Verrückt nach Röcken: Staplerfahrer gesteht versuchten Mord

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen. Bärbel K. (38) stammt aus Aldenhoven. Bis vor einem halben Jahr war sie als Vertriebs- und Personalkauffrau in einer Leiharbeitsfirma am Aachener Theaterplatz tätig. Am Mittwoch nun erschien sie im graufarbenen Business-Hosenanzug zur Hauptverhandlung des Aachener Schwurgerichts.

Dass die tapfere Frau am Mittwoch Hosen trug, war gewollt. Denn wegen ihres Rockes, den sie am 19. Oktober 2009, einem Montag, trug und wegen ihres unstreitig guten Aussehens wurde sie Opfer des vom Anblick weiblicher Röcke besessenen Aachener Staplerfahrers Marco H. (39).

Der jetzt wegen versuchten Mordes angeklagte Zwei-Meter-Mann gab mit einer ganzen Latte von Rechtfertigungsversuchen zu, dass er die Frau, die ihm normalerweise seine Jobs besorgte, an jenem Oktobertag mit einem langen Küchenmesser schwer verletzte. Die Tatwaffe aus dem Instrumenten-Arsenal der Köche hatte er am gleichen Tag, als er Bärbel K. unvermittelt angriff, gekauft.

Er habe das lange Messer, wie er sagte, „zufällig” in der Jackentasche dabei gehabt, sogar eine Klebeband hatte sich dorthin verirrt. Das überraschte Opfer konnte sich nachmittags gegen 17.15 Uhr lebensgefährlich verletzt mit zwei Stichen im Bauchbereich und einem weiteren im Rücken auf die Straße vor das dortige Theater-Café schleppen.

Die Sache mit den Röcken ist zentral in diesem Fall. In einem Brief hatte H. gestanden, er habe zugestochen, um „endlich den Rock” von der für ihn äußerst „attraktiven Blonden” anfassen zu können. Röcke „erregen mich”, gestand er vor der Schwurgerichtskammer. Am Tattag hatte H. eine Droh-SMS kurz vor der Tat an seine Chefin geschickt, das Opfer bekam sie aber zu spät: „Der Empfang ist sehr schlecht dort.” Im Handy stand bereits alles: „Du bist eine Schlampe. Ich werde dich vergewaltigen. Ich werde dich töten”, schrieb H. darin.

Stalking-Attacken

Schon als er morgens bei seiner Chefin war und nur Kaffee trinken wollte, hatte er gefragt, „darf ich mal den Rock anfassen?” Das hatte sie empört verneint, sich aber nichts weiter dabei gedacht. Von seinem Hang, x-beliebige Frauen auszusuchen, sie mit heftigen Stalking-Attacken anzugehen, ihnen Vergewaltigung und den Tod anzudrohen, wusste Bärbel K. nichts.

Die Staatsanwältin trug drei weitere Anklagepunkte vor, denen zufolge H. seit 2008 in drei weiteren Fällen Aachener Verkäuferinnen ähnlich eingeschüchtert und bedroht haben soll.

Als er ein zweites Mal kam und sich über seine falsche Lohnabrechnung beschwerte, berichtete das Opfer, sei er noch normal gewesen. Der Vorsitzende Richter Gerd Nohl fragte nach: „Hat er Sex von ihnen gewollt? Haben Sie bemerkt, dass er ihren Rock anfasste?” Nein, dass habe er nicht gesagt. Nur, dass er eine andere Frau vergewaltigt habe. Da drückte sie den Alarmknopf, es half ihr nichts.

H., so die Anklage, habe im Zustand verminderter Zurechnungsfähigkeit gehandelt. Der Prozess geht am 22. April weiter.
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