Vor dem Ende des Eifelkrimis: Mord ja, Höchststrafe nein

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen. Mit den Plädoyers vor dem Aachener Schwurgericht und dem Urteil Anfang der kommenden Woche geht in Aachen ein Mordprozess zu Ende, der die Qualität eines Thrillers zur besten Fernsehsendezeit hat.

Hauptdarsteller ist der aus Kall stammende KFZ-Meister Ralf S. (45), der am 17. Januar seinen Freund und Geschäftsfreund Johann P. mit einem Jagdgewehr erschoss. S. sagte am Dienstag in seinem letzten Wort: „Ich entschuldige mich. Ich leide sehr darunter, dass ich meinen Freund getötet habe.”

Sein Verteidiger Albert Stumm hatte zuvor in seinem Plädoyer wegen Totschlags eine Haftstrafe von sechs Jahren gefordert. Der Tatentschluss seines Mandanten sei spontan im Keller des Sötenicher Autohauses gefallen und Ergebnis des bereits länger andauernden Streites der beiden Männer um Geld gewesen.

Das sahen die fünf Nebenklagevertreter wie auch der Aachener Staatsanwalt Wilhelm Muckel völlig anders. Allerdings überraschte Muckel mit einem Antrag, der trotz einer geforderten Verurteilung wegen heimtückischen Mordes für den Angeklagten keine lebenslange Haft, sondern im Vergleich dazu nur eine Strafe von zwölf Jahren Haft beantragte.

Die Argumentation des Staatsanwalts geht von einem „fatalen Verhältnis” der beiden Männer aus. Ihre Freundschaft sei mit der Zeit umgeschlagen in „eine bedrückende Beziehung”, in der der später getötete Johann P. (32) den eher ruhigen Ralf S. „vollständig vereinnahmt” habe. Die Einkünfte im Schrotthandel, der nicht immer mit legalen Methoden betrieben worden sei, gingen zurück, die Ansprüche von P. dagegen stiegen. Muckel wertete diese Situation sozusagen als permanente Erpressung des Angeklagten. Der habe schließlich seinen Freund in den Keller des Autohauses gelockt und dort den Mord begangen.

Die Tat sei begangen worden, um sich in großer Verzweiflung dem permanenten Druck seines Freundes zu entledigen, sagte der Staatsanwalt. Für diese Notsituation, und nur dafür, könne die Rechtsprechung von der Verhängung lebenslanger Haft, wie es das Gesetz bei Mord grundsätzlich fordert, absehen.

Damit waren die Nebenklagevertreter, die die Ehefrau, Kinder und den Vater des Getöteten vertreten, wenig einverstanden. Für sie ist die Tat als erstes ein Heimtückemord, der durch weitere Mordmerkmale wie Habgier und anderen niedrigen Beweggründe nur noch schlimmer wiege. Sie alle forderten von der Kammer unter Vorsitz von Richter Gerd Nohl auf, den Angeklagten lebenslang hinter Gitter zu bringen. Das Urteil wird kommenden Montag um 10 Uhr gesprochen.
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