Aachen - Vom Mittelalter bis Heute: Köln mal anders entdecken

Vom Mittelalter bis Heute: Köln mal anders entdecken

Von: Martin Thull
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Das Kölner Stadtmuseum an der Zeughausstraße: Auf dem Turm thront HA Schults Flügelauto, im Inneren führt ein tolles Ausstellungskonzept durch die Historie der Millionenmetropole am Rhein. Foto: Martin Thull
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Ford und Köln: Auch das ist Geschichte und Gegenwart. Foto: Martin Thull
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Ritterrüstungen für Mensch und Tier werden vor allem Kinder faszinieren. Foto: Martin Thull

Aachen. Klüngel, Karneval und Kölsch – die Alliteration mit dem Anfangsbuchstaben „K“ ließe sich fortsetzen über Kölnisch Wasser, Kirche und Kennedy bis Konrad (Adenauer). Das Kölnische Stadtmuseum im historischen Zeughaus bietet eine Übersicht zur Kölner Stadtgeschichte und die Eigenarten der Stadtbewohner seit dem Mittelalter.

Wobei: Diese Geschichte geht natürlich weiter zurück, bis zu den Römern mindestens. Aber diese Darstellung ist ganz überwiegend dem Römisch-Germanischen Museum vorbehalten.

Das Kölnische Stadtmuseum erzählt auf rund 2000 Quadratmetern die Geschichte der Stadt vom Mittelalter bis in die jüngste Vergangenheit. Außergewöhnliche Exponate lassen in der Dauerausstellung die politische, soziale, wirtschaftliche, kulturelle und religiöse Entwicklung der Stadt lebendig werden. Eine Besonderheit: Ein kostenlos auszuleihender Audioguide gibt knappe Informationen an einzelnen Stationen. Und wer ein entsprechend ausgestattetes Smartphone besitzt, kann über Codes diese und weitere Informationen mit nach Hause nehmen.

Dass sich der amerikanische Präsident John F. Kennedy bei den Berlinern mit dem Spruch „Ich bin ein Berliner!“ einschmeichelte, weiß die Welt. Dass er aber auch bei seinem Besuch in Köln die Seele der Rheinländer streichelte, ist weniger bekannt: „May I greet you with the old Renish saying: Koell’n Alaaf!“ Aber wozu ist ein Museum sonst da, wenn es nicht auf vergangene und manchmal vergessene Episoden aufmerksam macht?

Mag sein, dass das „Klüngeln“ eine Eigenart der Kölner ist, wahrscheinlicher ist, dass dieses Verhalten „Man kennt sich, man hilft sich“ auch an anderer Stelle zu beobachten wäre. Doch es zeigt sich, dass sogar die Ordnung des Rates der Stadt im Mittelalter dieses Klüngeln zu verhindern meinte, als sie die Amtszeit der Ratsherren auf ein Jahr beschränkte und eine Wiederwahl erst nach zwei Jahren möglich wurde. Eine Vorsichtsmaßnahme.

Zu Zeiten von Nikolaus Gulich jedenfalls hatte sie ihre Wirksamkeit verloren. Denn der inszenierte 1680 einen bewaffneten Aufstand gegen Vettern- und Günstlingswirtschaft, Bestechlichkeit, Nötigung, Erpressung und Veruntreuung öffentlicher Gelder. Nach anfänglichen Erfolgen inklusive einer Besetzung des Rathauses scheiterte die Revolte, Gulich wurde am 23. Februar 1686 enthauptet.

Im Mittelalter war Köln zeitweilig eine der größten Städte nördlich der Alpen und einer der beliebtesten Pilgerorte Europas. Konflikte zwischen den Bürgern und den herrschenden Erzbischöfen führten immer wieder zu blutigen Auseinandersetzungen. 1288 konnte sich die Stadt schließlich in der Schlacht bei Worringen von der Herrschaft des Kölner Erzbischofs lösen. 1396 errangen die Handwerker und Kaufleute die Stadtherrschaft und gaben sich mit dem „Verbundbrief“ eine zunft-demokratische Verfassung, die bis zur Besetzung der Stadt durch die französischen Revolutionstruppen im Jahr 1794 Gültigkeit behalten sollte.

Diese Informationen sind in Vitrinen aufbereitet, anschaulich und informativ. Und wer mag, der kann an der Kasse eine Art Fragebogen erhalten, mit Hilfe dessen er eine „Rallye auf den Spuren Kölner Geschichte“ absolvieren kann. Und das nicht nur für Kinder unterschiedlichen Alters (und Schwierigkeitsgrades), sondern auch für Erwachsene. Das schult den Blick und macht den Museumsbesuch besonders unterhaltsam.

Ein Knüller ist der „Werkzeuggürtel“ für junge Entdecker: mit dem dazugehörigen Heft „Meine Museums-Werkstatt“ können Kinder und Jugendliche Kölner Geschichte neu erleben. Damit auch nicht-deutschsprachige Kinder (und Kinder mit nicht-deutschsprachigen Eltern) an dieser „Werkstatt“ teilnehmen können, sind alle Texte im Begleitheft auch ins Englische, Französische, Polnische, Türkische und Italienische übersetzt worden.

Dank des umgeschnallten „Werkzeug-Gürtels“ wird der Besuch des Stadtmuseums zu einer abenteuerlichen Entdeckungsreise. An 14 ausgewählten Objekten der Kölner Stadtgeschichte warten spannende Aufgaben und Rätsel. Im „Werkzeug-Gürtel“ finden sich allerlei Hilfsmittel für die Entdecker-Tour: Von Sanduhr über Würfel bis hin zu Spielkarten und Lupe. „Jugend forscht“ einmal ganz anders. Gegen ein Pfand an der Kasse kann der Gürtel ausgeliehen werden.

Imposanter Mittelpunkt im Erdgeschoss ist eine Rittergruppe mit einem hölzernen Rüstkammerpferd. Der Rossharnisch wurde um 1500 gefertigt. Diese Pferderüstungen wurden seit dem 14. Jahrhundert zum Schutz der Tiere im Krieg und im Turnier eingesetzt. In Köln waren die Harnischmacher eine eigene angesehene Zunft. Ihr Gewerbeviertel lag an der Kolumbakirche. Hier wohnten und arbeiteten zeitweise mehr als 50 Meister. Einen Harnisch trug nicht nur der Ritter, sondern auch der Bürger. Wer in Köln Bürgerrecht erwerben wollte, musste einen Harnisch vorweisen können.

Kölner Bürger waren wehrhaft – jede Zunft war zugleich auch Schützenverein mit entsprechender Bewaffnung. Aufschlussreich auch die Vitrinen im Obergeschoss, in denen neben vielem anderen das jüdische Leben in Köln dargestellt wird. Antisemitismus gab es nicht nur zur Zeit der Nationalsozialisten, als rund 11.000 Kölner jüdischen Glaubens in die Konzentrationslager deportiert wurden. Bereits 1424 wurden erstmals alle Juden aus der Stadt vertrieben, erst unter der französischen Besatzung rund 400 Jahre später durften Juden wieder in Köln siedeln. 1856 wurde mit Spenden des Bankiers Abraham Oppenheim die erste Synagoge auf Stadtgebiet errichtet. Heute leben wieder rund 4000 Bürger jüdischen Glaubens in der Stadt am Rhein.

Köln ist Autostadt. Oberbürgermeister Konrad Adenauer konnte Henry Ford überzeugen, seine Fabrik an den Rhein zu bauen. Zuvor entstand in einem Hinterhof in Köln-Sülz ein spektakuläres Ausstellungsstück aus den Anfangsjahren der Serienfertigung, gebaut um 1901 durch die „Kölner Motorenwagen-Fabrik GmbH“. Das Äußere des Wagens erinnert noch sehr an die Form einer Kutsche. Anders als heute saßen die Fahrgäste nicht hintereinander, sondern sich gegenüber. Daher erklärt sich auch der Name des Autos: Vis-à-Vis. Die Karosserie besteht aus rot lackiertem Holz. Der im Stadtmuseum ausgestellte Vis-à-Vis ist vermutlich das einzig bekannte noch heute erhaltene Exemplar dieses Fahrzeugtyps.

Und gleich nebenan zieht ein Ford Taunus 17M die Blicke auf sich. Im Volksmund „Badewanne“ genannt, wurde er zwischen 1960 und 1964 in knapp 670.000 Exemplaren gebaut. Seine vom Windkanal geprägte, extrem glattflächige Karosserie und das wartungsfreie Fahrwerk waren für die damalige Zeit beachtliche technische Neuerungen.

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