Viele sind zu Beginn ihres Studiums schlicht überfordert

Von: Isabelle Hennes
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Studenten verfolgen eine Vorlesung. Foto: dpa

Aachen. Eine Matheklausur mit 4.0 an der RWTH bestanden zu haben, ist für viele Studenten ein guter Grund dafür, eine Kneipentour auf der Pontstraße zu starten. Durchfallquoten von weit über 50 Prozent sind in manchen Fächern die Regel. Das soll sich ändern.

 Deshalb hatte der Deutsche Hochschulverband zur Podiumsdiskussion „Durchfall- und Abbrecherquoten im Studium“ kürzlich ins Super C eingeladen.

Aloys Krieg, Prorektor für Studium und Lehre, formulierte gleich zu Beginn das Ziel, in fünf Jahren 75 Prozent der Studenten zum Abschluss führen zu wollen. Ein ehrgeiziges Ziel – vor allem, weil immer mehr Studenten an die Hochschule strömen, dadurch eine immer heterogenere Gruppe entsteht und jeder von ihnen unterschiedliche Qualifikationen mitbringt. Das solle nicht heißen, dass die Studenten nicht geeignet wären. Krieg: „Wir haben kein Qualitätsproblem, sondern ein Quantitätsproblem.“ Fest stehe aber auch, dass man ohne den Dreisatz zu beherrschen kein Mathelehrer werden könne. Mathematik sei außerdem nach wie vor das Hauptproblem bei den Ingenieurwissenschaften.

Laut einer Studie des Hochschul Informations Systems brechen 47 Prozent der Informatikstudenten ihr Bachelor-Studium ab. Ein entscheidendes Instrument, um das zu verhindern, sei das Mentoring. Manfred Nagl, Mentor im Fach Informatik, formulierte die Ziele des Mentorings: Es soll den Einstieg ins Studium begünstigen, eine Bindung zum Fach erzeugen und vor allem den Wechsel von der Schule zur Hochschule erleichtern. Aber das Programm ist nicht verpflichtend. Wer nach einer bestimmten Semesterzahl nicht Zweidrittel der Credit-Points erreicht hat, bekommt lediglich die Einladung für ein Gespräch. Und so nehmen diejenigen, die es vielleicht am ehesten brauchen, gar nicht daran teil. Da müsse die Politik der Hochschule mehr Rechte einräumen, forderte Krieg.

Viele Studenten, das ist auch die Erfahrung von Studienberater Wolfgang Loggen, wären schlicht mit der Situation überfordert, die der Beginn eines Studium mit sich bringt. Sich und sein Leben in einer vollkommen neuen Umgebung plötzlich alleine organisieren zu müssen, sich dazu noch im fremden Hochschul-Dschungel zurecht finden zu müssen – daran können junge Menschen scheitern. G8 verschärfe dieses Problem noch, weil die Studenten immer jünger würden. Hinzu komme, dass sich Eltern für ihre Kinder über das Studienfach informieren, weil neben der Schule oftmals keine Zeit mehr dafür bleibe.

Dieser schon in der Schule einsetzende Druck setzt sich im Studium fort. Denn schließt ein Student sein Studium ab, bekommt die Uni Geld vom Land: rund 3000 Euro pro Absolvent. Schafft er es in der Regelstudienzeit, kassiert die Hochschule doppelt. Aus dem Plenum kam der Hinweis, dass psychologisch bedingter Stress nicht ausbleibe, solle das Studium zügig abgeschlossen werden. „Elf statt 16 Semester für ein komplettes Studium sind nicht umsonst zu haben.“ Druck entstehe auch wegen der Zwangsanmeldung zu Klausuren. Im vergangenen Jahr gab es 19 000 Krankmeldungen, um diesem Zwang auszuweichen. Krieg zeigte sich einsichtig: „Das Schlimmste, was ich einem Studenten mitteilen musste, war, dass er in der Zwischenprüfung durchgefallen ist. Er war fünf Jahre bei uns und hatte am Ende nichts. Das müssen wir unbedingt verhindern.“ Das könne man nur erreichen, wenn man ehrlich miteinander umgehe. Dazu zähle, klar zu sagen, dass ein Student des Georessourcenmanagements hin und wieder mit Gummistiefeln durch den Wald stapfen muss. Und dass die Welt der Hochschule nicht für jeden etwas ist. Auch ein Studienabbrecher kann seinen Weg gehen.

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