Von Scotland Yard bis zu den Siedlern

Von: Tobias Röber
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Ein ganz besonderer Schrank: Viele bunte „Pöppel” hat der Verein „Spiel des Jahres” zum 25-jährigen Bestehen geschenkt bekommen. In Düren werden sie aufbewahrt. Sonja Assmann (links) und Sigrid Lückoff werfen natürlich ab und zu einen Blick hinein. Foto: Röber

Düren. Jeder, der sich in irgendeiner Form für Gesellschaftsspiele interessiert, kennt ihn: den lorbeerumkranzten Halmakegel mit der Aufschrift „Spiel des Jahres”. Sonja Assmann und Sigrid Lückoff nennen den Kegel liebevoll „Pöppel”.

Die beiden Frauen haben beinah täglich mit dem „Pöppel” zu tun, denn sie leiten die Geschäftsstelle des Vereins „Spiel des Jahres”. Und der hat seinen Sitz in Düren.

Sonja Assmann ist seit März Geschäftsführerin des Vereins „Spiel des Jahres”, der damit erstmals überhaupt eine Geschäftsführerin hat. Bislang oblagen diese Aufgaben ausschließlich dem ehrenamtlich tätigen Vereinsvorstand.

Nachfolger von Dixit

32 „Spiele des Jahres” gab es schon, im kommenden Monat kommt das nächste hinzu und reiht sich ein in bekannte Spiele wie Rummikub, Die Siedler von Catan und Carcassonne. Welches Spiel der Nachfolger von Dixit wird, das erfahren Sonja Assmann und Sigrid Lückoff auch erst am Tag der Bekanntgabe, in diesem Jahr geschieht das am Montag, 27. Juni. Der Weg bis zur Entscheidung ist weit. Grundsätzlich können alle Spiele berücksichtigt werden, die aus dem aktuellen und den Vorjahr stammen, sofern sie rechtzeitig veröffentlicht werden und im Handel erhältlich sind. Welche Spiele in das Auswahlverfahren kommen, entscheiden nicht die Verlage, sondern die Mitglieder der Jury, die sich aus Spielekritikern zusammensetzt. Es sind allesamt Journalisten, die ehrenamtlich für „Spiel des Jahres” arbeiten. Und es ist eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe, die absolute Unabhängigkeit und Unbestechlichkeit erfordert. Immerhin ist das Logo des Vereins auf einem Spiel mehr als nur ein gutes Verkaufsargument. Es folgt ein mehrstufiges Auswahlverfahren, bis schließlich maximal fünf Nominierungen für das „Spiel des Jahres”, das „Kinderspiel des Jahres” und - neu im Jahr 2011 - das „Kennerspiel des Jahres” (für geübte Spieler, mit komplexeren Anleitungen) übrig sind. Die endgültigen Nominierungen werden bei einer Klausurtagung wenige Wochen vor der Bekanntgabe diskutiert und festgelegt.

Sonja Assmann und Sigrid Lück-off fiebern der Preisvergabe ebenso entgegen wie die Autoren und Spieleverlage. „Nur die Jury weiß schon vor der Bekanntgabe, wer gewinnt”, betonen Assmann und Lückoff. Die beiden sind bei den wichtigen Veranstaltungen immer mittendrin. Auch, weil sie selbst gerne spielen. Das „Spiel des Jahres” aus dem Jahr 1983 Scotland Yard hat es beiden nach wie vor angetan, und sie siedeln (Siedler von Catan) auch gerne.

Aber was genau ist ihre Aufgabe im Verein? „Wir verwalten den Verein, organisieren Messen und Preisverleihungen”, erklärt die Geschäftsführerin. Vor allem bei der Spielemesse in Essen sind sie sehr stark involviert. Auch die Preise für das „Spiel des Jahres” bereiten sie vor. Die Sieger erhalten einen großen Halmakegel aus Holz, der übrigens von einem Drechsler aus dem Kreis Düren angefertigt wird. Sie gestalten die Einladungen für Veranstaltungen, setzen die Broschüren für den Verein um und wickeln sämtliche Anfragen etwa zum Stadt-Spiele-Tag ab. Rund um die Uhr sind Assmann und Lückoff mit der Arbeit für „Spiel des Jahres” nicht beschäftigt. Gemeinsam bilden sie seit vielen Jahren das Team Medien Design (temedes) in Düren.

Jetzt sind die beiden aber erstmal sehr gespannt auf die Klausurtagung und natürlich die Preisverleihungen. Das nächste „Spiel des Jahres” werden sie mit Sicherheit dann auch testen.

Beurteilungskriterien für den Hauptpreis und die Sonderpreise sind: 1. Spielidee (Originalität, Spielbarkeit, Spielwert), 2. Regelgestaltung (Aufbau, Übersichtlichkeit, Verständlichkeit), 3. Layout (Karton, Spielplan, Regeln) und 4. Design (Funktionalität, Verarbeitung).

Der Kritikerpreis „Spiel des Jahres” ist ein ideeller Preis und nicht mit Geldzuwendungen verbunden. Die Preisträger können mit der Tatsache der Preisverleihung werben. Die Nutzung des Signets ist an eine Lizenzgebühr gebunden.

Das „Kennerspiel des Jahres” soll denjenigen Menschen eine Orientierungshilfe bieten, die schon längere Zeit spielen und Erfahrung beim Erlernen neuer Spiele mitbringen.

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