Wärter erschießt Schneeleopard

Von: Angela Delonge
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Ein wertvolles Tier: Ein Schneeleopard wie dieser wurde nach seiner Flucht aus dem Safaripark erschossen. Foto: stock/Reiner Bernhardt

Aywaille. Ein Schneeleopard, der am Dienstagmorgen aus seinem Gehege im Safaripark Le Monde Sauvage bei Remouchamps in der Provinz Lüttich ausgebrochen war, ist in der Nacht zum Mittwoch erschossen worden. Ein Wärter, der dem Tier plötzlich im Dunklen gegenüberstand, habe keine andere Wahl gehabt, sagt der Zoodirektor. Die belgische Tierschutzorganisation Gaia fordert eine Untersuchung des Vorfalls.

Am Dienstagmorgen gegen 10 Uhr hatte das zwei Jahre alte männliche Tier mit Namen Morgi eine Scheibe seines Geheges durchbrochen und war in den umliegenden Wald des Parkgeländes geflüchtet. Die Flucht löste einen Großalarm in der Umgebung des Parks aus, die Schüler einer benachbarten Schule mussten im Gebäude bleiben.

Den ganzen Tag über hatten Jagdaufseher, Polizei, Feuerwehr und ein Hubschrauber nach dem Tier gesucht. Gegen 17 Uhr wurde die Suche sogar noch intensiviert: mit einem Hund, der auf das Auffinden von Tieren spezialisiert ist. Nach erfolgloser Suche wurde die Aktion dann am Abend aber eingestellt. Nur ein Team von vier Leuten – darunter zwei bewaffnete Wärter und ein Tierarzt mit Narkosegewehr – setzte die Suche in dem 86 Hektar großen Parkareal fort.

Nach stundenlanger Suche im Dunklen habe einer der Wärter plötzlich dem rund 40 Kilo schweren Schneeleoparden in einem nicht einmal einen Kilometer entfernten Walddickicht Auge in Auge gegenübergestanden, sagte der Chef des Safariparks, Joseph Ranson. Wie jedes wilde Tier, das sich vom Menschen bedroht fühlt, habe auch der Schneeleopard aggressiv reagiert.

Der Mann, der durchaus Übung mit Umgang mit wilden Tieren habe, habe die Raubkatze aber weder in eine bestimmte Richtung lenken noch habe er selbst umkehren können. „Wir verabscheuen es, ein Tier zu töten“, sagte Ranson gegenüber dem Belgischen Rundfunk, „aber dem Mann blieb letztlich keine andere Wahl, als das Tier zu erschießen.“

Das sieht der Präsident der belgischen Tierschutzorganisation Gaia (Global Action in the Interest of Animals), Michel Vandenbosch, anders: Er fordert eine umfassende Untersuchung des Vorfalls unter Leitung von Gesundheitsministerin Laurette Onkelinx. Erste Hinweise aus dem Ministerium deuten laut Gaia drauf hin, dass das Gehege „nicht den gesetzlichen Normen für belgische Zoos“ entsprochen habe.

„Wie kann es sein, dass das Tierparkpersonal nicht mit Narkosegewehren ausgestattet ist?“, fragt Tierschützer Vandenbosch. Der Einsatz von Narkosewaffen sei nicht immer möglich, wie Wolfram Graf-Rudolf vom Euregiozoo in Aachen gegenüber unserer Zeitung erläutert. „Der Schütze muss nah an das Tier heran, weil das Projektil mit der Narkoseflüssigkeit sehr schwer ist.“ Der Umgang mit Narkosewaffen erfordere besondere Ausbildung und Erfahrung, „das kann nicht jeder“, sagt Graf-Rudolf. Er sei sicher, dass die Betroffenen im vorliegenden Fall es sich nicht leicht gemacht haben, so „ein wertvolles Tier“ zu töten.

Auch der Chef des Safariparks verhehlt seine Trauer über den Verlust seines jüngsten Neuzugangs nicht. Der junge Schneeleopard lebte erst seit zwei Wochen im Safaripark in Aywaille. Er stammte aus dem auf Großkatzen spezialisierten Weißen Zoo in Niederösterreich. Dessen Inhaber Herbert Eder zeigte sich am Mittwoch äußerst betroffen vom Tod seines Schützlings. „Mein Sohn und ich haben Morgi aufgezogen“, sagte Eder unserer Zeitung. „Hätte man uns rechtzeitig gerufen, wären wir nach Lüttich geflogen und hätten Morgi retten können. Er hätte unsere Stimmen erkannt.“

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