„Walk of Flame“: Wie die Nörvenicher Feuerwehr Nachwuchs wirbt

Von: Sandra Kinkel
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Für Thorsten Hucklenbroich, Jan Emmerich, Franzi Scheppers und Florian Heinecke (v. l.) ist die Aktion erfolgreich. Sie werden oft auf die Schilder angesprochen. Foto: Sandra Kinkel
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„Walk of Flame“: Auf 16 unterschiedlichen Aufklebern wirbt die Feuerwehr Nörvenich für ihre vielfältige Arbeit. Foto: Sandra Kinkel
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„Walk of Flame“: Auf 16 unterschiedlichen Aufklebern wirbt die Feuerwehr Nörvenich für ihre vielfältige Arbeit. Foto: Sandra Kinkel
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„Walk of Flame“: Auf 16 unterschiedlichen Aufklebern wirbt die Feuerwehr Nörvenich für ihre vielfältige Arbeit. Foto: Sandra Kinkel
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„Walk of Flame“: Auf 16 unterschiedlichen Aufklebern wirbt die Feuerwehr Nörvenich für ihre vielfältige Arbeit. Foto: Sandra Kinkel

Nörvenich. Wer in einem Nörvenicher Supermarkt im Gewerbegebiet an der Fleischtheke wartet und auf den Fußboden guckt, sieht einen 60 mal 40 Zentimeter großen Aufkleber mit der Aufschrift „Wenn's mal zu feurig wird!“. Das Foto dazu zeigt vier Bratwürste, die in Flammen aufgegangen sind.

Wenige Meter weiter, in der Abteilung für Kleintierbedarf, heißt es auf dem Fußboden „Keine Sorge, holen wir runter!“ – gemeint ist die kleine Katze, die in einer Baumkrone sitzt und nicht mehr allein nach unten findet. Mit ihrem „Walk of Flame“ durch den Supermarkt, mit dem die Nörvenicher Wehr sich für den bundesweiten Ehrenamtspreis „Helfende Hand“ des Bundesinnenministeriums beworben und es in die Endrunde geschafft hat, wollen die Verantwortlichen der Feuerwehr auf ihre Arbeit aufmerksam machen, neue Mitglieder finden und für mehr Wertschätzung und Akzeptanz der Feuerwehr in der Bevölkerung sorgen.

Wehrleiter Oliver Hartlieb erklärt: „Die Feuerwehr Nörvenich hat 174 aktive Mitglieder. Laut Brandschutzbedarfsplan brauchen wir aber 220 Feuerwehrleute. Und wenn wir die Entwicklung in den nächsten fünf Jahren sehen, müssen wir dringend etwas tun, um neue Kräfte zu finden.“ Gerade tagsüber sei es häufig schwierig, bei einem Einsatz genügend Wehrleute zu haben. Hartlieb: „Eine problemlose Freistellung für den Feuerwehrdienst vom Arbeitgeber ist nicht mehr selbstverständlich.“

Die Idee zum „Walk of Flame“ ist in einem Gespräch zwischen Wehrleitung und Bürgermeister Timo Czech entstanden. Der Christdemokrat war früher Manager in einem Unternehmen, das auch Aufkleber hergestellt hat, und hatte die Idee zu den Bodenetiketten.

Hartlieb: „Wir wollen die Menschen in einer unerwarteten Situation, in dem Fall beim Einkaufen im Supermarkt, mit der Feuerwehr in Kontakt bringen. Und das funktioniert auch.“ Die Umsetzung war nicht einfach: Die Aufkleber müssen auffallen, möglichst abriebfest und am Ende der Aktion auch wieder leicht zu entfernen sein. Als alle technischen Probleme gelöst waren, fand sich mit dem Marktleiter auch ein Sponsor für die 18 Sticker.

Mit den Schildern werden ganz unterschiedliche Gruppen wie Frauen, Jugendliche und junge Väter angesprochen. Am Ende des Einkaufs können sich die Kunden noch einen Flyer über die Wehr an der Supermarktkasse mitnehmen. Die Menschen, die auf den Bodenaufklebern gezeigt werden, sind übrigens Mitglieder der Nörvenicher Feuerwehr – auch um eine noch größere Verbindung zu den Menschen im Ort zu schaffen. „Anfangs war es komisch, erkannt zu werden“, sagt Thorsten Huck-lenbroich. „Mittlerweile habe ich mich aber daran gewöhnt.“

Seit sechs Wochen klebt der „Walk of Flame“, und die Aktion, die in anderen öffentlichen Gebäuden der Gemeinde wiederholt werden soll, ist durchaus erfolgreich. „Ich werde häufig angesprochen“, sagt Hucklenbroich, der neben seinem Studium in dem Supermarkt jobbt. „Und ich merke dann auch, dass viele Leute nicht viel über die Arbeit der Freiwilligen Feuerwehr wissen.“

Nordrhein-Westfalen, sagt Oliver Hartlieb, sei das Bundesland mit den meisten Berufsfeuerwehren überhaupt. „Ich treffe immer wieder Menschen, die denken, dass zu einem großen Brand nur noch Berufsfeuerwehrleute ausrücken. Dass das gar nicht stimmt, ist vielen Leuten völlig neu. Genau wie die Regel, dass wir aus versicherungstechnischen Gründen nachts nur mit Martinshorn und Blaulicht fahren dürfen. Darüber gibt es Beschwerden, umso wichtiger ist eine gründliche Aufklärung.“

Parallel zu der Aktion im Supermarkt hat die Feuerwehr alle Aufkleber auch auf ihrer Facebook-Seite präsentiert. „Wir haben mittlerweile schon Anfragen von Feuerwehren aus ganz Deutschland, die eine ähnliche Aktion machen wollen. Das freut uns natürlich“, sagt Peter Berndgen, bei der Nörvenicher Wehr für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig.

Auch die Nominierung für den Ehrenamtspreis „ist für uns eine große Ehre“, sagt Berndgen. „Wir sind bundesweit die einzige Freiwillige Feuerwehr, die nominiert ist. Eigentlich fühlen wir uns jetzt schon ein bisschen als Gewinner.“

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