Wahlkampf in den Niederlanden: Mit dem „Cannabus” auf Stimmenfang

Von: Annette Birschel, dpa
Letzte Aktualisierung:
Cannabus
Mit dem „Cannabus” durchs Land: Nach 40 Jahren droht dem freien Verkauf von sogenannten weichen Drogen in den Niederlanden das Aus. Foto: dpa

Haarlem. Der süßliche Duft von Haschisch schwebt über dem Houtplein in Haarlem. Mitten auf dem Platz des idyllischen Städtchens vor den Toren von Amsterdam blitzt ein silberner alter amerikanischer Schulbus. Der „Cannabus” ist auf Wahlkampftour. Von Maastricht bis Groningen wollen Unternehmer und Politiker die Wähler für die Rettung der koffieshops mobilisieren.

Nach 40 Jahren droht dem freien Verkauf von sogenannten weichen Drogen in den Niederlanden das Aus.

„Der Hasch-Pass muss weg”, ruft Marc Josemans, Sprecher der Kampagne. Bei der Parlamentswahl am 12. September gehe es nicht nur um Europa, sondern um nichts weniger „als das Recht auf den Joint”, sagt der Eigentümer des Maastrichter Koffieshops „Easy going”. „Jede Stimme gegen die rechten Parteien zählt.”

Die Einführung des „Hasch-Passes” hatte die derzeitige Mitte-Rechts-Koalition mit den Stimmen der Partei des Rechtspopulisten Geert Wilders beschlossen, um den Drogentourismus aus Deutschland, Belgien und Frankreich zu stoppen. Im Süden der Niederlande gilt er bereits. Dort dürfen nur noch Bürger des Landes legal in den koffieshops weiche Drogen wie Hasch und Marihuana kaufen. Zuvor müssen sie sich allerdings registrieren lassen. Ab Januar 2013 gilt das fürs ganze Land.

„Das hat katastrophale Folgen”, warnt Josemans. „Wer will schon als Drogenkonsument in den Datenbanken stehen?” In Maastricht blühe daher der illegale Drogenhandel in Gassen und dunklen Hauseingängen. „Wir haben hunderte Straßendealer. Bürger haben Angst und trauen sich abends nicht mehr auf die Straßen.”

Die „Cannabus”-Kampagne findet breite Unterstützung. Nicht nur die linken Oppositionsparteien sind gegen den Ausweis. Auch Städte und Gemeinden wehren sich. Sie fürchten eine Zunahme von Kriminalität. „Die liberale Drogenpolitik war klug”, sagt die sozialistische Abgeordnete Nine Kooiman. „Mit der Trennung von weichen und harten Drogen haben wir den illegalen Handel stark reduziert.”

Auch die Suchtgefahr wurde eingeschränkt, sagt die Politikerin. „Jugendliche kommen nicht so schnell an harte Drogen wie Kokain oder Heroin. Was aber auf der Straße geschieht, kann keiner kontrollieren.”

Auch Bewohner der Innenstädte machen sich Sorgen. „Das wird wie in den 70er Jahren”, erinnert sich Anneke Visser. „Überall Junkies und Dealer.” Die 72 Jahre alte Rentnerin wohnt neben dem „Cannabis-Shop” in Haarlem. „Das ist sehr ordentlich und gut geregelt.”

Für viele koffieshop-Freunde geht es bei diesen Wahlen aber auch um die Zukunft der typisch holländischen Toleranz. „Wenn wir Ausländer nicht mehr zulassen, ist das Diskriminierung”, sagt der Unternehmer Josemans. Er hat den niederländischen Staat inzwischen verklagt. „Blowen ist ein Menschenrecht”, ruft ein Mann mit langen grauen Haaren zustimmend und zieht an seinem Joint.

Mit Kifferromantik wollen die Politiker allerdings nichts zu tun haben. „Der Haschverkauf muss genauso reguliert und kontrolliert werden wie der von Alkohol”, meint die sozialdemokratische Abgeordnete Lea Bouwmeester. Die Partei plädiert für Haschläden und setzt sich auch für den staatlich kontrollierten Anbau von Cannabis ein. Das kommt gerade bei Jungwählern an. „Es ist doch scheinheilig”, meint die 19-jährige Studentin Merel. „Jeder darf sich sinnlos besaufen, das ist viel gefährlicher.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert