Viele Erzieherinnen leiden unter Job

Von: Gerald Eimer
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Große Streikbereitschaft auch in Aachen: Rund 80 Erzieherinnen legten dort gestern die Arbeit nieder, um den Forderungen nach einem Gesundheitstarif Nachdruck zu verleihen. Bundesweit sollen sich rund 19.000 Menschen an den Warnstreiks beteiligt haben. Für viele Eltern könnte schon nächste Woche die Kinderbetreuung ungewiss sein. Foto: Harald Krömer

Aachen. Der Mittwoch könnte für viele Eltern ein erster Vorgeschmack auf das gewesen sein, was ihnen ab Mitte Mai bevorsteht: Dann könnten bundesweit zahlreiche Kitas über einen längeren Zeitraum geschlossen bleiben.

Um der Forderung nach besseren Arbeitsbedingungen im Sozial- und Erziehungsdienst Nachdruck zu verleihen, hatte die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi zu einem Warnstreik aufgerufen. An dem haben sich nach Gewerkschaftsangaben rund 19.000 Beschäftigte beteiligt. Die Schwerpunkte lagen vor allem in den Landeshauptstädten, aber auch in Aachen blieben am Mittwoch acht Kindertagesstätten geschlossen.

Gut 500 Kinder mussten somit alleine in Aachen anderweitig betreut werden. Natürlich wisse man, dass der Warnstreik den Eltern Probleme bereitet, sagt Carola Hoch, Verdi-Mitglied und stellvertretende Personalratsvorsitzende bei der Stadt Aachen. Einige hätten gefragt, „wohin mit meinem Kind?”, die meisten aber hätten Verständnis für die Belange der Erzieherinnen gezeigt.

Im Vordergrund stehen die Forderungen nach einem sogenannten Gesundheitstarifvertrag. „Wir wollen, dass das Personal in den Kitas gesund bleibt”, sagt Gewerkschafterin Hoch, die von einer zunehmend größer werdenden Belastung spricht. Auffallend sei die hohe Zahl der Langzeiterkrankten. Die Stadt selbst kann diese Angaben noch nicht bestätigen, weil die Auswertung einer Untersuchung noch nicht vorliege, teilte ein Sprecher auf Anfrage mit.

Nach Gewerkschaftsangaben sind Rückenprobleme durch das Tragen kleiner Kinder, aber auch wegen des Sitzens auf Kinderstühlen an der Tagesordnung. Immer häufiger litten Erzieherinnen auch unter Kopfschmerzen, an Tinnitus, hervorgerufen durch Lärm und Stress, an Schlafstörungen oder am Burnout-Syndrom. Nur noch 27 Prozent aller Erzieherinnen können sich laut einer von Verdi in Auftrag gegebenen Studie vorstellen, bis zur Rente in ihrem Beruf zu arbeiten.

Für Verdi-Gewerkschaftssekretär Viktor Petje ist das ein klares Signal, dass die Einrichtungen mehr Personal benötigen und bessere Rahmenbedingungen für die Arbeit geschaffen werden müssen. Denn die Anforderungen werden höher.

Kleinkinder müssen nicht nur gewickelt und umsorgt werden, erwartet wird auch die individuelle Förderung von Kindern, die gezielte Vorbereitung auf die Schule und nicht selten auch eine fachkundige Beratung der Eltern. Vor diesem Hintergrund bereiteten am Mittwoch alleine in Aachen rund 80 Erzieherinnen weitere Protestaktionen vor, um den Druck zu erhöhen. „Die Arbeitgeber verdrängen das Problem”, meint Gewerkschafterin Carola Hoch.

Dieser Darstellung widersprach die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA). „Verantwortungslos und inhaltlich absurd” nennt VKA-Hauptgeschäftsführer Manfred Hoffmann das Vorgehen von Verdi. „Wir haben uns dem Thema nicht verschlossen, sondern zugesagt, uns in der nächsten Verhandlungsrunde am 27. Mai zu äußern.” Gerade berufstätige Eltern würden vor gravierende Schwierigkeiten gestellt, für Kinder bedeute dies ebenfalls eine Belastung.

Doch die Leidensfähigkeit der Erzieherinnen scheint ausgereizt zu sein. Sollten die Arbeitgeber nicht zu Zugeständnissen bereit sein, so die Aachener Erzieherin Ulrike Timmers am Mittwoch, werde sie bei der am Donnerstag beginnenden Urabstimmung für einen längerfristigen Streik stimmen.
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