Aachen/Wassenberg - Vier junge Neonazis und ein versuchter Totschlag

Vier junge Neonazis und ein versuchter Totschlag

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:

Aachen/Wassenberg. Drei junge Männer im Alter von 16, 18 und 24 Jahren sind seit Freitag wegen versuchten gemeinschaftlichen Totschlags und gefährlicher Körperverletzung vor der Großen Jugendkammer am Aachener Landgericht angeklagt. Die 27-jährige Ehefrau des Älteren der drei muss sich wegen Anstiftung zum gemeinschaftlichen Totschlag und Körperverletzung verantworten.

Der 24-jährige Stefan S. soll das 48-jährige Opfer zunächst beschimpft und dann mit einer Bierflasche ins Gesicht geschlagen haben, bis sie zerplatzte. Als das Opfer danach benommen am Boden lag, hätten sich alle drei Männer auf ihn gestürzt, ihn auf den Kopf geschlagen und heftig getreten.

Das aus Heinsberg und Wassenberg stammende Quartett wird der rechten Szene um die seit August 2012 verbotene neonazistische „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL) zugeordnet und soll vor der Tat abends am 28. September 2011 in einem Jugendheim am Wassenberger Kahnweiher lautstark Mitglieder für die in Stolberg beheimatete KAL angeworben haben. Bei Gesprächen mit Jugendlichen sollen sie Naziparolen wie „Sieg heil“ und „Heil Hitler“ geäußert haben, hieß es in der Anklageschrift.

Als sich eine Außenstehende darüber ereiferte und sich einmischte, sei es zunächst zu einem Disput zwischen der 27-jährigen Nicole S. und der Frau gekommen. S. habe der Frau „einen schmerzhaften Schlag ins Gesicht“ versetzt, hieß es vor der Kammer unter Vorsitz von Richter Gerd Nohl. Dann habe sich der 48-Jährige eingemischt, um die beiden Frauen auseinanderzubringen. Es gab ein Handgemenge, dessen Ende der brutale Angriff auf das Opfer war.

Als sich die Männer auf ihn stürzten, habe Nicole S. geschrien, sie sollten „den Penner plattmachen“, hieß es in der Anklageschrift. Dem jüngsten Angeklagten, der zur Tatzeit noch 15 Jahre alt war, werden in einer Zusatzanklage weitere Straftaten vorgeworfen. Danach soll er im Dezember 2011 in einem Linienbus Naziparolen verbreitet und Gleichaltrige mit Waffen wie einem sogenannten Totschläger bedroht haben. „Wenn du nicht die Klappe hältst, mach ich dir eine Kugel rein“, habe er bei seinem Angriff gedroht. Der Prozess geht am Freitag mit Einlassungen der Angeklagten weiter.

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