé. Foto: Thomas Vogel

Heimbach. Völlig durchnässt läuft die Wallfahrtsgruppe aus Breinig in Heimbach ein. Vorbei am Kirmesplatz, der zu dieser Zeit traditionell mit Karussells und Imbissständen besetzt ist, biegen die Leute in ein kleines Gässchen, an dessen Ende die Salvatorkirche aufragt.

Sie beherbergt ein kleines hölzernes Gnadenbild, zu dem es nicht nur diese Gruppe jedes Jahr aufs neue zieht. Immer am Samstag nach Maria Heimsuchung beginnt in dem Eifelstädtchen die Heimbacher Oktav. Sie bildet den Höhepunkt der Wallfahrtssaison. In acht Tagen strömen rund 10.000 Menschen nach Heimbach, um die „Schmerzhafte Mutter”, eine über 500 Jahre alte Pietà, zu verehren. Mit der Wallfahrt verknüpft sind Krammarkt und Kirmes. Jeder - Pilger, Bürger, Stadt und Kirche - profitiert auf seine Weise von dem religiösen Ereignis.

Die Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung ist enorm. Viele Heimbacher Familien bieten Wallfahrern seit Generationen privates Obdach an. „Mit den Übernachtungen ist es aber nicht mehr so wie noch direkt nach dem Krieg, als es fast in jedem Haus die Möglichkeit dazu gab”, erzählt Hans-Günther Pütz. Der ehemalige Heimbacher Bürgermeister ist Vorsitzender des Fördervereins der Heimbach-Wallfahrt, der der Kirchengemeinde finanziell unter die Arme greift. Zwar halte sich die Wallfahrt ins Städtchen in Zeiten sinkender Akzeptanz der Kirche wacker, aber die Saison sei teuer.

So teuer, dass die Spenden der Gläubigen nicht mehr ausreichen, um die Kosten der Wallfahrt zu decken. Deswegen ist der Förderverein gegründet worden. Mit einem kleinen Zuschuss ist seit vier Jahren außerdem das Bistum Aachen Mitfinanzier. Pfarrer Hans Doncks würde sich über ein wenig mehr Engagement von dieser Seite freuen. Die Wallfahrt ist für die Kirchengemeinde unterm Strich also eher ein Kostenfaktor, als dass sie Zählbares einbrächte. Den Benefit sieht Albert Gerhards, Professor für Liturgiewissenschaft an der Bonner Uni und Eröffnungsprediger dieser Oktav, an anderer Stelle: „Die Leute geben Zeugnis ihres Glaubens ab. Das ist für die Glaubensgemeinschaft und die Kirche im Ort eine Bereicherung”, sagt er.

Ebenso spirituell, nicht greifbar, ist der Nutzen, den viele Kuchen backende, Brötchen schmierende und Kaffee kochende Heimbacher und Hasenfelder aus der Oktav ziehen. Die gespendeten Speisen werden im Pilgercafé direkt neben der Kirche für einen kleinen Obolus an den Wallfahrer gebracht. „Die Leute sind einfach toll”, sagt Franziska Gerkowski und meint damit die rund 130 Helfer, die sich an dieser Aktion Jahr für Jahr beteiligen. Sie selbst steht mit Helga Marx, Hilde Kleinschmidt und weiteren Helfern während der noch bis Sonntag dauernden Oktav im Pilgercafé, um Gäste zu bedienen. Natürlich ehrenamtlich, Geld wollen sie nicht. Sie tun es fürs Gemeinschaftsgefühl und für die Freude, die sie aus den Begegnungen ziehen, wie Kleinschmidt belegt: „Jedes Jahr kommen Pilger und begrüßen uns fast schon als Freunde.” Das ist der Lohn der Mühen: Gespräche, zusammen lachen und beten.

Nur zum Spaß würden die Schausteller und Budenbetreiber sich auf Krammarkt und Kirmes sicher nicht blicken lassen. „In erster Linie ist es Geschäft, aber in Heimbach immer auch ein bisschen wie Urlaub”, erzählt Heinrich Frenken. Der 58-Jährige betreibt einen Verkaufsstand auf dem Krammarkt und genießt es, hier seine Freunde zu treffen, die wie er seit Jahrzehnten zur Oktav kommen. Ein Fan der Wallfahrt ist er natürlich auch - weil es dann etwas zu verdienen gibt. Wie gut die Atmosphäre auf dem Kirmesplatz immer ist, davon kann Imbissbudenbetreiber Hans-Werner Schroer ein Lied singen. Er hat auf diesem Boden sogar geheiratet. Die Pilger hat er als Kunden schätzen gelernt: „Bei den Wallfahrern ist die Kaufkraft besser als bei den Einheimischen. Da verkaufen wir mehr.”

Krammarkt und Kirmes sind ebenso zur Tradition geworden wie die Wallfahrt selbst. Das Gnadenbild wird seit dem späten 15. Jahrhundert verehrt. 1802 kam es aus dem Kloster Mariawald nach Heimbach. Vor 172 Jahren ist schließlich der Heimbacher Krammarkt hinzugekommen und hat das Ensemble, wie es noch heute stattfindet, komplettiert. Nichts besseres hätte Heimbach passieren können. Die vielen frommen Tagestouristen spülen Geld in die Einzelhandelskassen, „vor allem die der Gaststätten”, bemerkt Patrick Stötzer, Chef des Ordnungsamtes. Wie erfreulich der Blick in die Kassen am Ende ausfällt, das hängt neben der Zahl der Pilger auch vom Wetter ab. Bei Wolkenbruch bummelt niemand gern.
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