Aachen - Vor 40 Jahren wurde Gerd Dicke zum Weihbischof ernannt

Vor 40 Jahren wurde Gerd Dicke zum Weihbischof ernannt

Von: Georg Dünnwald und Yannic Blaschke
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„Im Dienst des Herrn, in der Hoffnung froh”: Gerd Dicke wurde am 11. April 1970 zum Weihbischof ernannt. Am 11. April 2010 zelebriert er mit Bischof Heinrich Mussinghoff ein Potifikalamt im Dom. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Ein Wochenende im April 1970: Am Freitag, 10. April, lösten sich zum Entsetzen der Fans die Beatles auf, John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr gingen ihre eigenen Wege. Am folgenden Samstag, 11. April, entfaltete die katholische Kirche im Aachener Dom alle Pracht, die ihr eigen und möglich ist.

Bischof Johannes Pohlschneider weihte im Aachener Dom den Krefelder Religionslehrer und Priester Gerd Dicke zum Weihbischof und Titularbischof von Iria Flavia.

„Das kam für mich völlig unerwartet”, erinnert sich der Weihbischof. Vor allem hat er sich gefragt: „Wo liegt Iria Flavia?” Sein Bruder wusste die Antwort: In Spanien, gleich um die Ecke von Santiago de Compostela.

Das Bistum Iria Flavia in Nord-West-Spanien gibt´s längst nicht mehr. In dem verschlafenen Nest, einem Vorörtchen der Stadt Padrón, ist Gerd Dicke einmal in seinem Leben gewesen. „Aber die Ortschaft gibt es wenigstens noch, sogar auf dem Ortseingangsschild steht noch der lateinische Name. Da haben es andere Weihbischöfe nicht so einfach. Deren Bistüme sind weder auf der Landkarte noch in Wirklichkeit zu finden.”

...in der Hoffnung froh

Dicke hat Humor. Und den streut er immer mal wieder ins Gespräch ein. Angegeben, wie er sagt, hat er auch schon mit seinem Bischofsamt als Oberhirte von Iria Flavia. Auf dem Aachener Katholikentag 1986 saß er gemeinsam mit den damaligen Erzbischöfen von Madrid und Santiago de Compostela in einer der Diskussionsrunden zusammen und bekundete den verdutzten kirchlichen Würdenträgern: „Vor Ihnen habe ich als Bischof von Iria Flavia die älteren Rechte. Wenn es mir in Aachen nicht mehr gefällt, komme ich runter nach Spanien, dann übernehme ich bei euch.”

Der Humor widerspricht sich nicht mit seinem Ernst, den er in Glaubensfragen an den Tag bringt. In seinem Wahlspruch „Domino servientes spe gaudentes” („Im Dienst des Herrn, in der Hoffnung froh”) sind ihm besonders die Worte Dienst und Hoffnung wichtig. Den Dienst sieht er einfach als „Aufgabe, die gemacht werden muss”. Hoffnung allerdings liege allein in Gott.

Zum 40. Jahrestag von Gerd Dickes Konsekrierung, also seiner Weihe zum Bischof, wird Bischof Heinrich Mussinghoff am Sonntag, 11. April, zusammen mit dem Jubilar im Aachener Dom um 10 Uhr ein Pontifikalamt zelebrieren. Danach ist ein Empfang in der Domsingschule geplant. „Den ganzen Tag aber feiere ich nicht.” Sonst liefe er ja Gefahr, nicht mehr mit dem Feiern aufhören zu können.

„In zwei Jahren, so Gott will, feiere ich die 60-jährige Wiederkehr der Priesterweihe, in drei Jahren werden ich 85 Jahre alt”, begründet der am 28. März 1928 in Erfurt geborene Gerd Dicke. „Ich bin ein gesamtdeutsches Kind”, sein Vater kam aus Wuppertal, die Mutter ist gebürtig aus Frankfurt. Erfurt gehörte zu Zeiten seiner Geburt zum Erzbistum Fulda, dort und in München studierte Dicke nach dem Abitur Theologie und Philosophie. Nach Aachen zog es ihn, weil seine Mutter seit 1947 dort lebte. Sie war aus der damaligen sowjetisch besetzten Zone geflohen. „Wir hatten keine Verwandtschaft im Osten.” Bischof Joseph van der Velden weihte den jungen Kandidaten im August 1952 im Aachener Münster zum Priester.

Dickes Sorgen

„Ich bin kein Prophet”, sagt Dicke. Trotzdem sieht er einige Probleme auf die Kirche in Mittel- und Westeuropa zukommen. „Die Menschen werden immer individualistischer. Da könnte es in Zukunft viel weniger Zusammenhalt in den Gemeinden geben.” Es brauche auch eine Gemeinschaft, in der sich der Glaube entfalten könne.

Aber auch etwas anderes bereitet ihm Sorgen: „Ich hätte nie die Ausmaße von Missbrauch und Misshandlung von Kindern geahnt”, sagt Dicke. „Die katholische Kirche treffen die Vorfälle um so mehr, denn sie versteht sich ja als moralische Institution.” Aber der Weihbischof bleibt auch optimistisch. Das Verlangen des Menschen nach „etwas Höherem” sei eben nicht kleinzukriegen. Und deshalb würde die Kirche trotz aller Stürme, der sie sich jetzt „zu recht” ausgesetzt sehe, weiterbestehen.
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