Volle Wucht des Strafrechts für Aachener Messermörder

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen. Lebenslange Haft, die ausdrückliche „Feststellung der Schwere der Schuld” und Sicherungsverwahrung forderte am Donnerstag Staatsanwältin Selma Stehl für den wegen Mordes angeklagten Aachener Sascha M. (27).

Das ist das ganze Register von Maßnahmen, die das Strafrecht für eine schwere Mordtat bereit hält.

Der Fall von Sascha M., der seit Anfang Dezember vor dem Aachener Schwurgericht verhandelt wird, ging am Donnerstag nach einigen juristischen Scharmützeln auf die Zielgerade.

Die Tat: Sascha M. hat zugegeben, am Abend des 22. April 2008 einen 65-jährigen Rentner in seiner Wohnung in der Aachener City mit zahlreichen Messerstichen getötet zu haben.

Zusammen mit der Mitangeklagten Fatma L. (33), einer Gelegenheitsprostituierten und Bekannten des Opfers, wollte M. Geld für Drogen erpressen, der 27-Jährige hatte gerade eine langjährige Jugendstrafe wegen einer gleichartigen Tat - begangen an einem Aachener Kioskbesitzer vor etwa zehn Jahren - abgesessen.

Die Staatsanwältin charakterisierte den Angeklagten als einen brutalen Wiederholungstäter, der ebenso „dissozial” wie „labil und aggressiv” sei, wenn es um die Durchsetzung seiner momentanen Bedürfnisse gehe.

Dem Tatplan zufolge hätten seine Freundin und er von dem Rentner die Pin seiner EC-Karte erpressen wollen, um Geld für Drogen zu bekommen. Als das Opfer sich wehrte, sei es im Bad zu den brutalen und tödlichen Stichen gekommen.

Im vorliegenden Verfahren sei gerade das Schicksal des Opfers zu kurz gekommen. Der Getötete habe ein freundschaftliches Verhältnis zur Mittäterin unterhalten.

Sie sei zur „Mittäterin” bei dem „Mord aus Habgier” geworden, habe allerdings unter Drogen gestanden. Die Staatsanwältin forderte für die 33-Jährige 14 Jahre Haft.

Dass sein Mandant in den medizinisch-psychiatrischen Gutachten für voll schuldfähig gehalten wurde, brachte Verteidiger Rainer Dietz auf die Palme.

M. sei ebenfalls stark drogensüchtig und auch am Tattag mit einem Drogenmix vollgestopft gewesen, „der bei mir wahrscheinlich tödlich wäre”.

Trotzdem sei die Sachverständige darüber hinweg gegangen, ebenfalls über frühere Gutachten, die eine hirnorganische Veränderung des Täters feststellten, Dietz beantragte neben einer Bestrafung die Anordnung einer Drogentherapie.

Der Verteidiger von Fatma L., Thomas W. Polhammer, forderte eine Bestrafung wegen Beihilfe zum Totschlag, das Strafmaß blieb offen. Das Urteil wird am Dienstag, 11 Uhr, gesprochen.
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