Video-Projekt: Aachener schaut den Berliner Straßen ins Gesicht

Von: ger
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Es gibt Obdachlosen eine Stimme: das Projekt „Streets of Berlin“.
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Er startete das Projekt „Streets of Berlin“: Omid Mirnour führt Interviews mit Berliner Obdachlosen. Foto: Daniel Gerhards

Aachen/Berlin. Als Omid Mirnour für sein Studium von Aachen nach Berlin gezogen ist, sammelte er viele neue Eindrücke. Viele positive, die Stadt sei für ihn unheimlich inspirierend. Aber auch einige negative. Er war zum Beispiel erschüttert, wie groß die Armut in der Hauptstadt ist.

„In Aachen habe ich nie so viele Obdachlose gesehen“, sagt Omid Mirnour. „Ich habe mich gefragt, wie es dazu kommt.“

Aus dieser Frage entwickelte er das Videoprojekt „Streets of Berlin“, in dem er Menschen, die auf der Straße leben, zu Wort kommen lässt. „Ich wollte den Leuten ein Medium zur Verfügung stellen“, sagt er. Er unterhält sich dafür mit Obdachlosen und nimmt die Gespräche mit der Videokamera auf. Die fertigen Filme stellt er auf der Videoplattform Youtube und im sozialen Netzwerk Facebook ein. Sie sollen keine Dokumentation sein. Die Obdachlosen können frei über Themen sprechen, die ihnen wichtig sind. „Ich will der Straße ins Gesicht schauen“, sagt er.

Bei privaten TV-Sendern würden „Menschen aus ärmeren Verhältnissen oft vorgeführt“. Mirnour will das Gegenteil machen, ihnen eine Plattform bieten. Weil sonst keiner zuhöre. Das mache er spontan, ohne vorbereitete Fragen.

Omid Mirnour hat sein Projekt im August 2013 begonnen. Er ging einfach auf die Straße und redete mit Obdachlosen. „Ich war überrascht, wie viel die mir vor laufender Kamera erzählt haben“, sagt Mirnour. Mittlerweile beteiligen sich rund 20 Leute an dem Projekt. Bisher habe er rund 50 Videos produziert.

Darin reden die Obdachlosen über ihr Leben, ihren Weg in die Drogensucht, die Zustände in Notunterkünften und der Bahnhofsmission. Manchmal reden sie auch über Musik oder Weltpolitik. Und das geht Omid Mirnour manchmal nahe: Ein Interviewpartner erzählte, dass er am Berliner Bahnhof Zoo auf den Strich geht. Er ist genauso alt wie Omid Mirnour. „Das war schon krass“, sagt er. „Man denkt automatisch über sein eigenes Leben nach.“

Omid Mirnour hat den Umgang mit seinen Interviewpartnern als sehr angenehm in Erinnerung. „Die sind wirklich alle sehr nett zu mir“, sagt er. Bei einem seiner ersten Interviews habe das Gespräch fast vier Stunden gedauert. „Der Mann hat mir auch gleich den nächsten Interviewpartner vorgestellt. Das war schon sehr nett“, sagt Mirnour.

Eine abschließende Antwort auf seine Ausgangsfrage, warum es in Berlin so viele Obdachlose gibt, hat Omid Mirnour noch nicht gefunden. Aber familiäre Probleme spielten oft eine Rolle: „Wenn da etwas zu Bruch geht, kann es ruckzuck gehen“, sagt er. Bei den meisten Obdachlosen habe es Probleme in der Familie gegeben.

Alle Videos von Omid Mirnour gibt es bei Youtube (Kanal: Streets of Berlin) und Facebook (www.facebook.com/berlinstreets).

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