Aachen/Düren/Heinsberg - Verteilung: Wie man Jodtabletten beantragen kann

Verteilung: Wie man Jodtabletten beantragen kann

Von: Katharina Menne
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Seit fast einem Jahr erarbeitet eine Koordinierungsgruppe, bestehend aus Vertretern der Stadt Aachen, der Städteregion sowie den Kreisen Düren, Euskirchen und Heinsberg, ein Konzept für die Vorverteilung von Jodtabletten. Am 1. September startet die Ausgabe. Foto: Michael Jaspers
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Gabriele Neumann, Vorsitzende des Apothekerverbands Aachen, unterstützt die Verteilung der Jodtabletten.

Aachen/Düren/Heinsberg. Am 1. September startet die Vorverteilung der Kaliumiodidtabletten an die Menschen in der Region. Die Tabletten sollen im Falle eines Reaktorunfalls im belgischen Kernkraftwerk Tihange Strahlenschäden an der Schilddrüse verhindern.

Auf einer Pressekonferenz stellte die Koordinierungsgruppe unter Leitung von Markus Kremer (Stadt Aachen) am Dienstag den genauen Ablauf vor. „Eine solche Vorverteilung ist deutschlandweit bisher einmalig und hat uns deshalb vor große Herausforderungen gestellt“, sagte Kremer auch im Namen seiner Kollegen Gregor Jansen von der Städteregion Aachen, Peter Kaptain vom Kreis Düren und Franz-Josef Dahlmanns vom Kreis Heinsberg. Doch man habe in guter Zusammenarbeit ein bürgerfreundliches Verfahren erarbeitet.

Demnach können alle dazu berechtigten Personen aus der Stadt Aachen, der Städteregion und den Kreisen Düren, Euskirchen und Heinsberg online vom 1. September bis zum 15. November einen Bezugsschein beantragen, mit dem sie die Tabletten in nahezu allen Apotheken der Region abholen können. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wer erhält Jodtabletten bei der Vorverteilung?

Personen bis einschließlich 45 Jahren sowie altersunabhängig alle Schwangeren und Stillenden können an der Vorverteilung teilnehmen. Das sind insgesamt gut 600.000 Menschen in der Region. Bei Erwachsenen ab 46 Jahren ist das Risiko für schwere Nebenwirkungen in Folge der Tabletteneinnahme höher als das Risiko, an Schilddrüsenkrebs zu erkranken. Sie sind daher von der Vorverteilung ausgeschlossen.

Was bewirken Jodtabletten?

Jodtabletten sollen im Falle eines Reaktorunfalls eine Anreicherung der dabei austretenden Radioaktivität in der Schilddrüse verhindern. Radioaktives Jod hat die gleichen Eigenschaften wie das in der Nahrung vorkommende natürliche Jod. Es wird deshalb ebenso in der Schilddrüse gespeichert und kann dort Schäden anrichten. Die hoch konzentrierten Jodtabletten sorgen dafür, dass die Schilddrüse mit harmlosem Jod gesättigt ist und eine weitere Jodaufnahme nicht möglich ist – die sogenannte Jodblockade.

Wie erhält man die Jodtabletten?

Dazu ist die Beantragung eines Bezugsscheins für alle Mitglieder des Haushalts bis spätestens zum 15. November 2017 nötig. Der Antragsteller muss über 16 Jahre alt sein und eine gültige Meldeadresse in dem Kreis haben, in dem er den Antrag stellt. Die Beantragung erfolgt online. Nur in begründeten Ausnahmefällen ist es möglich, einen Papierantrag auszufüllen.

Wo werden die Jodtabletten ausgegeben?

Nach Beantragung werden die Angaben mit dem Melderegister abgeglichen. Anschließend erhält der Antragsteller einen Bezugsschein zum Ausdrucken, mit dem kostenfrei in fast allen Apotheken der Region die für den Haushalt vorgesehene Menge Jodtabletten abgeholt werden kann. Sie werden in Blistern zu je sechs Tabletten abgegeben.

Wie werden die Jodtabletten dosiert?

Neugeborene bis zu einem Monat erhalten eine Vierteltablette, Kleinkinder bis einschließlich zum dritten Lebensjahr eine halbe Tablette. Kinder und Jugendliche bis zwölf Jahren bekommen eine Tablette. Ab 13 Jahren sowie für Schwangere und Stillende sind zwei Tabletten zu rechnen.

Wann werden die Jodtabletten eingenommen?

Jodtabletten dürfen nicht vorsorglich, sondern nur nach Aufforderung der Katastrophenschutzbehörde eingenommen werden. Den Mitteilungen und Empfehlungen der Katastrophenschutzbehörden sollte unbedingt Folge geleistet werden.

Welche Nebenwirkungen gibt es, wenn zu viele Tabletten eingenommen wurden?

Die Nebenwirkungen sind die einer starken Schilddrüsenüberfunktion. „Es können Schwindel, Schlaflosigkeit, Ruhelosigkeit, Durchfall oder Herzrasen auftreten“, sagt Gabriele Neumann, die Vorsitzende des Apothekerverbands Aachen. Man solle sich auf jeden Fall an die Dosierungsanweisung halten.

Ist die Ausgabe der Jodtabletten tatsächlich sinnvoll und wichtig, oder ist das Aktionismus?

Alle Beteiligten sind sich einig: Die Verteilung ist nötig und sinnvoll. „Natürlich gibt es vielfältige Gefahren bei einem Reaktorunfall“, sagt Stefan Derix, Geschäftsführer der Apothekerkammer Nordrhein. „Doch wenn man zumindest die Schilddrüse durch eine einfache, wissenschaftlich fundierte Maßnahme schützen kann, ist das doch schon mal was.“

Wie lange sind die Tabletten haltbar und was passiert danach?

Die ausgegebenen Tabletten sind laut Aufdruck bis zum 31. Dezember 2021 haltbar. „Durch eine behördliche Prüfung, ob die Wirksamkeit noch gegeben ist, könnte die Haltbarkeit im Nachhinein noch mal verlängert werden“, erklärt Derix. Das sei aber noch Zukunftsmusik. Eine erneute Verteilaktion sei ebenfalls denkbar.

Wie groß wird der erwartete Ansturm?

Das ist schwer zu schätzen, sagt Kremer. „Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen, dass etwa 20 bis 30 Prozent der Menschen von der Vorverteilung Gebrauch machen“, sagt er. „Die hohe Sensibilität in der Region für das Thema Tihange kann jedoch dazu führen, dass es möglicherweise auch mehr sind.“

Was, wenn man die Frist verpasst?

Im Falle eines GAUs gibt es Notfallverteilpläne und weitere Schutzmaßnahmen.

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