Wahl in Vaals bringt politischen Erdrutsch

Von: Heiner Hautermans
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Vaals/Aachen. Die Kommunalwahl in Vaals hat eine völlige Umkehrung der politischen Verhältnisse erbracht. Die zahlreichen Besucher der Wahlparty im Museum De Kopermolen wurden nach Schließung der sieben Wahllokale um 21 Uhr am Mittwoch Zeugen eines politischen Erdrutsches.

Die alte Koalition, vor allem getragen durch die christdemokratische CDA, wurde arg gerupft, die Partei musste zwei Sitze abgeben. So chaotisch wie selten zuvor war es in den letzten vier Jahren in der Kommunalpolitik der Grenzgemeinde zugegangen, Parteien zerfaserten, neue gründeten sich. So war eine Prognose für den jetzigen Urnengang kaum zu stellen, die Spannung war deshalb groß in den unterschiedlichen politischen Lagern. Erschwerend kam hinzu, dass die Einwohnerzahl von Vaals unter 10.000 gesunken ist, so dass der künftige Rat nur noch 13 statt 15 Mitglieder hat.

Als nach 23 Uhr ein vorläufiges Ergebnis verkündet wurde, brandete Jubel vor allem bei der örtlichen Gruppierung V&O (Vrij & Onafhankelijk) auf, die - wie 2006 - drei Sitze errang. Freude auch bei den - durch Rück- und Austritte arg gebeutelten - Sozialdemokraten, die drei Sitze holten. Die weitaus meisten Stimmen erhielt der letzte auf ihrer Liste, Thijs Jussen. Der Pensionär hatte der Politik schon einmal Adieu gesagt, will es aber noch einmal wissen. Er könnte in einer Koalition mit V&O Beigeordneter werden - das wäre sicherlich das politische Comeback des Jahres.

Erste Gespräche

Dritter im Bunde könnte die neue Vereinigung BDV (Betaalbar en Duurzam Vaals) werden, die auf zwei Mandate kommt. Diese drei Gruppierungen kämen zusammen auf acht (von 13) Sitzen und hätten damit eine komfortable Mehrheit. Sie hatten auch schon in der Opposition eng zusammengearbeitet. Entschieden ist allerdings noch nichts, erste Gespräche sollen in den nächsten Tagen geführt werden. Auf jeden Fall haben die Parteien ein Referendum über den Zentrumplan und Ausbau der Maastrichterlaan beantragt, und zwar für die letzte Sitzung des alten Rates.

Die Provinzpläne für die Umgestaltung der Hauptverkehrsader waren das wichtigste Thema der letzten Monate. Eine Bürgerinitiative mit Kirsten Renericken sammelte mehr als 2000 Unterschriften gegen das Vorhaben, sie sitzt jetzt für die PvdA im Rat. Möglicherweise haben die Christdemokraten nun die Quittung für ihre starre Unterstützung der umstrittenen Pläne bekommen.

Zweisprache Flugblätter

Auffällig ist, dass die drei Gruppierungen, die zweisprachig für ihre Ziele geworben hatten, die Sieger der Kommunalwahl sind. Rund 30 Prozent der Einwohner von Vaals sind nämlich Deutsche, auch sie waren größtenteils wahlberechtigt. Und zwei Deutsche ziehen aller Voraussicht nach ebenfalls in den Gemeinderat: Dr. Georg Götz und Babette Lemmer, die unter anderem in der Grundschule Gut Kullen Niederländisch unterrichtet. Die endgültige Zusammensetzung des Rates steht jedoch noch nicht fest, sie muss noch von den Parteien und Gruppierungen bestimmt werden.

Bürgermeister Reg van Loo fand am Ende der Veranstaltung aber auch nachdenkliche Worte: „Alle Parteien sollten sich Gedanken über die niedrige Wahlbeteiligung machen.” Die lag nämlich mit 50,67 Prozent noch einmal niedriger als beim letzten Urnengang 2006 (53 Prozent).
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