Aachen - Vortrag: Papsttum in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

Vortrag: Papsttum in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

Von: Katharina Menne
Letzte Aktualisierung:
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Vortrag im Aachener Rathaus: Max Kerner findet Lob für Papst Franziskus. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Päpste waren immer umstrittene Persönlichkeiten: geliebt, verehrt, bekämpft und belächelt. Aber keine andere Institution verbindet die Gegenwart noch immer so stark und unmittelbar mit der Spätantike wie das Papsttum.

Im Rahmen des Programms zur Karlspreisverleihung an Papst Franziskus am 6. Mai beschäftigte sich Max Kerner, emeritierter Professor für Mittlere und Neuere Geschichte der RWTH Aachen, auf Einladung der Karlspreisstiftung mit dem Papsttum, seiner Gestalt und wichtigen Papstgestalten.

Kerner begrüßte rund 200 Zuhörer im Krönungssaal des Aachener Rathauses und zeigte ein Fresko aus der Sixtinischen Kapelle von Pietro Perugino, auf dem Petrus die „Schlüssel des Himmelreichs“ von Jesus Christus annimmt. „Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen. Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben“, so heißt es in der Bibel bei Matthäus. Darin manifestiere sich traditionell das Papsttum als göttliche Stiftung, stellt der Historiker klar, und der Papst als Nachfolger des Apostels Simon Petrus.

Das werfe jedoch die Frage nach der Heiligkeit des Papstes auf. Ist es eine persönliche Heiligkeit oder eine Amtsheiligkeit? Schließlich seien nur etwa 70 von 270 Päpsten offiziell heiliggesprochen worden. Und dennoch wird der Papst mit „Heiliger Vater“ angesprochen. Er führt auch eine Reihe von Titeln, die den Schluss einer Amtsheiligkeit nahelegen: Der Papst ist der Stellvertreter Christi auf Erden, der Nachfolger von Petrus, Bischof von Rom, Souverän des Vatikanstaates und Diener Gottes. Der letzte sei, so Kerner, mit Sicherheit der Titel, der dem amtierenden Papst Franziskus am liebsten sei.

„Eine spannende, aber wohl nicht lösbare Frage, ist die nach dem Tod und dem Grab des Petrus“, leitete Kerner den Teil seines Vortrags zu den Kreuzigungstheorien und den archäologischen Funden ein. Berninis Papstaltar im Petersdom befindet sich zwar über dem vermeintlichen Grab des Petrus, aus dem auch tatsächlich Gebeine geborgen werden konnten, nur: Sind es wirklich seine? Schon Kaiser Konstantin baute die Vorgängerkirche des heutigen Petersdoms über das Petrusgrab, bei archäologischen Grabungen wurde der Schriftzug „Petros eni“ (Petrus ist hier) gefunden.

Papst Franziskus war es, der die Petrusreliquie erstmals der Öffentlichkeit präsentierte. Er, der mehr denn je dem „Menschenfischer“ Petrus nacheifert und sich für eine „Kirche der Armen“ einsetzt. „Seine Schlüsselbegriffe sind Barmherzigkeit und Glaube, Armut und Umwelt“, sagte Kerner. „Seine Botschaft geht weit über Europa und die christliche Welt hinaus. Er setzt sich ein für eine Kultur der Menschenrechte.“ Das sei für ihn neben der Straßburg-Rede auch der Grund, warum er den Karlspreis verdient habe.

Die spannendste Frage seines Vortrags stellte Kerner am Schluss: Wie wird es mit dem Papsttum weitergehen? Laut der Malachias-Weissagung aus dem 16. Jahrhundert sei Papst Franziskus als „Petrus Romanus“ der letzte Papst, danach gehe die Welt unter. Doch Franziskus stehe ganz besonders für Erneuerung und Humanität. Und so schloss Kerner seinen Vortrag mit den Worten: „Wenn das gelingt, dann geht diese Welt nicht unter.“

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