Aachen - Verteidigung: Prozess gegen SS-Mann Boere einstellen

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Verteidigung: Prozess gegen SS-Mann Boere einstellen

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SS-Prozess / Heinrich Boere
Mit Heinrich Boere steht einer der letzten NS-Kriegsverbrecher vor einem deutschen Gericht. Foto: Markus Schuldt

Aachen. Im Mordprozess gegen den früheren SS-Mann Heinrich Boere hat die Verteidigung auf Einstellung des Verfahrens plädiert. Die Anwälte begründeten dies am Dienstag mit einer früheren Verurteilung wegen der Taten.

Sollte Boere trotzdem erneut verurteilt werden, forderten sie wegen Mordes in zwei Fällen eine milde Strafe bis zu maximal sieben Jahren. Die Anklage hatte lebenslange Haft verlangt. Der 88-jährige Boere hatte gestanden, als Mitglied des SS- Killerkommandos „Feldmeijer” drei niederländische Zivilisten erschossen zu haben. Das Urteil wird am 23. März erwartet.

Verteidiger Matthias Rahmlow wies im Plädoyer darauf hin, dass ein Sondergerichtshof am 18. Oktober 1949 Boere bereits wegen aller drei Taten abgeurteilt hatte. Nach der neuen Grundrechte-Charta dürfe ein Angeklagter wegen einer Straftat in der EU nur einmal rechtskräftig verurteilt werden, unabhängig davon, ob die Strafe verbüßt wurde. „Das Verfahren ist einzustellen”, verlangte Rahmlow.

Der Sondergerichtshof hatte damals die Todesstrafe verhängt. Die später in lebenslange Haft umgewandelte Strafe hatte Boere nie verbüßt. Den gleichen Antrag der Verteidigung hatte das Gericht während des Verfahrens abgewiesen.

Es gebe drei Fälle der vorsätzlichen Tötung, aber nur zwei davon seien als Mord einzustufen. Bei der dritten Tat gebe es kein Mordmerkmal, argumentierte der Anwalt. Boere und ein Komplize hätten das Opfer angeblich zu einer Überprüfung mitnehmen wollen und bei einem Fluchtversuch geschossen.

Die sonst übliche lebenslange Freiheitsstrafe bei Mord sei unverhältnismäßig, sagte der zweite Verteidiger, Gordon Christiansen. Zwischen Tat und Verfahren lägen fast 66 Jahre. Hinzu kämen unter anderem das hohe Alter und der Gesundheitszustand des Angeklagten.
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