Vicky Leandros folgt dem Ruf des AKV

Von: Thorsten Karbach
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Ungewöhnliche Gäste: Vicky Leandros kommt zur Verleihung des Ordens wider den tierischen Ernst. Foto: dpa/Jan Woitas
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Der Illusionist Hans Klok. Foto: dpa/Britta Pedersen

Aachen. Sie hat 55 Millionen Alben in 55 Ländern verkauft. Ihre Musik ging um die Welt, am 23. Januar kommt die unermüdlich tourende Vicky Leandros nach Aachen, wenn im Eurogress der Orden wider den tierischen Ernst durch den Aachener Karnevalsverein (AKV) an den bayerischen Finanzminister Markus Söder (CSU) verliehen wird.

Ob die 63-jährige Leandros auch auf der Bühne steht und singt, ist noch nicht hundertprozentig sicher, aber doch sehr wahrscheinlich. Offiziell sagt AKV-Präsident Werner Pfeil: „Wir freuen uns, sie als Gast begrüßen zu dürfen. Die Gespräche über einen Auftritt laufen, und es gibt gute Anzeichen, dass sie erfolgreich enden.“

Tatsächlich müsse sie natürlich ins Programm passen. Weil Leandros sich seit Jahren für Integration in vielen Facetten engagiert, und das Thema Integration bei der 66. Ordensverleihung eine zentrale Rolle spielen wird, dürfte dies einem Auftritt nicht im Wege stehen. Es ist gewiss die Überraschung im vorläufigen Programm der Ordensverleihung, die am 25. Januar als Aufzeichnung in der ARD (ab 20.15 Uhr) ausgestrahlt wird.

Chanson, Pop, Soul, Schlager und Folklore – Vicky Leandros, als Vassiliki Papathanasiou auf Korfu geboren, mag für vieles stehen. Doch für Karneval? Tatsächlich hat Leandros bereits Erfahrungen in diesem Metier: Sie stand bereits bei der Rosa-Sitzung, einer schwul-lesbischen Sitzung im Kölner Karneval, auf der Bühne. „Ich finde Karneval großartig und feiere es jedes Jahr. In Griechenland ist es auch eine große Tradition“, sagt sie unserer Zeitung.

Und Beziehungen nach Aachen gibt es auch schon: Vicky Leandros war schon als Gast Hermann Bühlbeckers beim CHIO in der Soers. Bühlbeckers Firma Lambertz ist zufälligerweise einer der Hauptsponsoren des Aachener Karnevalsvereins. Eine zweite Verbindung führt zur Leiterin des AKV-Balletts. Maria Athena Saacke hat in der Vergangenheit bei Vicky Leandros Shows getanzt.

Die Liste der Hits, die Leandros in ihrer langen Karriere landete, ist lang. Einer jedoch sticht heraus: Mit „Theo, wir fahren nach Lodz“ landete sie an der Spitze der deutschen Charts. Es war ein Lied für die Ewigkeit. Erstmals gesungen hat sie es 1974 – dem Jahr, in dem Außenminister Walter Scheel mit dem Orden wider den tierischen Ernst ausgezeichnet wurde. Der Liberale wurde im gleichen Jahr Bundespräsident.

Apropos FDP: Auf der Liste der politischen Redner bei der Ordensverleihung 2016 steht bislang die Vorsitzende der Hamburger FDP-Fraktion, Katja Suding. Mehr oder weniger berühmt wurde die 40-Jährige vor einem Jahr: Die „Tagesschau“ berichtete vom Dreikönigstreffen der FDP und zeigte einen erstaunlich langen Schwenk über Sudings Beine – was eine Sexismusdebatte auslöste. Suding selbst – die unter dem Slogan „Unser Mann für Hamburg“ in den Bürgerschaftswahlkampf ging –zeigte sich schlagfertig. Kein Wunder: Die Frau ist leidenschaftliche Kickboxerin. Austeilen sollte sie können – auch in der AKV-Bütt?

Sie ist nicht das einzige neue Gesicht aus politischen Reihen. Für Cemile Giousouf (37) wird es zumindest eine Art Heimspiel. Giousouf ist die Integrationsbeauftragte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und war die erste muslimische CDU-Direktkandidatin für den Bundestagswahl. Sie mag ihren Wahlkreis 138 „Hagen – Ennepe-Ruhr-Kreis“ verloren haben, die gebürtige Leverkusenerin zog aber über die Landesliste NRW in den Bundestag ein. Der Weg von Leverkusen nach Hagen führte sie dabei über Aachen. Die Christdemokratin war Mitglied in der Bezirksvertretung Aachen-Mitte sowie im Sozialausschuss der Stadt und Vorstandsmitglied der örtlichen Frauen-Union.

Hatte der designierte Ritter Markus Söder (49) im Vorfeld mit seinem Tweet „Paris ändert alles“ für viel Wirbel und einige Absagen Prominenter (etwa der Grünen-Politiker Cem Özdemir und Anton Hofreiter, der ursprünglich sogar auftreten sollte, sowie der Fraktionsvorsitzenden der Linken, Sahra Wagenknecht) und Auftretender („4 Amigos“) gesorgt. Der AKV hielt aber an seinem umstrittenen Ritter fest.

So dürfte insbesondere der Auftritt Giousoufs als Integrationsbeauftragter mit Spannung erwartet werden. Denn dass Söder die Terroranschläge in der französischen Metropole mit der Flüchtlingsfrage in Europa direkt in Zusammenhang brachte, dürfte bei der AKV-Sitzung nicht unkommentiert bleiben. Gewiss auch nicht von Aiman Mazyek (46), dem Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime in Deutschland, einem weiteren prominenten Redner der Ordensverleihung.

Wie Giousouf stand auch Mazyek noch nicht auf der AKV-Bühne und hat – eine weitere Parallele – gute Kontakte in die Region. Der Mann mit syrischen Wurzeln ist in Aachen geboren, war Vorsitzender und Bürgermeisterkandidat des FDP-Stadtverbandes Alsdorf. Beide verbindet das Thema Integration, insbesondere Mazyek hat sich mit klaren Worten wiederholt öffentlich profiliert. Auch im Karneval, als er im vergangenen Jahr die Entscheidung, einen Mottowagen zum Anschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ aus dem Kölner Rosenmontagszug zurückzuziehen, kritisierte.

Der AKV-Präsident hofft

Solche Redner wecken große Hoffnungen in AKV-Präsident Pfeil: „Wir werden eine sehr aktuelle Sitzung erleben. Integrationen ist eines der Hauptthemen in unserer Gesellschaft, es darf auch im Karneval nicht ausgespart werden. Der Karneval kann hier eine integrative Funktion haben.“

Integration ist nicht zuletzt das Thema von Abdelkarim (34). Er ist als Kind marokkanischer Einwanderer in Bielefeld geboren, das Leben als Migrant in Deutschland ist wesentlicher Bestandteil seines Programms, für das er zuletzt als Senkrechtstarter beim Bayerischen Kabarettpreis ausgezeichnet wurde – in Söders Heimat. Außerdem wieder dabei sind aus der Riege der TV-Profis: Markus Maria Profitlich als „Kaiser Karl“, Guido Cantz, Ingo Appelt und zum zweiten Mal der Aachener Newcomer Malte Pieper.

Den Karneval der Region vertreten neben Prinz und Märchenprinz samt Hofstaat und Garden, Hastenraths Will (Christian Macharski aus Erkelenz), die Kinder der KG Koe Jonge Richterich, die mit dem Zentis-Kinderpreis belohnt werden, das Tanzsportzentrum Aachen, die AKV-Schautanzgruppe und Dirk von Pezold, der seine Paraderolle als Lennet Kann diesmal an der Seite der Combo Öcher Originale zum Besten gibt. Die Laudatio hält die Vorjahresritterin, Saarlands Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU). Einen Auftritt wird es zudem von Ritterin (2008) Gloria von Thurn und Taxis geben.

Moderiert wird die AKV-Sitzung erneut von AKV-Vizepräsident Rolf Gerrards, AKV-Präsident Pfeil und ARD-„Tagesschau“-Sprecher Jens Riewa. Der muss sich übrigens keine Sorgen wegen Katja Suding machen: Als deren Beine gezeigt wurden, moderierte die ARD-Kollegin Susanne Daubner die Nachrichtensendung.

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