Von der „Big Bang Theory“ in den Hörsaal: Mayim Bialik

Von: Ines Kubat
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Sie hat einen Doktor in Neurowissenschaften und spielt in der Serie „The Big Bang Theory“ eine Neurobiologin: US-Schauspielerin Dr. Mayim Bialik hielt jetzt im Rahmen einer Konferenz einen Vortrag an der RWTH Aachen. Foto: Andreas Steindl
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Sie hat einen Doktor in Neurowissenschaften und spielt in der Serie „The Big Bang Theory“ eine Neurobiologin: US-Schauspielerin Dr. Mayim Bialik hielt jetzt im Rahmen einer Konferenz einen Vortrag an der RWTH Aachen.
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Sie hat einen Doktor in Neurowissenschaften und spielt in der Serie „The Big Bang Theory“ eine Neurobiologin: US-Schauspielerin Dr. Mayim Bialik hielt jetzt im Rahmen einer Konferenz einen Vortrag an der RWTH Aachen.
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Sie hat einen Doktor in Neurowissenschaften und spielt in der Serie „The Big Bang Theory“ eine Neurobiologin: US-Schauspielerin Dr. Mayim Bialik hielt jetzt im Rahmen einer Konferenz einen Vortrag an der RWTH Aachen.

Aachen. Unruhe im Hörsaal I des Hauptgebäudes: Gemurmel wird laut, einige rutschen hibbelig auf ihren Stühlen hin und her. Dann betritt eine kleine, zierliche Frau den Raum: Dr. Mayim Bialik, Neurowissenschaftlerin. Die ersten Smartphones werden gezückt. Sie steht weiter bescheiden neben der Tür, lächelt ein wenig verlegen und lässt das Geknipse sanftmütig über sich ergehen.

Was versetzt die knapp 250 Nachwuchswissenschaftler bei diesem Vortrag an der RWTH so in Aufregung? Handelt es sich bei der amerikanischen Besucherin um einen Star der Wissenschaft? Fast.

Dr. Mayim Bialik ist besser bekannt als Amy Farrah Fowler aus der US-Comedyserie „The Big Bang Theory“ (deutsch: Die Urknall-Theory). Millionen von Zuschauern haben auf den Bildschirmen miterlebt, wie sie in der dritten Staffel in das Leben der anderen Charaktere Penny, Sheldon und Leonard trat. Dass sie in der Serie die einzige tatsächliche Wissenschaftlerin mit Hochschulabschluss ist, weiß in der Regel aber kaum ein Zuschauer.

In „The Big Bang Theory“ wird Amy, alias Mayim Bialik, zur nerdigen Freundin von Sheldon Cooper, dem hochintelligenten Physiker, dem allerdings in Sachen zwischenmenschliche Beziehungen jegliches Basiswissen fehlt. Die Produzenten „suchten sein Gegenstück“, erklärt Bialik mit ihrer seltsam vertraut tiefen Stimme. Sie kannte die Serie vor dem Vorsprechen gar nicht, schaute sich deshalb ein paar Passagen an und sagte dann direkt: „Kein Problem. Ich kenne einen Haufen solcher Leute.“

Ihr Vortrag an der RWTH trug den Titel „The Science of Big Bang“ – darin erklärte sie nicht etwa den Urknall, sondern berichtete darüber, wie es als Neurowissenschaftlerin ist, in einer Sitcom zu schauspielern, in der es genau um Leute wie sie geht. Postdocs, Doktoranden und Studenten sitzen in den Rängen und lauschen ihren humorvollen Erzählungen verzückt. Sie alle nahmen vergangene Woche an einer internationalen Wissenschafts-Konferenz teil, die erstmals als Kombination dreier Veranstaltungen in Aachen stattfand.

Vier Tage lang hatten sie bereits Vorträgen zu Themen wie „Simulationstechnik“ oder „angewandter Mathematik“ gelauscht. Bialiks Vortrag, der sie übrigens erstmals nach Deutschland führte, fiel da ganz bewusst aus der Reihe, wie Organisatorin Dr. Stefanie Elgeti vom „Lehrstuhl für computergestützte Analyse technischer Systeme“ erklärt: Die Schauspielerin wurde eingeladen, weil sie sich um Nachwuchswissenschaftler bemühe. Außerdem seien „viele Leute, die wir kennen, große Fans der Fernsehserie“.

Ein Zuschauer stellt Bialik die Frage, die wohl jeden im Raum bewegt: „In der Serie sehen Sie ja ganz anders aus.“ Die Schauspielerin lacht und sagt nur: „Viele Leute, die mich kennenlernen, sagen überrascht ‚Du bist ja hübsch‘.“ Wie sie so dasteht, könnte man kaum anderes vermuten: Sie trägt ein elegantes Kleid, eine Blumenspange klemmt im Haar, und eine Spur von Lippenstift glänzt beim Sprechen auf ihrem Mund. Ganz anders ist das in der Serie, in der Amy – mit Verlaub gesagt – eher unscheinbar und plump daher kommt.

Tatsächlich erklärt Amy, die in der Serie als Neurobiologin unter anderem das Verhalten von Tieren erforscht: „Es wäre schön mit einem Mann zusammen zu sein, der wissen will, was ich unter meiner Strickjacke trage. Nur zur Info: eine zweite Strickjacke.“ Dieser Satz ist Sinnbild für das Auftreten dieses weiblichen Nerds, bestätigt auch Mayim Bialik: „Für die Serie fügen sie mir zwei Kleidergrößen hinzu. Amy soll komplett asexuell sein.“ Falschen Stolz habe sie deshalb nicht, und sagt schlicht: „Ich liebe es, bei der Arbeit gemütlichere Klamotten als meinen eigenen Pyjama zu tragen.“

Ihr Äußeres verändert Amy im Laufe der Serie nicht. Innerlich macht sie, die zu Hause Äffchen nikotinabhängig macht, oder Sätze sagt wie „Ich würde gern mal Dein Gehirn aufschneiden und reinsehen“, einen gehörigen Wandel durch. Die einst so empathielose Neurobiologin sehnt sich irgendwann zunehmend nach Intimität zu Sheldon. Mit dem hat sie lange Zeit eine rein platonische Beziehung. Bialik dachte deshalb, dass nach der vierten Staffel Schluss für sie und Amy sei: „Ich hatte das Gefühl, ihre Geschichte sei fertig erzählt.“ Aber weit gefehlt. Mittlerweile – am Ende der achten Staffel – gehören beide zum festen Bestandteil des Casts.

Häufig wird Mayim gefragt, wie viel sie und ihr Alter Ego gemein haben, abgesehen davon, dass beide Harfe spielen und im Bereich der Neurowissenschaften arbeiten. Tatsächlich erkenne sie sich in Amy häufig wieder, gesteht Dr. Bialik: Denn ihr Charakter ist in der Serie zum Teil auf tragische Weise komisch. Zum Beispiel, wenn sie über ihre Kindheit ohne Freunde spricht: „Ich habe mir irgendwann geschworen, dass wenn ich jemals Freunde haben sollte, ich all das machen würde, was sie wollen.“

Bialik kennt das Gefühl: „Ich erinnere mich daran, wie es als Kind war, andere Sachen zu mögen als der Rest, ausgeschlossen und einsam zu sein.“ Sie selbst fand den Ort, wo sie sie selbst sein konnte, erst an der Universität. Dort traf sie Gleichgesinnte: In Los Angeles studierte sie Biologie, Chemie und Physik und forschte für ihre Doktorarbeit schließlich am Prader-Willi- Syndrom.

Aber der Weg, bis sie diese Passion erkannte, war weit: Fächer wie Mathe oder Phsyik, darin war sie als Schülerin nie besonders erfolgreich: „Ich war zu schüchtern, um mich zu melden.“ Naturwissenschaft sei ja sowieso Jungs-Sache, dachte sie sich.

Gleichzeitig stellte Mayim als junges Mädchen fest, dass sie es liebte, Menschen zum Lachen zu bringen: Sie wollte Schauspielerin werden. Optisch passte sie jedoch so gar nicht in das Schema der Filmbranche. Also bekam sie die lustigen, verrückten Rollen und debütierte als 13-Jährige mit Bette Midler in dem Film „Freundinnen“. Was folgte, war ein Teenagerleben im Spagat zwischen Drehen für die Serie „Blossom“ und Pauken für die Schule.

Nur mit Nachhilfe war das überhaupt zu schaffen. Dabei sei ihr aber eine Lehrerin begegnet, die sie bis heute geprägt habe: Die studierte nicht nur ein naturwissenschaftliches Fach, sondern war noch dazu eine Frau. Also hing Bialik die Schauspielkarriere zugunsten des Studiums für eine Zeit an den Nagel.

Doch auch jetzt, da sie sich wieder als „Vollzeit-Schauspielerin“ bezeichnet, pendelt Bialik zwischen ihren beiden Welten, obwohl sie nicht mehr aktiv an einer Universität lernt oder lehrt. Nun ist sie eher als Botschafterin unterwegs, denn das Thema „Frauen und Wissenschaft“ ließ sie nie los. Neben der Arbeit für der Serie hält die Schauspielerin deshalb zahlreiche Vorträge an Universitäten, um vor allem Studentinnen für eine wissenschaftliche Karriere zu begeistern. Doch auch „The Big Bang Theory“ trage einen Teil dazu bei, Hemmungen abzubauen: „Einige Frauen kommen zu mir und sagen, dass sie sich durch die Sitcom getraut hätten, ihr Ziel zu verfolgen.“

Die Serie habe insgesamt einen gewissen Wandel herbeigeführt, glaubt sie. Plötzlich sei es nicht mehr ganz uncool, in der Forschung und in Laboren zu arbeiten. Plötzlich kaufen sich „Normalos“ T-Shirts mit Gen-Helixen und kennen das Phänomen von Schrödingers Katze, das in der Sitcom häufiger erwähnt wird.

Natürlich spielen die Produzenten Chuck Lorre und Bill Prady mit vielen Vorurteilen gegenüber Wissenschaftlern. Jeder Charakter sei irgendwie nerdig, habe kleine Ticks und Macken.

Deshalb sei die Serie so witzig. Über viele Witze kann Bialik ganz selbstironisch lachen: „Ich habe meinen Ex-Mann in einem Mathekurs kennengelernt. Sehr romantisch“, fügt sie sarkastisch hinzu. Fan der „Big Bang Theory“ sei sie, weil es nicht darum gehe, die seltsamen Eigenschaften der Figuren zu ändern, sie anzupassen und dafür zu feiern. Stattdessen wird das Nerd-Leben porträtiert – inklusive ganz normaler Dinge, wie Freundschaften schließen und Dating.

Privat führe die 39-Jährige mit ihren beiden sieben und zehnjährigen Söhnen kein glamouröses Leben. „Wir wohnen nicht in Saus und Braus. Mit dem Geld zahle ich die Krankenversicherung und die Hypothek ab.“

Dass ihre Mutter Schauspielerin ist, wissen ihre Kinder zwar, die Serie sehen sie aber nicht. Das brauchen sie auch nicht. Denn ihr größtes Highlight sei sowieso, dass ihre Mutter bald als Lego-Amy erscheint. „Sie wollen meinen Kopf schon auf den Körper vom Lego-Darth-Vader setzen“, lacht sie herzlich.

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