Region - Wachsende Wirtschaft: So sehen die Prognosen NRW

Wachsende Wirtschaft: So sehen die Prognosen NRW

Von: Christina Handschuhmacher/Thorsten Karbach
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Das Kölner Eifeltor ist ein großer Umschlagplatz für Güter aller Art. Durch die wachsende Wirtschaftsleistung in NRW, könnte der Betrieb hier bald noch zunehmen. Foto: Henning Kaiser/dpa
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Hausaufgaben für die Politik: Prognos-Partner Axel Seidel. Foto: Prognos

Region. NRW steht gut da. Wirtschaftlich. Zumindest in einigen maßgeblichen Statistiken. 22 Prozent des gesamtdeutschen Bruttoinlandsprodukts werden im bevölkerungsreichsten Bundesland, in Nordrhein-Westfalen, erwirtschaftet. Also fast ein Viertel. Mit Eon, Deutsche Telekom, Deutsche Post, RWE, Metro, Bayer und Henkel sind einige der umsatzstärksten Unternehmen in NRW beheimatet.

26 Prozent aller ausländischen Direktinvestitionen in Deutschland entfielen 2011 auf Nordrhein-Westfalen. Diese Investitionen sind seit 1995 um jährlich 5,1 Prozent gewachsen. Auf solchen Zahlen kann das Land bauen. Aber es muss sich auch bewegen, die Zukunft steckt voller Herausforderungen. Das zeigt die jüngst veröffentlichte Prognos-Studie „Wirtschaftsstandort NRW 2030“ auf.

Energieland Nummer 1

Ein Beispiel: NRW ist laut Prognos-Studie das Energieland Nummer 1 in Deutschland und das Zentrum der konventionellen Stromerzeugung. Etwa 160 Kraftwerksblöcke mit einer elektrischen Gesamtleistung (netto) von 32 Gigawatt sind in Betrieb. Die Blöcke verteilen sich auf 70 Kraftwerksstandorte. Das klingt zunächst einmal gut, allerdings: Ältere Blöcke sollen beziehungsweise müssen abgeschaltet werden, die Energiewende fordert neue Geschäftsmodelle, die ganze Branche steckt im Umbruch – mit ungewissen Folgen für das ganze Land – denn an der konventionellen Energiewirtschaft hängen Zehntausende Arbeitsplätze. Bis 2030 wird hier viel passieren (müssen)...

Doch wie haltbar sind überhaupt die Voraussagen, die Prognos für NRW im Jahr 2030 trifft? Lässt sich zuverlässig sagen, was in 15 Jahren sein wird? Solche langfristigen Prognosen seien sogar einfacher zu treffen als Kurzfrist-Prognosen, sagt Axel Seidel, Prognos-Partner am Standort Düsseldorf und verantwortlich für die Studie „NRW 2030“. „Auf lange Frist gesehen sind viele Trends deutlich stabiler. Denn Veränderungen mit großem Einfluss wie etwa die Finanz- und Wirtschaftskrise kommen verhältnismäßig selten vor.“ Bei der Betrachtung der Zukunft ziehen die Prognos-Forscher natürlich nicht eine Glaskugel zu Rate, sondern setzen auf Rechenmodelle, empirische Erfahrungswerte und ihr eigenes Know-how aus langjähriger Erfahrung.

Ein wichtiges Stichwort dabei: Transparenz. „Wir legen bei jeder Prognose die Grundannahmen offen, von denen wir ausgegangen sind“, sagt Seidel. So werde Transparenz geschaffen und der Empfänger der Studie könne nachvollziehen, wie die Prognosen entstanden sind und wie er sie einordnen muss. Viele Prognosen treffen zu. So erinnert Seidel gerne an den ersten „Deutschland Report“ aus dem Jahr 1964, der einen Blick ins Jahr 1980 wagte und in den deutschen Medien für Aufruhr sorgte. „Wir haben vorausgesagt, dass das Bundesland Bayern, das damals noch Zuschüsse aus dem Länderfinanzausgleich bekommen hat, zur Spitzengruppe der Bundesländer aufsteigt.“ Diese Prognose ist zweifelsohne so eingetreten.

Genauso gibt es auch immer wieder Fälle, in denen die getroffenen Aussagen nicht eintreten. Beispiel Energieversorgung. Prognos sagte 1998 voraus, wie viel Energie in Deutschland im Jahr 2020 aus erneuerbaren Quellen gewonnen werden wird. Schon jetzt – fünf Jahre früher – ist der Anteil erneuerbarer Energien weitaus größer als von Prognos vorausgesagt. Den schnellen Ausstieg aus der Atomenergie nach Fukushima und den rasanten Ausbau von erneuerbaren Energien konnten die Prognostiker 1998 nicht absehen.

„Sicher ist es aber auch so, dass vieles nicht eingetroffen ist, eben weil wir es so prognostiziert haben“, sagt Seidel. Was zuerst wie ein Widerspruch in sich klingt, ergibt bei näherer Betrachtung durchaus Sinn. Schließlich, sagt Seidel, sei es ein Ziel vieler Prognosen, politische Handlungen in Gang zu bringen. Oder anders gesagt: Prognos-Studien formulieren eben immer auch irgendwie Hausaufgaben – für Politik, Industrie, Gemeinwesen und Gesellschaft. So sind etwa die Prognosen zum Waldsterben in den 1980er Jahren nicht eingetroffen, weil gegengesteuert wurde.

Eine neue Hausaufgabe

In der NRW-2030-Studie ist von einem hohen Sanierungsstau zu lesen. Konkret: „Die Verkehrsinfrastruktur ist in Nordrhein-Westfalen mit einer Vielzahl von sanierungsbedürftigen Brücken und Straßen in besonders schlechtem Zustand, zudem sind hier viele Städte und Gemeinden in einer schwierigen Finanzlage. Die im Koalitionsvertrag auf Bundesebene vorgesehene, zusätzliche Erhöhung der Infrastrukturausgaben um fünf Milliarden Euro für die laufende Legislaturperiode wird bei Weitem nicht ausreichen. Ebenso wird das von der Bundesregierung im November 2011 angekündigte Investitionspaket für die Jahre 2016 bis 2018 in Höhe von zehn Milliarden Euro nicht genügen, um den notwendigen Bedarf der jeweiligen Jahre zu decken.“ Und gleichzeitig sollen über die maroden Straßen und Schienen in Zukunft 20 Prozent des gesamtdeutschen Güterverkehrs bewegt werden. Das klingt nach einer solchen Hausaufgabe.

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