Verzweifelte Studenten in Aachen auf Wohnungssuche

Von: Philine Lietzmann, ddp
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Immer mehr Studenten zieht es in ausländische Universitäten. Foto: ddp

Aachen/Düsseldorf. Kurz vor Beginn des Wintersemesters sind nur noch wenige Studentenwohnungen in den nordrhein-westfälischen Universitätsstädten frei. Vor allem in Aachen gibt es kaum noch freie Zimmer in den Wohngemeinschaften oder Einzimmer-Appartements, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur ddp in mehreren Städten ergab.

Auf öffentlich geförderte und damit oft billigere Wohnheimplätze der Studentenwerke sollten angehende Studenten nirgendwo mehr hoffen. So stehen nach Angaben des Deutschen Studentenwerks in NRW nur für 12,5 Prozent der Studenten solche Plätze zur Verfügung. Fast alle von ihnen sind offenbar bereits belegt.

„Bei uns in Aachen stehen beinahe täglich wohnungssuchende Studenten im Büro, die nicht mehr weiterwissen”, berichtet Karina Behrensen, Sprecherin des Allgemeinen Studierenden-Ausschusses (AStA) der RWTH Aachen.

Kurz vor Semesterbeginn sei es immer sehr schwierig, etwas zu finden. Wohnungen, die am Schwarzen Brett des AStA ausgehängt würden, seien innerhalb von Minuten vermietet.

„Gerade Erstsemester nehmen, was sie kriegen können”, sagt Behrensen. Einige müssten zunächst bei Kommilitonen unterkommen, bis sie etwas eigenes gefunden hätten.

„Im Prinzip findet man in Münster gut eine Wohnung, zu diesem Wintersemester ist es schwierig”, sagt auch Uwe Warda von der Wohnbörse des AStA der Universität Münster.

Da die neuen Bachelor- und Masterstudiengänge meistens zum Wintersemester anfingen, sei der Andrang auf Wohnungen sehr groß. „Es verschärft die Situation, dass viele erst anfangen zu suchen, wenn sie sich einschreiben. Panische Leute habe ich in diesem Semester aber noch nicht gesehen”, sagt Warda. Noch obdachlose Studenten beruhigt er: „Ein Zimmer irgendwo am Stadtrand bekommt man immer.”

Auch in Köln ist die Wohnsituation immer sehr angespannt, wie die Sozialreferentin des AStA der Universität Köln, Fabienne Mainz, sagt. Mit durchschnittlich 330 Euro lägen die Mieten weit über dem bundesweiten Durchschnitt.

Der freie Wohnungsmarkt biete zwar genügend Wohnungen, jedoch trieben beispielsweise unerwartet hohe Nebenkosten-Nachzahlungen die Preise in die Höhe. Deshalb seien Wohnungen in den öffentlichen Wohnheimen sehr beliebt, sagt Mainz.

Das Studentenwerk Köln versorgt allerdings nach eigenen Angaben nur 7,6 Prozent aller eingeschriebenen Studenten mit Wohnheimplätzen. „Im landesweiten Vergleich stehen wir da nicht so gut”, räumt die Sprecherin der Studentenwerke, Cornelia Gerecke, ein.

Für das kommende Semester seien daher bereits alle 4600 Plätze belegt. Die Wohnheimzimmer des Studentenwerks Dortmund sind auch schon belegt. Dennoch sei die Wohnungssituation entspannt, sagt Hagen Dorgathen vom AStA der Universität Dortmund. „Es ist halt so, dass man jetzt Abstriche machen muss”, meint er. Mit Kaltmieten von fünf Euro pro Quadratmeter sei Dortmund im Gegensatz zu anderen Städten als Wohnort für Studenten noch erschwinglich.

Anders ist die Situation in Bonn: „Wer Kohle hat, hat kein Problem”, meint Jan Baumeister vom AStA der Uni Bonn. „Bonn ist ein teures Pflaster. Da sind in Uni-Nähe Kaltmieten von zehn Euro pro Quadratmeter keine Seltenheit.”

Vor allem Lage und Ausstattung seien ausschlaggebend für die Höhe der Miete. In der ehemaligen Bundeshauptstadt verzweifelten vor Semesterbeginn regelmäßig einige Studenten bei ihrer Wohnungssuche.

Wer in Düsseldorf eine Bleibe sucht, braucht ebenfalls einen gut gefüllten Geldbeutel. „Die Durchschnittsmieten hier sind sehr hoch, bis zu 350 Euro für ein kleines Zimmer”, berichtet Julius Hagen, Sozialreferent des AStA der Heinrich-Heine-Universität.

Die Wohnheime seien zudem im Moment wegen Renovierungsarbeiten nur eingeschränkt nutzbar. So hätten vor allem ortsfremde Erstsemester Probleme bei der Wohnungssuche.

„Kurz- und mittelfristig suchen sich viele Studenten außerhalb eine Wohnung”, sagt der Sozialreferent.

Immer beliebter werde außerdem das generationsübergreifende Wohnen, bei dem Studenten mit Senioren zusammenwohnen und für niedrige Mieten im Haushalt helfen, berichtet Hagen.

Im vergangenen Jahr hatten sich laut Statistischem Landesamt 72.900 Studenten zum Wintersemester neu eingeschrieben. Aktuelle Zahlen sind dem Wissenschaftsministerium NRW derzeit noch nicht bekannt.
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