Merzbrück/Mechernich - Verschwundener Unglückspilot: Notruf kurz nach dem Start

Verschwundener Unglückspilot: Notruf kurz nach dem Start

Von: Marlon Gego
Letzte Aktualisierung:
Flugzeug Flugzeugabsturz Absturz Sportflugzeug Mechernich Bergheim
Rätselraten an der Absturzstelle: Das Cockpit der vergleichsweise heil gebliebenen Maschine war leer, als die Rettungskräfte eintrafen. Foto: dpa
Flugzeug Flugzeugabsturz Absturz Sportflugzeug Mechernich Bergheim
Rätselraten an der Absturzstelle: Das Cockpit der vergleichsweise heil gebliebenen Maschine war leer, als die Rettungskräfte eintrafen. Foto: dpa
Flugzeug Absturz Flugzeugabsturz Sportflugzeug Mechernich Bergheim
Rätselraten an der Absturzstelle: Das Cockpit der vergleichsweise heil gebliebenen Maschine war leer, als die Rettungskräfte eintrafen. Foto: dpa

Merzbrück/Mechernich. Kurz vor dem Absturz am späten Mittwochnachmittag sahen mehrere Zeugen das Kleinflugzeug noch über Mechernich-Bergheim kreisen, einige Momente später stürzte es gleich neben dem Ort ab. Die Zeugen eilten zum Flugzeugwrack, das Feuer fing. Jemand brachte einen Feuerlöscher, und als der Brand gelöscht war, wollten die Zeugen die Besatzung des Flugzeuges retten. Doch als sie sich der Maschine näherten, war das Cockpit leer. Der Pilot, ein 43 Jahre alter Mann aus Aachen, war verschwunden.

Die Suche der Polizei verlief bis zum Donnerstagnachmittag ergebnislos. Auch 24 Stunden nach dem Absturz blieb der Pilot verschwunden. Ob außer dem 43-Jährigen noch weitere Menschen an Bord des viersitzigen Kleinflugzeuges waren, ist im Moment unklar. Die Polizei geht mittlerweile davon aus, dass der 43-jährige Aachener allein unterwegs war.

Fest steht hingegen, dass der Mann die Piper PA28 am Mittwoch bei der Westflug GmbH gechartert hatte und irgendwann nach 16 Uhr vom Flugplatz Aachen-Merzbrück aus gestartet war, Kurs Südost Richtung Eifel. Dies bestätigte am Donnerstag die Luftaufsicht des Flugplatzes auf Anfrage unserer Zeitung.

Notruf kurz nach dem Start

Es handelte sich um eine Chartermaschine, die der Firma Westflug GmbH gehörte, die ihren Sitz am Flugplatz Merzbrück hat. Ein Zeuge berichtete der Polizei, der Pilot sei der Westflug GmbH bekannt gewesen, er habe dort in unregelmäßigen Abständen Flugzeuge gechartert. Die Westflug GmbH wollte dies auf Anfrage unserer Zeitung zunächst nicht bestätigen.

Schon kurz nach dem Start setzte der Pilot per Knopfdruck einen Notruf ab, möglicherweise wegen eines über die Region ziehenden Unwetters, wie die Feuerwehr mitteilte. Doch Funkkontakt mit dem Tower in Merzbrück oder mit dem Tower am Flugplatz Dahlemer Binz, der nur 25 Kilometer südlich der Absturzstelle liegt, nahm er nach bisherigem Kenntnisstand der Polizei nicht auf.

Zwar lässt sich im Moment nur spekulieren, was genau passiert ist. Doch die Zeugen, die das Flugzeug über Mechernich-Bergheim kreisen sahen, haben laut Polizei übereinstimmend ausgesagt, dass nach dem Absturz niemand aus dem Cockpit gestiegen sei. Deswegen gehen Polizei und die mittlerweile eingeschaltete Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung davon aus, dass zur Zeit des Absturzes niemand mehr an Bord war. Was nur einen Schluss zulässt: Der Pilot muss das Cockpit während des Fluges geöffnet haben und aus dem fliegenden Flugzeug gesprungen sein.

Da zwischen dem Flugplatz Merzbrück und der Absturzstelle etwa 50 Kilometer liegen, ist das Suchgebiet entsprechend groß. Zu groß offenbar, denn am Nachmittag stellte die Polizei, die zwischenzeitlich mehr als 150 Beamte, Spürhunde und einen Hubschrauber mit Wärmebildkamera eingesetzt hatte, die Suche gegen 16 Uhr ein. „Das Suchgebiet ist viel zu groß, um mit diesem Aufwand weitersuchen zu können“, sagte der Sprecher der Euskirchener Polizei, Lothar Willems, im Gespräch mit unserer Zeitung. Auch wenn die ungefähre Flugroute mittlerweile ermittelt ist.

Ein versuchter Mord? 

Nach ersten Vernehmungen will die Polizei nicht ausschließen, dass der Pilot versucht haben könnte, sich selbst zu töten, doch gesicherte Erkenntnisse gab es am Donnerstag nicht. Die Frage ist auch, warum der 43-Jährige noch einen Notruf absetzte, wenn er tatsächlich einen Suizid geplant hätte. Da der Mann noch nicht gefunden ist und nicht feststeht, ob er tot ist oder noch lebt, leitete die Polizei ein Ermittlungsverfahren wegen Gefährdung des Luftverkehrs und Sachbeschädigung ein.

Polizeisprecher Willems erklärte, möglicherweise käme im weiteren Ermittlungsverlauf auch versuchter Mord in Betracht. Der Pilot könnte beim Verlassen des noch fliegenden Flugzeuges billigend in Kauf genommen haben, dass die Maschine beim früher oder später ja unvermeidbaren Absturz Menschenleben gefährdet.

Die Suche nach dem Mann wird morgen mit geringeren Mitteln als bisher fortgesetzt. Die Polizei bittet Zeugen, die die 7,30 Meter lange einmotorige Piper PA28 am Mittwoch vor dem Absturz gesehen haben, um Hinweise unter Telefon 02251/799 294.

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