Aachen/Erkelenz - Versteigerung der Funkfrequenzen: Internet an, Mikrofon aus

Versteigerung der Funkfrequenzen: Internet an, Mikrofon aus

Von: Christina Merkelbach
Letzte Aktualisierung:
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Betrifft auch ihn: Peter Maffay setzt sich dafür ein, dass die, die drahtlose Mikrofone einsetzen, entschädigt werden. Foto: Imago/APress

Aachen/Erkelenz. Was Internetnutzer in der Eifel und im Kreis Heinsberg jubeln lässt, ist für viele Veranstalter in der Region alles andere als ein Grund zur Freude. Bis Anfang 2016 sollen ländliche Gebiete per Funk mit Internet und drahtlosen Netzzugängen ausgestattet werden.

Das dafür vorgesehene Frequenzpaket versteigert die Bundesregierung seit Mitte April. Die Kehrseite des Ganzen: Der veräußerte Frequenzbereich ist seit Jahren von all jenen belegt, die Funkmikrofone nutzen. Das reicht vom Moderator auf dem Schützenfest über den Pfarrer in der Kirche bis zum Musiker oder Schauspieler auf der Bühne. Ihre auf den Frequenzbereich eingestellte Ausrüstung wird ab 2016 nicht mehr funktionieren.

Mehrere Tausend Euro Kosten

„Im Prinzip bleibt dann nichts anderes übrig, als die Geräte zu verschrotten”, sagt Reinhold Scharbau, Inhaber von Audio Light Service Veranstaltungstechnik in Erkelenz. Umrüsten sei in den meisten Fällen nicht möglich. Scharbau, der unter anderem Veranstaltungen auf der Burg Wilhemstein in Würselen-Bardenberg technisch ausstattet, verfügt über 14 Sendestrecken. So bezeichnen Fachleute Geräte wie Funkmikrofone, die nur auf einer bestimmten Frequenz funktionieren. Zurzeit rechnet er damit, dass er acht neue Strecken braucht und ihn das mehrere Tausend Euro kostet.

Im sechsstelligen Bereich könnten die Kosten liegen, die das Aachener Kongresszentrum Eurogress wegen der neuen Funkfrequenzen stemmen muss. Einen genauen Betrag kann der technische Leiter Axel Dresbach noch nicht nennen. „Wir haben 50 Sendestrecken und müssen qualitativ hohe Ansprüche stellen”, sagt er. Für ein geeignetes drahtloses Mikrofon oder drahtlose Kopfhörer müsse man aber zwischen 1500 und 2500 Euro investieren. Demnach könnten auf das Kongresszentrum Kosten in Höhe von 125.000 Euro zukommen.

Vorschlag Abwrackprämie

Zu den Veranstaltern, die mit hohen Ausgaben rechnen müssen, gehört auch die Stadthalle in Alsdorf. Anders als beispielsweise die Arena Kreis Düren, wohin die Produktionen jeweils ihre eigene Technik mitbringen, besitzt die Stadthalle eigene Geräte. „Zurzeit haben wir zwölf Sendestrecken, die ausgetauscht werden müssen”, sagt Ernst Erasmus, technischer Leiter. Er schätzt, dass eine neue Strecke bis zu 5000 Euro kosten wird. In dieser Größenordnung liegen auch die Schätzungen von Stefan Josephs, dem technischer Leiter des Aachener Grenzlandtheaters. Dort müssen 16 Sendestrecken ersetzt werden.

Der Berufsverband für professionelle drahtlose Produktionstechnologie (APWPT) geht davon aus, dass sich der Verlust des Frequenzbereichs für die bisherigen Nutzer auf einen Schaden von zwei Milliarden Euro belaufen wird. „Mit der Versteigerung nimmt der Bund etwa 3,7 Milliarden ein. Davon fordern wir eine Entschädigung”, sagt der APWPT-Vorsitzende Matthias Fehr. Dem Verband schwebt eine Abwrackprämie vor, entsprechende Vorschläge liegen dem Bundeswirtschaftsministerium vor. Zu den prominenten Unterstützern des APWPT gehört Peter Maffay. Wie viele andere Musiker ist er bei seinen Auftritten auf drahtlose Mikrofone angewiesen.
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