Aachen/Simpelveld - Von heißem Dampf und altem Eisen: Die Bahn von Aachen nach Maastricht

Von heißem Dampf und altem Eisen: Die Bahn von Aachen nach Maastricht

Von: Naima Wolfsperger
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Im niederländischen Südlimburg werden Nostalgiefahrten mit alten Dampflokomotiven aus Schweden angeboten. Foto: Naima Wolfsperger
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Dampflokabschied in Aachen: Im April 1976 wurde der Dampflokbetrieb in der Region für den regulären Schienenverkehr eingestellt. Die Dampflok 050 164 war somit am 4. April die letzte ihrer Art, die den Aachener Hauptbahnhof verließ. Foto: Roland Keller
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„Wir sind in erster Linie Gastgeber“, sagt Zugführer Bert Felix. Der Rentner fährt mit der alten Bahn, so oft er kann. Foto: Naima Wolfsperger
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Rußig: Nicodemus van Birgelen (l.) ist Heizer und Niels Jacobs Lokführer bei der Nostalgiebahn „De Miljoenenlijn“. Foto: Naima Wolfsperger
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Der Antrieb: Mit der Kohle wird Wasser erhitzt, der Druck durch den Wasserdampf bringt die Lok ins Rollen. Foto: Naima Wolfsperger

Aachen/Simpelveld. Der Schweiß steht Niels Jacobs auf der Stirn. Seine Hände sind schwarz, sein Gesicht auch ein wenig rußig. Der 26-Jährige verbringt seinen freien Tag mit einem ungewöhnlichen wie auch altmodisch anmutenden Ehrenamt. Er ist Lokführer bei der „Dampfbahngesellschaft Süd-Limburg“.

Die Traditionsstrecke zwischen Schin op Geul und Kerkrade ist eine besondere Strecke – sie ist ein Teil der ehemaligen Erweiterung der Bahnverbindung zwischen Aachen und Maastricht – und damit Teil einer der ersten internationalen Zugstrecken überhaupt. Außerdem war diese Erweiterung dermaßen teuer, dass die Strecke bis heute den Namen „de Miljoenenlijn“, „die Millionenlinie“ trägt.

Aachen sollte ausgespart werden

Am Donnerstag ist es genau 40 Jahre her, dass mit der Güterzuglok 043 903-4 die letzte planmäßig öffentlich eingesetzte Dampflok der Deutschen Bundesbahn in den niedersächsischen Bahnhof Emden einfuhr. Damit endete der planmäßign Einsatz von Dampflokomotiven bei der Bundesbahn.

Die Region Aachen spielt in der Geschichte der europäischen Bahnverbindungen eine gewisse Sonderrolle, sagt Roland Keller, Eisenbahn-Experte aus Stolberg. Einerseits, weil die Stadt anfangs gar nicht an das Streckennetz angeschlossen werden sollte, andererseits, weil in den Zechen im Aachener Revier kleinere Dampflokomotiven noch bis zu den Schließungen in den 1990er Jahren im täglichen Gebrauch bewundert werden konnten.

„Man wollte Aachen beim Schienenbau aussparen, weil die Region so hügelig ist“, sagt Keller. Die Steigungen in der Region habe man umgehen und die Schienen längs des Indetals legen wollen. Und das, obwohl der Unternehmer Charles James Cockerill (1787-1837) bereits 1831 die ersten Pläne zum Bau einer Bahnverbindung zwischen Aachen und dem Hafen von Antwerpen über Maastricht vorstellte. Vier Jahre, bevor mit dem „Adler“ am 7. Dezember 1835 die erste deutsche Dampflok überhaupt in Nürnberg losfuhr.

Politisch wurde die Verbindung in die Niederlande, mit der das Kohlerevier Südlimburg und das Streckennetz der Wasserstraßen erschlossen werden sollte, vorerst abgelehnt. David Hansemann (1790-1864), einflussreicher Kaufmann und Bankier in der Region, setzte sich schließlich für die Bahnanbindung Aachens an die Niederlande ein.

Die Pläne wurden in den 1840er Jahren wieder aufgegriffen, und es wurden zwei Aachen-Maastrichter-Eisenbahngesellschaften gegründet: eine im damals noch bestehenden Preußen und eine in den Niederlanden. So fuhren dann ab 1853 Züge zwischen den beiden Städten auf einer der ersten grenzüberschreitenden Strecken in Europa.

Schwedische Dampflokomotiven im Einsatz

Auf einem dieser alten Streckenteile fahren jetzt an bestimmten Tagen alte schwedische Dampfloks und Personenwagen der belgischen Staatsbahn, die in den Jahren 1934 bis 1956 in Betrieb waren. Niels Jacobs und sein Kollege, der Heizer Nicodemus van Birgelen (52), fahren mit einer Lok aus dem Jahr 1910 mittwochs die Strecke zwischen Simpelveld und Schin op Geul. „Die Verbindung nach Aachen war die erste Bahnverbindung über eine niederländische Grenze“, sagt Jacobs stolz.

Bis zu sechs Jahre Erfahrung muss man sammeln, um die historischen Lokomotiven fahren zu dürfen. „Man beginnt als Kontrolleur, wird schließlich Zugführer und dann Heizer.“ Der Heizer schippt Kohle nach und kontrolliert den Druck des Wasserdampfs. Eine anstrengende, schmutzige und heiße Arbeit. Auch Wasser muss der Dampflok regelmäßig zugeführt werden. Führt man zu viel hinzu, wird die Bahn langsamer, weil sich das Wasser erst erwärmen muss. Gibt es zu wenig Wasser, wird es zu heiß.

„Hat man sich drei bis vier Jahre als Heizer bewährt, dann kann man in die Lehre zum Lokführer gehen.“ Stolz erklärt Jacobs, dass er sich seit zehn Jahren in dem Verein engagiert, der nicht nur die Nostalgiefahrten anbietet, sondern auch eine zertifizierte Werkstatt in Simpelveld hat. „Wir dürfen die Maschinen auch selbst reparieren.“ 1995 gründete sich der Verein, der, vergleichbar mit dem Förderverein des Kleinbahnmuseums Selfkantbahn, Nostalgiefahrten mit historischen Dampfeisenbahnen anbietet.

Den Namen „de Miljoenenlijn“ gab sich der niederländische Verein nach dem Ausbau der Strecke von Simpelveld nach Kerkrade. Diese wurde erst 1934 fertiggestellt. Die starken Höhenunterschiede auf der Strecke erforderten mehrere Tunnel, Brücken und Dämme. Der Ausbau der 12,5 Kilometer kostete 12 Millionen Gulden.

Die „Millionenlinie“ stillgelegt

Bereits 54 Jahre später, 1988, erwies sich die die „Millionenlinie“ als unrentabel und wurde stillgelegt. 1992 wurde auch der Bahnverkehr zwischen Aachen und Maastricht eingestellt. Er hatte gegenüber den Straßen verloren.

„Ein Glücksfall“, wie Jacobs es nennt. Denn jetzt kann er mit „de Miljoenenlijn“ von Simpelveld nach Schin op Geul und wieder zurückfahren. Jacobs Augen scheinen vor Begeisterung zu leuchten, wenn er über die Fahrten mit den alten Loks spricht. „Sie sind laut, sie bewegen und verändern sich. Die alten Loks sind lebendig.“

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