Aachen - Vom guten Recht, sich für Menschenwürde einzusetzen

Vom guten Recht, sich für Menschenwürde einzusetzen

Von: Axel Borrenkott
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„Und wie ist es in Zimbabwe?
„Und wie ist es in Zimbabwe?”: Die Juristin Prof. Herta Däubler-Gmelin blickt weit über den deutschen Tellerrand. Foto: dpa

Aachen. Menschenwürde und Menschenrechte. Große Themen, bei denen wir gerne weit weg, nach China oder Nordafrika schauen. Herta Däubler-Gmelin, ehemalige Justizministerin und unermüdliche Rechtsstreiterin, erinnert in diesem Semester an der RWTH daran, wie kurz unsere eigene Geschichte der Menschenrechte ist und wie wachsam wir sein sollten, Menschenwürde zu verteidigen.

Vermutungen, dass die Inhaberin der diesjährigen Klaus-Hem­merle-Professur spürbar weniger Hörer anziehen würde als im Vorjahr das bekannte Plaudertalent Norbert Blüm, erledigten sich spätestens, als Zuspätkommende am Montagabend nur noch mit Mühe einen Platz im rund 200 Plätze fassenden Hörsaal des ehemaligen Heizkraftwerks erspähen konnten. Dass man dabei überwiegend graue Schöpfe im Blick hatte, gehört wohl zur Natur solcher Veranstaltungen. Immerhin rund zwei Dutzend junge Semester schrieben auffallend fleißig mit und holten wohl nach, was an Staatsbürgerkunde in der Schule versäumt oder nicht gegeben worden war.

Denn das ist es, was Herta Däubler-Gmelin in noch weiteren 13 Vorlesungen Montagsabends (ab 19.15 Uhr) bis Ende Januar anbietet: Grundlagen der Staatsbürgerkunde; was man eigentlich wissen sollte, doch nicht (mehr) alles parat hat. Mit sympathischer Routine aus langen Dozentenjahren an der FU Berlin weiß die 68-jährige Sozialdemokratin ihr Publikum über anderthalb Stunden locker schwäbelnd bei Laune zu halten: „Ich will jetzt nicht die peinliche Frage stellen, wer denn unser Grundgesetz schon einmal richtig durchgelesen hat.”

Und offenkundig, wie ihre häufigen didaktischen Nachfragen ergaben („Wer weiß denn, was eine Habeas-Corpus-Akte ist?”), ist es selbst für die älteren Hörer zum Teil noch staunenswerter Stoff wie mühsam beispielsweise die heutige Fassung des Artikels 3, Satz 2, in das Grundgesetz (GG) gefunden hat. Zur Gleichberechtigung der Geschlechter hieß es nämlich 1949 nur. „Männer und Frauen sind gleichberechtigt.”

Doch selbst dieser Satz musste den „Vätern des Grundgesetzes” noch mit öffentlichem Druck abgerungen werden - von einer der vier „Mütter” des Grundgesetzes: Elisabeth Selbert. Sie hatte dafür gesorgt, dass der Parlamentarische Rat buchstäblich Waschkörbe voller Forderungen nach Gleichberechtigung bekam. Es dauerte aber noch bis 1994, bis der Gesetzgeber selber für den nötigen Druck und diese Ergänzung von Artikel 3 sorg- te. „Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.”

Bei aller Einverständlichkeit, die die Professorin mit ihrem Publikum herstellt, in wohliger Gemütlichkeit lässt sie es nie. „Bei uns in Deutschland wird man in der Regel nicht mehr auf der Polizeiwache zusammengeschlagen - wenn man nicht gerade Schwarzafrikaner ist.” Mit solchen Sätzen sollte man schon rechnen, wenn man sich auf die Welt-Menschenrechtlerin einlässt.
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