Von einem Club für Exoten zum Aushängeschild

Von: Jan Mönch
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Festredner zu 50 Jahren Elektr
Festredner zu 50 Jahren Elektrotechnik (v.l.): Dekan Rudolf Mathar, RWTH-Rektor Ernst Schmachtenberg, Professor Walter Kaiser vom Lehrstuhl für Geschichte der Technik und der Politologe Daniel Barben. Foto: Steindl

Aachen. Beinahe wäre auch der RWTH-Rektor ein Elektrotechniker geworden. Auf dem Festakt zum 50. Jahrestag der Gründung der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik bekannte Professor Ernst Schmachtenberg am Freitag in der Aula des RWTH-Hauptgebäudes, dass er intensiv mit dem Gedanken gespielt habe, ein Studium der Elektrotechnik anzutreten.

„Die Liebe zum Motorrad allerdings hat mich dann davon abgehalten” - er wurde Maschinenbauer.

Tief in der Vergangenheit seiner Fakultät wühlte Professor Walter Kaiser (Lehrstuhl für Geschichte der Technik). Er erinnerte beim Festakt in der Aula daran, dass das, was die Fakultät heute ausmacht, einst in sehr bescheidenem Rahmen begann - und zwar lange bevor die Elektrotechniker eine eigene Fakultät bekamen.

„Initialzündung” für die Institutionalisierung der E-Technik an deutschen Hochschulen sei anno 1882 die „Internationale Elektricitäts-Ausstellung” in München gewesen. Neben weiteren Städten wurde da­raufhin auch Aachen die „Einrichtung elektrotechnischer Dozenturen und Laboratorien” empfohlen. Erster Dozent in Aachen war Otto Grotrian. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein sei der Bereich in Aachen jedoch eine Unterkategorie des Maschinenbaus und somit eher ein Club für Exoten geblieben. 1945 lag die Zahl der Studierenden bei etwa 100.

Nach dem Zweiten Weltkrieg begann dann die Emanzipation vom Maschinenbau. 1946 verselbstständigte die Elektrotechnik sich als Fachabteilung, am 1. Oktober 1961 wurde dann - nicht frei von Widerstand - die Fakultät für Elektrotechnik gegründet. „Großer Stratege” und „treibende Kraft” (Kaiser) war damals Professor Eugen Flegler. Die Zahl der Studierenden stieg stetig bis zum Allzeithoch des Wintersemesters 1989/1990, als man mehr als 4500 Studenten zählte. Von dem deutlichen Abwärtstrend in den Neunzigern hat die Fakultät sich mittlerweile erholt. Schmachtenberg: „Die sehr gute Bewerberlage ist dem ausgezeichneten Ruf der Fakultät zu verdanken.” Heute betrachtet Walter Kaiser die Fakultät als einen Vertreter des „Breitensports”. Für diesen Vergleich würde das breite Spektrum an vertretenen Disziplinen sowie die vielen in Aachen geschriebenen Lehrbücher sprechen. „Wohlgemerkt: Breitensport auf sehr hohem Niveau.”

Organisiert hat die Jubiläumsveranstaltung vor allem Oberingenieur Dominik Hölscher. Er suchte - und fand - die Anschriften und Mail-Adressen von nahezu 2000 ehemaligen Doktoranden: „Durch Alumni-Vereine und alte Mail-Verteiler konnten wir tatsächlich fast jeden anschreiben.” Offensichtlich. Die Aula platzte am Freitag aus allen Nähten.

60 Lehrende für 3096 Studenten

50 Jahrenach ihrer Gründung zählt die Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik zu den Aushängeschildern der RWTH. Exakt 3096 Studenten waren im vergangenen Semester immatrikuliert, sie lernen und forschen bei 27 Professoren, drei Juniorprofessoren und 30 Lehrbeauftragten. Gemeinsam mit 490 Mitarbeitern sorgen sie dafür, dass die Fakultät in diversen Rankings regelmäßig auf den vorderen Plätzen landet.

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