Region - Von Mühlen und Mythospark: Radtour am Niederhein

Von Mühlen und Mythospark: Radtour am Niederhein

Von: Thomas Maria Claßen
Letzte Aktualisierung:
17172132.jpg
17172135.jpg

Region. Wir lenken unser Rad rechts vom Parkplatz heraus auf die glatte Asphaltbahn, passieren die Jugendherberge und sind sofort mitten im Mönchengladbacher Hardter Wald. Am Knotenpunkt 37 fahren wir geradeaus tiefer in den Mischwald.

Nur selten begegnen wir anderen Radlern, die diesen Verbindungsweg kennen. Nach zwei Kilometern an der Gabelung halten wir uns leicht rechts, bleiben auf dem Hauptweg und fahren zwischen Buschreihen und offenen Feldern wieder auf asphaltierter Straße durch Schwalmtal-Leloh.

Häuser und Höfe säumen unseren Weg, rechts sehen wir eine lange Taxushecke und dann 20 kleine Kopfweiden. Hinter der weißen Kapelle folgen wir der Straße nach rechts und biegen wenig später nach dem Ortsausgangsschild links ab. Zwischen großflächigen Paddocks fahren wir mitten durch den Pferdebetrieb, vor uns sehen wir wieder Laubbäume und sind bald in einem kleinen Rotbuchenwald.

Wenn wir aufpassen, sehen wir links eine mächtige, aber marode Backsteinmauer. Das halbrunde Bauwerk ist die Rückwand eines alten militärischen Schießstands und ein letzter sichtbarer Zeuge des ehemaligen Joint Headquarters Rheindahlen. Das kurze Waldstück kann schon mal ein wenig holprig sein, weil hier regelmäßig Forstarbeiter mit schwerem Gerät unterwegs sind.

Wir überqueren mit Vorsicht die Landstraße L3 nach links, folgen dem Radweg und biegen sofort wieder rechts ab Richtung Lüttelforst. Im dichten Laubwald hinter dem langen Zaun liegt unten im Tal der verträumte Knippertzbach, ein Zufluss der nahen Schwalm mitten im Naturpark Schwalm-Nette. Wir folgen der Kreisstraße K 29 in sachten Kurven für zwei Kilometer stetig bergab. Zwischen Wald und kleinen und großen Anwesen erhaschen wir ab und zu einen Blick bis unten ins Tal zur glitzernden Schwalm.

Bei Tachostand 6,5 beachten wir den roten Radwegweiser und biegen links nach Wegberg ab. Nach 250 Metern erreichen wir eine Brücke und treffen erstmals auf den Fluss, der dem Gebiet und der Gemeinde Schwalmtal seinen Namen gibt. Links vor dem grünen Brückengeländer ist Platz, um Räder abzustellen und mit ein paar Schritten sind wir an der Schwalm.

200 Meter weiter biegen wir vor dem Feld links in den Schotterweg und fahren nun einen Kilometer am Schwalmwald entlang, neben langen Zäunen, die die Äcker und Felder vor den zahlreichen Wildschweinen aus dem Tal nebenan schützen sollen.

Wir stoßen auf die Landstraße L 367 und fahren am Ortseingangsschild von Schwaam vorbei. Die Ortschaft mit 150 Einwohnern ist überregional bekannt wegen ihrer reetgedeckten denkmalgeschützten Häuser. Im Denkmal Nummer 168 am Knotenpunkt 68 machen wir eine erste Einkehrpause. Der erste Tante-Emma-Laden des Orts beherbergt heute eine Pension und einen ausgesprochen hübschen Landgasthof. „Ureinwohner“ nennen den Gasthof Timmermans mit seinem alten niederrheinischen Kosenamen „Kruut Mamm“ (Krautmutter).

Wir fahren weiter nach rechts, Richtung Molzmühle über eine schmale Asphaltstraße, vorbei an zwei Pferdehöfen, dann in langen Bögen rechts-links durch den Bauernhof. An der T-Kreuzung halten wir uns dem roten Radwegweiserpfeil entsprechend links. Es geht talwärts, in flottem Tempo queren wir wieder die Schwalm, die sich hier im Bachbett durch den Wald schlängelt. Wir sind nun an der Molzmühle, eine gute Adresse für angenehmen Gaumenkitzel.

Zum Angelpark Wegberg

Ein paar Meter weiter geht es links herab zum Angelpark Wegberg. Die kleine Wallerstube bietet sich an, wenn wir nur ein Radler oder einen Kaffee trinken wollen. Geradeaus und bergauf müssen wir 100 Meter bis zur Rechtskurve kräftig in die Pedale treten und fahren auf ebener Strecke bis zur Landstraße L 3. Wir müssen schräg rechts hinüber in den Bollenberg und sind gut beraten, wenn wir an dieser heiklen Querung die Ampelanlage nutzen.

Immer der Nase nach, bewegen wir uns einen Kilometer zwischen einer großen Wiese voller Mastgänse und weißen Holzzäunen, langen Buchenhecken und noch längeren, grauen Jägerzäunen. Wieder im Feld halten wir uns an der Gabelung halb rechts, fahren abwärts nach links auf die Hospitalstraße K 10 und sofort wieder rechts zwischen See und Holtmühle in den Wald. Wir folgen den roten Pfeilen, übers Feld, über den Grenzlandring, wieder durch ein Wäldchen, über eine weitere Kreuzung, bis wir bei Tachostand 14,2 über den Bahnübergang links nach Wegberg abbiegen. Durch den Kreisverkehr geht es immer geradeaus auf den Rathausplatz.

Hinter der Kirche St. Peter und Paul halten wir uns links, fahren langsam durch die kleine Fußgängerzone. An der Ampel überqueren wir die Kreuzherrenstraße und fahren links Richtung Ophover Mühle. Vor der Antonius Apotheke biegen wir zuerst nach rechts ab und dann sofort links hinter der Brücke in den Pfad neben dem Beeckbach. Am Bach entlang erreichen wir bei Kilometerstand 15,5 die Ophover Mühle.

Vom See vor der Wassermühle begleiten wir den Beeckbach weitere 500 Meter entgegen seinem Lauf, fahren an der ersten Straßenquerung rechts, links, durch eine Siedlung, bis wir nach 1,2 Kilometern hinter dem Schulhof der Grundschule den Knotenpunkt 70 und das kleine kulturelle Zentrum der Gemeinde Wegberg-Beeck erreichen. Wir fahren gerade durch eine Hochburg des Anbaus von Flachs im 19. Jahrhundert. Das Beecker Flachsmuseum präsentiert die historische Verarbeitung und Nutzung als Ölfrucht, Heilpflanze und bedeutenden Rohstoff von Leinen.

Am Museum vorbei fahren wir rechts, links zum Friedhof, durch den Kreisverkehr und queren wieder den Grenzlandring.Wir folgen nun der Radwegweisung durch Ellinghoven, Bau und Woof über die Knotenpunkte 69, 20 bis Broich.

Und ab dem Knotenpunkt 19 den Wegweisern nach Mönchengladbach durch Gerkerath und Kothausen, fahren bei Tachostand 24,7 am Knotenpunkt 18 zur Gladbacher Straße B 57. Auf dem Radweg nach links fahren wir 800 Meter bis Dorthausen und könnten im WT Bistro7 eine Kleinigkeit essen. Die hausgemachte Currysauce zur Bratwurst dort ist eine echte Wucht.

Ehemalige Erziehungsanstalt

800 Meter weiter sehen wir auf der anderen Straßenseite das Borussia-Fanhaus und vor der Einfahrt zum Militärgelände rechts von uns nutzen wir die Ampelquerung nach links, biegen nach 100 Metern rechts in den historischen Teil des Mönchengladbacher Nordparks. Im Denkmalbereich der ehemaligen Erziehungsanstalt aus dem beginnenden 20. Jahrhundert stehen heute 17 restaurierte Gebäude.

Ab den 1930er Jahren und im Zweiten Weltkrieg wurden Bauten und Gelände militärisch genutzt und nach Kriegsende von der britischen Rheinarmee beschlagnahmt. 1998 kaufte die Stadt das Gelände und initiierte Sanierung und Verkauf an private Investoren.

Wir haben nun die Qual der Wahl zwischen zwei sterndekorierten Köchen in unmittelbarer Nachbarschaft. An der Nord-Ost-Ecke der großen Freiwiese liegt in der ehemaligen Georgs-Kirche das Palace St. George 8. Hier residiert seit 2006 Wolfgang Eickes und bietet in seinem Gourmet-Restaurant „Eickes“ kreative französische Spitzenqualität. Im angegliederten Bistro finden auch Spontangäste regionale Speisen zu moderaten Preisen.

Mit Blick auf das Stadion fahren wir links aus der braun-weißen Gebäudegruppe heraus, biegen rechts auf den Geh- und Radweg und sehen 100 Meter rechts von uns einen modernen pechschwarzen Bau mit dem Restaurant La Cottoneria. Philipp Eberhard und sein Team kochen hier Italienisch aus frischen regionalen Produkten.

Nun wenden wir unsere Räder zum imposanten Stadion, fahren die wenigen Meter in den Borussia-Park und kommen vorbei an der großen Fanstein-Raute mit 6000 durchnummerierten kleinen Rautensteinen.

An der Westseite des Stadions entsteht das vereinseigene Hotel mit Museum. Der Verein der Fußballbundesliga bietet nach Voranmeldung eine interessante Stadionführung. In der Sportsbar gibt es täglich wechselnde preiswerte Gerichte (bei Heimspielen geschlossen).

Den roten Pfeilen folgend verlassen wir den Nordpark, sehen dabei rechts von uns das kleinere Hockeystadion. Vor dem Feld fahren wir zuerst links, dann nach rechts an der Sperre vorbei. Bei Heiligenpesch am Knotenpunkt 22 queren wir die Kreisstraße K 15, fahren 1,2 Kilometer an der Hehner Landwehr entlang Richtung Hardt und bewegen uns nun auf der Niederrheinroute.

Vor der Südspitze des Hardter Waldes fahren wir ein paar Meter links, danach sofort rechts in den Wald hinein, wenig später hinter der Schutzhütte rechts und 200 Meter hinter den Forstbetrieben links in den Schlaaweg. Im Fuchsbau L gibt es seit 1954 die anerkannt besten Hähnchen der Region und Düsseldorfer Füchschen vom Fass.

Am Matthiaskapellchen queren wir vorsichtig die Hardter Landstraße L 39. Wenn wir genau hinsehen, erahnen wir dahinter links im Wald eine Reihe von Hügelgräbern, hier in der Gegend auch als „Hunshügel“ bekannte keltische Grabfelder aus der späten Bronzezeit.

Hinter dem Ponyhof biegen wir rechts in den Schlippweg und fahren im sanften Bogen aus dem Mischwald bis zum Feld und an der Asphaltquerung links. Nach 250 Metern sehen wir vor uns das Waldrestaurant Onkel Gustav, bald dahinter kommt der Parkplatz.

 

Die Homepage wurde aktualisiert