Veruntreuung: Ex-Anwältin gesteht Taten ein

Von: Wolfgang Schumacher
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Der Ex-Anwältin aus Aachen wird vorgeworfen, etwa ab 2007 über Jahre hinweg Mandanten um ihr Geld betrogen zu haben.

Aachen. „Machen sie sich die Erklärung ihrer Verteidiger zu eigen?“ fragte der Vorsitzende Richter der 5. Großen Strafkammer, Roland Klösgen, die Angeklagte Maria B.. „Das war wohl so, ja“, antwortete die ehemalige Strafverteidigerin leise. Deutlich ist die 55-Jährige gezeichnet von dem Verfahren, in dem pro Verhandlungstag – es ist der 21. Tag – zumeist nur zwei Stunden verhandelt wird.

Der Ex-Anwältin aus Aachen wird vorgeworfen, etwa ab 2007 über Jahre hinweg Mandanten um ihr Geld betrogen zu haben. Nach der Logik eines Schneeballsystems habe sie immer wieder ihr anvertraute Mandantengelder, seien es erschlichene Honorare oder für juristische Zwecke hinterlegte Beträge, zweckentfremdet und für eigene Belange benutzt. Dabei geht es hier um Summen von insgesamt bis zu 700 000 Euro, die die Staatsanwaltschaft angeklagt hat, rund 330.000 Euro habe sie allerdings wieder zurückgezahlt.

In eine enge Sackgasse gerutscht

Maria B. gab in der Erklärung „einzelne Taten durchaus zu“. Sie sei eine Juristin, die mit Leidenschaft ihren Beruf wahrgenommen hatte – und unabsichtlich in eine immer engere Sackgasse gerutscht sei. Erst rückblickend habe sie erkannt, so hieß es in dem von Verteidiger Osama Momen und seiner Kollegin verlesenen Erklärung, welchen Irrtümern sie letztlich aufgesessen sei.

Ein Hauptgrund für ihr Scheitern sei die Übernahme einer damals völlig überteuerten und mit Altschulden belasteten Kanzlei – sie lag in der Theaterstraße – gewesen. Sie habe versucht, das mit Einsatz und Arbeit zu stemmen. Das habe sich gut angelassen, doch sie habe dann letztlich ihre kaufmännischen Fähigkeiten völlig überschätzt, es endete 2007 und 2008 in einem finanziellen Desaster.

Sie habe Alkohol zu trinken begonnen und ihre zwölfstündigen Arbeitstage nicht mehr geschafft. Mandantentermine seien geplatzt, Depressionen und Suizidversuche gefolgt. Da sei 2007 aus einem Finanzverfahren heraus die scheinbare Rettung gekommen.

Ein Schweizer Finanzjongleur „mit einer enormen persönlichen Ausstrahlung“ habe ihr angeboten, juristische Arbeiten wie etwa Vertragsentwürfe zu erledigen, und dafür erhebliche Honorarzahlungen versprochen. Als erstes habe er ihr Ende 2007 187.000 Euro überweisen wollen. Sie wurde von Jahr zu Jahr vertröstet, rein gar nichts sei trotz immenser Arbeit auf ihrem Konto gelandet.

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