Vielfalt bei NRW-Feier: „Mir han dadursch so viel jewonne”

Von: Martin Oversohl und Ulrike Hofsähs, dpa
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Ein als Baum verkleideter Künstler auf dem Stand des Landesbetriebs Wald und Holz NRW. Foto: Maja Hitij/dpa
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Vom Rheinturm in Düsseldorf strahlte eine Lichtinstallation mit über 50 Strahlern von zusammen 440.000 Watt. Foto: Maja Hitij/dpa

Düsseldorf. Die Maus schwitzt, der Drache auch und dem Musketier laufen die Schweißperlen über die Stirn. Als Maskottchen hat man es schwer unter der brennenden Sonne beim Düsseldorfer NRW-Fest. Aber auch Besucher und Künstler hatten mit dem Wetter zu kämpfen: Denn die Feier zum 70. Geburtstag von Nordrhein-Westfalen in der Landeshauptstadt Düsseldorf fiel auf eines der heißesten Wochenenden des Jahres.

Bei Temperaturen von mehr als 30 Grad zogen Scharen von Besuchern meist im Schatten von Bäumen und Info-Ständen durch die Partyzone von Düsseldorf. Die Rettungsdienste mussten immer wieder denen helfen, die zu lange in der Sonne geblieben waren.

Wer den schweißtreibenden Temperaturen trotzte, bekam das große Nordrhein-Westfalen als dreitägiges Riesenstraßenfest geboten - zum Anfassen, Zuhören und Mitmachen. Im Landtag wurde getanzt, Minister ließen sich von Schülern interviewen. Rund um den Fernsehturm drehten sich historische Karussells, die „Kö” wurde zur Schlemmermeile und am zentralen Burgplatz lautstark Musik gemacht. Beim Konzert der Band Culcha Candela war der Platz voll. Am Sonntag trotzte die Menge dem Orchester der Landesregierung eine Zugabe ab.

„Die haben tolle Sachen da!”, sagt eine Mutter beim Verlassen des Festes. Ihre beiden Kinder tragen stolz Luftballons in Form eines Regionalzugs. „Aber es ist einfach zu heiß”, ruft die Frau noch, und schon sitzt die Familie in der Straßenbahn auf dem Weg nach Hause. Eine 73-jährige Düsseldorferin interessiert sich vor allem für die vielen Chöre, die am NRW-Tag auftreten. Wie lange sie bleibt? „Solange ich das mit der Hitze ertragen kann!”

An beiden Ufern des Rheins reihten sich wie Perlen an einer Schnur die schneeweißen kleinen Zelte auf, in denen Verbände und Regionen für sich warben. Wann stellt sich ein Gefängnis auf einem Bürgerfest vor? Die JVA Düsseldorf tat es. Ein Gefängnisbus, mit dem Häftlinge transportiert werden, war offen zur Besichtigung. Der sieben Jahre alte Felix will am Sonntag mehr wissen. „Was macht ihr, wenn der Bus einen Unfall hat?”, fragt er, die Hände in die Hüfte gestemmt. Der Justizvollzugsbeamte Lothar Kohrt antwortet: Dann rufe man die Polizei. „Die Kleinen fragen erstaunlich gezielt”, ist seine Bilanz.

Rund eine Million Besucher wollten Land und Stadt Düsseldorf an den drei Tagen des NRW-Festes zum Feiern bringen. Wegen der Hitze kamen aber weniger als erwartet. Die Veranstalter schätzten in ihrer Abschlussbilanz, dass es etwa 600 000 Besucher waren.

Auch Ministerpräsidentin Hannelore Kraft konnte nicht wie geplant ihre tänzerischen Fähigkeiten unter Beweis stellen. Eine Tanzwette musste wegen der Hitze kurzfristig abgesagt werden. „Das ist vernünftiger so, es ist einfach zu heiß”, sagte Michael Buch von der Stadt Düsseldorf. Kraft und Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel (beide SPD) wollten eigentlich Besucher zum Tanzen animieren. Mindestens 728 von ihnen sollten das Tanzbein schwingen, so viele Jahre alt ist Düsseldorf. Dagegen gewettet hatte der vielfache, aus der Show „Lets dance” bekannte Tanzweltmeister Michael Hull.

Kardinäle bekommen nicht oft Applaus für ihre Predigten. Anders beim NRW-Tag: Kölns Kardinal Rainer Maria Woelki erinnerte an die Anfänge in Trümmern und die Unterschiede in NRW. Eifel, Westfalen, Rheinland und Ruhrgebiet waren vor 70 Jahren zusammengefasst worden. Woelki zitierte aus einem Kölner Karnevalslied: „Mir han dadursch so viel jewonne”. Und erntete spontan Beifall im ökumenischen Gottesdienst.

Ministerpräsidentin Kraft gewann der spätsommerlichen Hitze auch gute Seiten ab. „Es ist gut, dass es so trocken ist. Aber ein paar Grad kühler wären auch in Ordnung gewesen.” Das Fest sei so geworden, wie sie es sich vorgestellt habe. „Die Leute genießen es, sie sind gut drauf und sie haben genug zu trinken dabei!”

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